2000 11 30 do 00:45 gd Kaugummi und Semmerln
    Na gut, schreib ich halt mal gleich nach Mitternacht, nachdem ich in dieser Woche scheinbar nie vorher zum tb schreiben komme. Also: was ich im Sinne der geschärften Wahrnehmung des Alltags schon seit geraumer Zeit mitteilen wollte, das ist der zunehmende Geruch von aufgebackenen Semmerln in öffentlichen Gebäuden, wie Kaufhäusern, U-Bahnstationen, und zuletzt auch in der Bank Austria Filiale Ecke Neubaugasse/Mariahilferstrasse, in deren Eingang sich eine MANN Bäckerei installiert hat. Ich frage mich wie das die in diesen Gebäuden arbeitenden Menschen aushalten. Den ganzen Tag frischer Semmerl-Geruch!
    Die zweite Beobachtung, von der man – wenn man sie einmal entdeckt hat – kaum mehr lassen kann sind die auf den Gehsteigen, vor allem vor Eingängen zu Kinos, Kaufhäusern und auch U-Bahneingängen klebenden und nie mehr entfernbaren ausgespuckten Kaugummis. Zuletzt vor den Kinocenters am Montparnasse gesehen, entdecke ich sie jetzt auch überall in Wien. Die Spuren eines oralen Rituals der Großstadtbewohner. Danke an ak und gg für das Geburtstagstreffen in Griechenland.
    Auf Wiederlesen vielleicht irgendwann und irgendwo, und danke für Euer Interesse, liebe Standard-online Leserinnen und Leser.
    Gestern war es sehr schön.
     
    2000 11 30 do 02:00 ak surprise, surprise in Griechenland!
    Was zuerst nach einem dinner 4 2 ausgesehen hatte, entpuppte sich plötzlichst als ein dinner 4 15. Eine Riesenüberraschung und Freude!!! Thanks so much, my dears! Danke für all die Überraschungsgäste samt Geschenken! Apropos: Mein Glühbirnendebakel setzt sich fort: jetzt fehlen nämlich wieder die dazugehörigen Fassungen & Lampen!



     2000 11 30 do 8:30 ga T
    ol' man river (smoke a little tea), spielten Cootie Williams & seine freunde
    um Duke Ellington im april 1938. im november 2000 = dagegen alles g stoned. &
    schon Bob Dylan meinte in Rainy Day Women #12 & 35...
    da lob ich mir wohl das hinausströmen mehr (siehe bildbeigabe).
    rumpfplenum rumpfplenum ? was soll das tun ? nachbesprechung als
    gedankenaustausch braucht nicht unbedingt 1 plenum (außer S sollen SOFORTIGE
    KONSEQUENZEN GEZOGEN werden); also m.m.n. eher 1 namensfrage. ich schaff den
    1.12. sicher nicht, fertig wie ich bin; da möchte ich lieber um 8 schon im
    bett liegen...



     2000 11 30 do 18:18 gg in der Jagdgesellschaft
    Weil ein angeblicher Brief des Leibwächters eines einfachen Parteimitglieds als gefälscht gilt (wobei noch nicht einmal klargestellt ist, wer zu welchem Zweck diese Fälschung hergestellt hat), argumentiert eben jenes einfache Parteimitglied, dass nun alle Vorwürfe gegen seine Partei punkto Spitzelaffäre „in sich zusammengebrochen" wären. Eine der sattsam bekannten, durchsichtigen Vorwärtsverteidigungen also wieder einmal, mit dem Ziel, die Ermittlungen im Sande verlaufen zu lassen, oder noch besser: gleich den Spieß umzudrehen und irgendwelche „Roten" als ideologisch Getriebene zu attackieren. Die Verteidigungs=Angriffs-Maschinerie läuft also auf Hochtouren (und erhitzt sich dabei zusehends).
    Und warum nicht gleich auf mehreren Ebenen gleichzeitig? Der Herr Frauenministerin rüttelt an der Fristenlösung in der bestehenden Form, mit der Aussicht, dass gewisse Frauen in Zukunft wieder kriminalisiert werden können. Abtreibung sei nicht alleiniges Frauenrecht, Männer hätten auch mitzureden, so der Ministerin. (Wobei ich gar nicht leugnen möchte, dass hier ein sehr sensibles Thema ausgesucht wurde: der Umgang mit Behinderten, in diesem Falle mit behinderten Ungeborenen bis zum 9. Monat der Schwangerschaft, ist ohnehin ein sehr dunkler Fleck im Sozialsystem. Aber es ist auch klar, dass hier der Versuch anläuft, das „Abtreibungspaket wieder aufzuschnüren", mit einer ideologischen Perspektive, die man/frau sich gar nicht im Detail auszumalen braucht.)
    Es reicht! Bis hierher und nicht weiter!, möchte man dieser „Jagdgesellschaft" täglich entgegenschreien. Wie lange müssen wir uns diesen Horror eigentlich noch geben?
     
