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Zum Film Tepeyac, 1917

Tepeyac, ein früher außerhalb von Mexico-City gelegener Hügel, ist einer der größten Wallfahrtsorte der Welt. Die vom Architekten Pedro Ramírez Vázquez geplante und 1974 eingeweihte Basilika, die neben der alten, einsturzgefährdeten Kirche errichtet wurde, hat ein Fassungsvermögen von 40.000 Personen; jährlich besuchen Tepeyac an die 20 Millionen Pilger.

Der mexikanische Stummfilm aus dem Jahr 1917 von den Regisseuren Carlos E. Gonzáles und José Manuel Ramos thematisiert - den 1. Weltkrieg als zugrunde liegende Folie - in einer langen Traumsequenz (die der Film eigentlich ist) die Legende der Marienerscheinung, die dem Azteken Juan Diego am 9. Dezember 1531 widerfuhr. Die Jungfrau Maria bat ihn, auf dem Berg eine Kapelle zu errichten. Der Bischof Juan de Zumárra glaubte ihm nicht und verlangte Beweise. Drei Tage darauf hatte Juan Diego erneut eine Erscheinung. Sie äußerte sich als Bild der Muttergottes auf seinem Mantel. Damit ging er erneut zum Bischof, der daraufhin den Bau der Kapelle zu Ehren “Unserer Lieben Frau von Guadalupe” in Auftrag gab.

Säkularisierung und Religionsskepsis hin oder her: Es ist bemerkenswert, welch religiöse Strahlkraft diese Geschichte für den lateinamerikanischen Kontinent bekommen hat und nach wie vor besitzt. Das Abbild der Virgin de Guadalupe ist in Mexiko omnipräsent, in ihr bündeln sich symbolisch archaische wie katholische Glaubensvorstellungen, Synkretismus pur. Die Legende von Juan Diego wurde von den spanischen conquistatores geschickt benützt (oder in die Welt gesetzt), um die widerspenstigen Atzteken zu befrieden und sie vom Nutzen des Katholizismus zu überzeugen: Die heilige mexikanische Jungfrau hat einen braunen Teint, sie wurde zur indigenen Heiligen stilisiert, die den Göttinnen und Göttern der Azteken als gleichwertig gegenübersteht bzw. eine von ihnen ist. Heutzutage bekommt die heilige Guadelupe Konkurrenz bzw. hat eine heilige Schwester. Mittlerweile hängt neben den in Mexiko allenthalben vorhandenen Guadelupe-Bildern eine zweite Heilige: Frida Kahlo.

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