    2000 11 30 do 17:30 cs Musik/Rennes-Paris-Wien
    1. 22. Transmusicales in Rennes, ein Marathon der Highlights; De La Soul, Guru mit Herbie Hancock und Angie Stone, Bilal, Les Nubians und Saul Williams; Photek und nie gehörte Namen wie Goldfrapp, At The Drive In, Sonor Coconut, Plastilina Mosh u.v.a. Leider in Rennes, zuviel Zeit, kein Hotel mehr, hab ich gehört.
    2. Centre Pompidou, gestern Abend, zum Glück hat mich ein Wiener Freund, der Le Monde anscheinend aufmerksamer liest als ich, auf das gestern dort stattgefundene Konzert von Terre Thaemlitz aufmerksam gemacht. Eigentlich war es eine Performance; mit langem welligen Haar, stark und schön geschminkt, in einem schwarzen Kleid, busenbetont, darüber ein kürzeres weisses, darunter einiges anderes (wie sich später erst herausstellte, nämlichein sehr geiles enges Lederwämschen...), tritt er auf die verdunkelte Bühne und gibt eine Einführung nicht nur in die bevorstehende Performance, sondern in sein Hauptthema „Transgender und Musik"; drei Teile wird das Konzert haben, in lockerem Plauderton breitet er seine Theorie aus über Transgender, über den Einfluss dieser theoretischen Überlegungen und seiner persönlichen wie politischen Praxis auf seine musikalischen Produktionen, auf seine Arbeit insgesamt, er macht ja auch Filme und Bücher. Dann setzt er sich endlich an seinen Arbeitstisch, auf dem mehrere in der Dunkelheit kaum ausnehmbare „Geräte" stehen und fängt an. „Culture Cosmetique", erster Teil, an die Wand projiziert riesige Dias, Grossaufnahmen von winzigen Details von Körpern; Love Parade, Gay/ Lesben-Demos, no more transgender murder, raffiniert arrangierte Kosmetiksachen, die Musik extreme Spannung, leises Knacken, dumpfes Vibrieren und Explosionen, dass es einen fast aus dem Sessel haut. „Love for Sale", hier geht es um gay-money, pink-economy; gay/lesbian-mainstream, concepts of identity, um reconciliation, Versöhnung, mit der Bourgeoisie; die Musik, ganz entsprechend, auch sehr straight, glatter, mainstreamig; dann, der 3. Teil; es wird ganz dunkel im Saal, Terre dreht uns den Rücken zu, zieht seine Üeberkleider aus, steht dann da im engen Ledergilet, ruhig, schön, konzentriert, „Interstices", heisst soviel wie Spalt, gap, Zwischenraum; diese aufspüren, Verbindungen suchen zwischen homo/hetero/trans...auf den Dias sind Bücher von Marx und Engels zu erkennen; die Musik aus Jazz, Blues, Pop, Country zusammengeholt; ein wenig populär, lange wunderschöne Klavierpassagen, fast romantisch, bluesig, dann Bruch, Sphärenklänge, leises Zurücknehmen... endet im Inferno, der Saal vibriert, Terre steht auf von seinen Maschinen, nimmt eine davon, hebt sie hoch über seinen Kopf und knallt sie mit voller Wucht auf den Bühnenboden. Stille. Er kniet nieder, sinkt zusammen, wirkt wie ein Kind vor der zerbrochenen Puppe, verharrt so, bis sein Übersetzer und Betreuer aus der ersten Reihe ihm zuhilfe eilt, ihm tröstend auf die Beine hilft ... Terre lächelt wieder, sein Begleiter macht eine bedauernde Geste, Terre kann nicht weiterspielen, weil er keine andere Maschine hat ... grosser Applaus der ca 100 Zuschauer im 450-Plätze-Saal. Die Inszenierung der Person scheint hier jetzt im Vordergrund, hat aber der eindrucksvollen, verwirrenden musikalischen Darbietung nicht im geringsten geschadet; ein fantastischer Abend. Danke an rk.
    3) Betsy Jolas, 74-jährige franko-amerikanische Komponistin, Schülerin von Messiaen und Milhaud, Mitarbeiterin von Boulez, deren Werke derzeit in Perpignan beim Festival zeitgenössischer Musik aufgeführt werden, sagt: „Malgré mon grand âge, j'avance encore."
    4) Auch in Wien gibt es etwas zu versaeumen: Kruder & Dorfmeister im echoraum!
     
    2000 11 30 do 19:19 gg Bis hierher und nicht weiter!



    So. Unsere online-Zeit ist praktisch um. Sie hat mir großen Spaß gemacht, obgleich mich auch die Aussicht auf unsere kleine Welt der eigenen 60 Wände freut. Der online-Karren hat sich nun weit genug nach vor gewagt, jetzt ist eine „Nachdenkpause" angesagt. Vorläufig gilt: Bis hierher und nicht weiter! Was im November zu kurz gekommen ist, eintragungsmäßig? Well, primär eine Erfolgsmeldung rechnerischer Natur: Habe die (vorläufig) letzten Berechnungen erfolgreich abgeschlossen, die den Ansatz Edward Nelsons mit meiner Quanten-Kybernetik zu einer Einheit bringt. Im Dezember muss ich das Ganze noch ein wenig setzen lassen, viel Nachdenken über weitere implications ist angesagt, und im Januar 2001 wird das nächste paper verfasst: sollte gut genug für ein major journal werden. Aber darüber mehr im tb des nächsten Jahrtausends!
     
    2000 11 30 do 20:45 gh Drei Generationen
    Drei Generationen erscheinen zu unserem heutigen Bauherrengespräch, da wird`s fast schon eng im Besprechungszimmer:
    Eine Etage in einem Vierfamilienhaus aus den 60`zigern soll in eine großzügige Wohnung umgebaut werden. Die junge Familie für welche die Räumlichkeiten adaptiert werden sollen, schweigt und nickt ab und zu mit dem Kopf, wenn der Vater der möglichen Bauherrin die Sachlage erklärt. Er hat auch für alle Gesprächsteilnehmer fein säuberlich eine Parie mit kopierten Bestandsplänen und Skizzen mit mehreren Varianten einer Wohnungsaufteilung mitgebracht. Ich wundere mich über das Schweigen der zukünftigen Wohnungsbesitzer, bis mir der Vater am Ende des Termines flüstert, er finanziert das Projekt.
    Für nächste Woche wurde ein Termin vor Ort vereinbart.
    Morgen beginnt unser Computerkurs.
     
    2000 11 30 do 21:12 fb und tschüsssssss ...
    07:00 Wecker
    07:30 aufderstanden
    08:30 Baustelle P&B (kalt)
    12:00 Chinese mit Birgit E.
    13:00 Baustelle P&B (kalt)
    17:00 Büro (warm)
    17:15 Magenwehweh (Chinese? / Baustelle?)
    17:17 Durchfall (Chinese!)
    18:00 Schnupfen (Baustelle)
    18:10 völlige Leere im Kopf (Baustelle)
    18:20 völlige Leere im Bauch (Durchfall (s.a. --> Chinese))
    18:26 Tiefschlaf
    21:12 good morning! (alle Abendtermine versäumt!)
    00:00 und tschüsssssss ... (tb-online)
     
    2000 11 30 do 21:45 pt Blick in die Kamera
    Danke an alle on-line-Leser und Leserinnen für das anhaltende Interesse am tb. Wir haben saumäßig toll Quote gemacht und bewerben uns jetzt beim Fernsehen. In diesem Sinne: Auf ein Nächstens, und nie vergessen: Du bist nicht allein!
     
    2000 11 30 do 22:00 fk adel orange
    gh lässt mich nicht zu Taxi Orange den Simultan-Dolmetsch auf fm4 horchen; mein Orange-Interesse ist daher fort. Abends schnell noch einen PC von Josef geholt für unser viertägiges Autocad-Seminar, das morgen beginnt.
    Vorgestern ruft Adel Fahmy an und teilt mit, dass er in Wien ist. Er kommt gerade von einer berliner Lehmbau-Konferenz, bei der er von seine ägyptischen Erfahrungen berichtete. Eigentlich hätte er ruhig von Kairo ein email schicken oder anrufen können. Das Ergebnis ist, dass ich fast keine Zeit für ihn habe; so san´s de Egypta.
    Dabei hätten wir uns viel zu erzählen, da wir uns sieben Jahre nicht mehr gesehen haben. Gestern abend bei uns zu Hause lernte er erstmal Max kennen. Max gefiel´s. Dienstag abend´s wird Adel bei uns im Büro um 19:00 für Interessierte (z.b. fb?) über seine laufenden Projekte erzählen. Adel zählt ja noch zu den authentischen Hassan-Fathy-Zeitzeugen und hat viele seiner Ideen in seine eigene Arbeit übernommen und weiterentwickelt. Heute ist er meines Wissens der einzige ägyptische Architekt, der konsequent und ausschliesslich in Lehmbauweise seine Häuser baut. Zu seinen Kunden zählen deshalb hauptsächlich ägyptische Intellektuelle (Einfamilienhäuser) und europäische Entwicklungshilfeorganisationen (Ausbildungszentren).
    Gestern hat er mir vorgerechnet, dass wir uns seit fünfundzwanzig Jahren kennen!
     
    2000 11 30 do 22:10 td Hauptwege und Nebenwege
    Bei Amadeus im Untergeschoß einen Stapel Softwarekartons in seltsamem Blau-Schwarz-Rot und einem Schriftsatz, der das unterstützt, woran es erinnert:
    - ------------------------------------
    |"FP-Win
    |"Anti-Virus"
    |
    |*Viren erkennen und entfernen
    |*Prüfung einzelner Medien
    |*Überwachung im Hintergrund
    |*Aktualisierbar per Internet-Download
    |* Win 2000 kompatibel
    |(Professional Tools)
    - ------------------------------------
    (Was macht eigentlich Hilmar in seiner Freizeit sonst noch?)
     
    In einem Stapel Papier eine Diskette wiederentdeckt: „Inspiration 4.0" – ob's was nützt?
    IRCAM – oder wie der Name schon sagt? (Der Mac frisst den inspirierten, s.o., „lettre de motivation" mittels „Objekt nicht gefunden" ? Wie wird das weitergehen? Ist es wirklich ein Argument zu sagen, daß das, was vielleicht keinen interessiert das große Feld der wahrhaft künstlerischen Arbeit ist, geknechtet von den Massenmedien? Bei der Apple-Messe in Paris saß ein introvertierter Irrcammler vor seinem Mac und repäsentierte in einer Ecke die Ergebnisse der Recherche acoustique. Und dann die Geschichte von Carlo, wie die Männer mit den weißen Kitteln einmal einen Ami aus dem Bunker am Place Igor-Stravinskij abtransportiert haben, nachdem er sich bei der Arbeit am Keyboard einer Axt bedient hat.)
    Es ist Abend geworden, meine Mutter hat einen Hrdlickakuchen gemacht und mein Vater öffnet einen Hund von 1986, nicht schlecht, zu seinem, tja, 6 weiße und 2 rote Kerzen-Tag. Zur Krönung des Abends dann der männliche Gang ins Raucherzimmer, wo der Laptop steht und der obligate Schritt ins Internet, auf zu derStandard.at. Der letzte Tag! Leider mit dem behaviour von „autoren" wieder gar keine Freude (das Fenster-schließen-ja/nein?-Black-Screen-Symptom auch hier. – In qbasic auch einfach durch die Funktion „CLS" zu programmieren!) und nach 13 Mintuten unvollständigen Downloads eines nutzlosen Shockwaveplayers Abbruch, nachdem mein Vater den Computer als „Armes Schwein" bezeichnet hat und die Leute die das lesen sollen „ausgeruhter Gehirne" bezichtigt. – Oder wie Miller Pucket sagt:
    „It didn't hurt a bit."
     
    2000 11 30 do 23:25 jh Zeit
    im wahrsten Sinn des Wortes – eigentlich „Hello Merry Lou" kien Zeit – 12 Stunden Kroatenfilm, Geburtstage und echoraum, Zähneputzen, Modersohn, eine Würschtelbude (ich esse kein Fleisch) & eine Achterbahn .... tbc!!!
     
    2000 11 30 do 23:40 hs Die drei Bilder des Monats November
    Sacile, Italy, 1,2,3.







     2000 11 30 do 23:59 wk Monatsende – Schreibtisch aufräumen...
    (((Leicht getürkt, weil S erst 23:50 ist, aber die K&D-Präsentatiuon = aus & wir müssen jetzt dringend zum Quell...))) Zuallererst (aus mit geheim) : ALLES LIEBE zum Geburtstak, ag !!! Dann gleich eine Beschwerde : am 28. November, Dienstag, wurden uns im Standard-TV-Tagebuch, in dem wieder mal lang & breit aus dem Leben des Tscherkassky zu lesen war, für nächsten Tag weitere Enthüllungen in Aussicht gestellt, ein Versprechen, das leider bis heute nicht eingelöst wurde !



    cs hat sich per mail gemeldet & einen Besuch in Wien im Jänner angekündigt – vielleicht könnten wir bei der Terminwahl für unsere nächste Besprechung darauf Rücksicht nehmen...
    Buchmäßig heute absolute Zäsur : Die ersten Exemplare K&D sind rechtzeitig zur Präsentation geliefert worden, G&R gerade heute fertig geworden & mit dem Monatswechsel wechselt auch das Buch, das gerade bearbeitet wird : G&R geht morgen in die Druckerei, Burkhard Stangl kommt morgen mit den Unterlagen für seine Diss....
    In 10 Minute geht unser Auftritt im Standard zu Ende. Hat irgendwie ziemlich Spaß gemacht, möcht ich sagen, auch wenn mir ein quasi „Urlaubsmonat", in dem sonst nichts zu tun gewesen wären, besser gepaßt hätte... War so aber auch OK & aus meiner Sicht : bei nächster Gelegenheit wieder...