2000 11 24 fr 00:21 fb na klar
    1. in einem Monat ist Weihnachten
    2. warum hast du mich nicht früher gefragt?
    Na klar borg ich dir meinen LP-Recorder, liebe pt (wo ich doch offensichtlich gar kein Fernsehgerät besitze).
     
    2000 11 24 fr 08:57 pt Geburtswehen
    Den gestrigen Tag doch noch mit Szenenauswahl zugebracht. Insgesamt setzt sich das Repertoire derzeit aus 54 Einstellungen zusammen. Ca. 30 davon stehen auch als Negativ zur Verfügung, da ich bereits während der Arbeit an „Outer Space" Einstellungen für diesen zweiten Film zusammengetragen und umkopieren habe lassen. Jedenfalls erst am späten Nachmittag mit der Komposition der Einstiegssequenz begonnen: über den Leuchttisch gebeugt Szenen studiert, Kader gezählt, Zettel vollgeschmiert, und immer wieder alles verworfen. Das heißt dann: Küche, Kaffee, rauchen, auf den Boden stieren. Skrupulös an der Grenze zur Selbstblockade. Die klassischen Geburtswehen. Umweht von den Strauss'schen Letzten Liedern, die mir dank des as´schen CD-Brenners in dreifacher Version zur Verfügung stehen: Gundula Janowitz mit den Berlinern unter Herbert; Eva Marton, London, A. Davis; sowie Betty Schwarzkopf mi´m Philharmonia Orchestra + Otto Ackermann. Wirklich geholfen hat das auch nicht, aber getröstet. Jedenfalls gegen Mitternacht hatte ich dann einen Fahrplan für die ersten beiden Minuten beieinander, und jetzt muß das auch dem heutigen Blick standhalten, und dann könnte es losgehen, in der Dunkelkammer. Aber sicher noch nicht heute: Die Aufregung hat mich nach sechs Stunden unerbittlich aus dem Schlaf vertrieben, und solche Tage sind eigentlich zu vergessen. Macht nichts. Ich werde den Ton auf Audio-Cassette überspielen, damit ich ihn gesondert auswählen kann (beim Video lenkt das Bild zu sehr ab), und später kommt dann Gabi auf Besuch, bis Sonntag früh. Antisublimierungsprogramm, volle Tube.
     
    2000 11 24 fr 13:51 ak Nussbusserl mit Martini
    Man nehme Zucker, Butter, geriebene Haselnüsse, zerlassene Kochschokolade, forme Kügelchen, backe sie kühl für einige Minuten ... und man erhält Nussbusserl. Da Regina unlängst gemeint hatte, es wäre super, auf Gomera bei gg mit selbstgebackenen Weihnachtskeksen aufzugeigen, hat sie gestern Abend Martin Ausgang gegeben, Klein-Bodo ins Bett gesteckt und wir haben uns dem Backen gewidmet. Dazu wurden Martinis getrunken, bis 1Uhr Früh.
     
    2000 11 24 fr 16:50 gl Nebel und Nebel
    Christoph Nebels Vorstellung im kompletten Dunkel. Wir erreichen den absoluten Schwarzraum. Ist sehr angenehm,wenn man die Augen offen hat und es ist so dunkel, dass man nicht weiß, ob man sie offen hat oder nicht. Stimmung ist gut und konzentriert, auch angesichts des brutalen Videos über die letzten Tage einer gequälten alten Frau. Das Programm ist total stringent. Erstaunlich, dass ein exzessiver Bildersammler wie Christoph so karge Arbeiten macht. Oder vielleicht auch nicht. Heute morgen steht in weißem Nebelhimmel eine noch weißere Scheibe. Und es ist deutlich zu sehen, wie die weiße feuchte Luft noch dichter über dem Fluss steht.
     
    2000 11 24 fr 16:50 cs Alptraeume
    Letzte Nacht habe ich geträumt, dass ich zu Weihnachten nach Banja Luka fahren muss! Jemand aus dem Hotel „Bosna" (das w a r schon damals der Alptraum in rosa, lila, Plastik, grell, überdimensioniert, geisterhaft leer, ferngesteuertes Personal, Mafiosi in der Bar, grauslichste Frivolitäten ...) hat angerufen und gesagt, ich muss zu einer Nachbesprechung kommen, da man mit den Ergebnissen unserer Experten-Mission nicht zufrieden wäre ... mein Einwand, dass die Berichte ja noch gar nicht vorliegen, dass wir doch alle gemeinsam dann später die Berichte diskutieren würden ... all das nützte nichts; irgendwie habe ich das Telefonat nicht beenden können, nicht einfach auflegen, ich war wie gelähmt vor Schrecken, dass ich da alleine – darauf bestand der Anrufer – hin muss und etwas rechtfertigen, wozu ich selbst gar nichts geschrieben habe, was gar noch nicht fertig ist und – das Schlimmste: was ich vielleicht gar nicht rechtfertigen würde wollen oder können ... bin ziemlich fertig aufgewacht, es war gegen 4 Uhr Früh. Lange nicht eingeschlafen, denn dann fiel mir gleich der nächste Grund für einen Alptraum ein: gestern erzählten mir 2 Leute, eine Frau hier in Paris, und ein Kollege aus dem Ministerium aus Wien, von den derzeit im Schnellverfahren durchgezogenenen Assessments, der beinharten Effizienzprüfung der Verwaltung durch eine für solche Rationalisierungsprojekte berühmte teure Firma.
    Verwaltungsvereinfachung und -einsparung gut und schön, diskussionswürdig, aber was sich da abspielt, was abzusehen ist, wozu diese Aktion dienen soll, ist klar; es werden Grundlagen dafür geschaffen, wie man „legitim" begründet unerwünschte Personen und Strukturen und damit Inhalte dieser Verwaltungseinheiten auflösen, schwächen, Vernetzungen zerreissen, einfach die Menschen demoralisieren kann, die noch vereinzelt in irgendeinem Ministerium sitzen und versuchen, eine sinnvolle Arbeit zu machen. So geschieht es zumindest derzeit mit diversen frauenpolitischen „Zellen", die noch gute Arbeit zu machen versuchen, eh mehr im Dämmerzustand als sonstwas, aber dennoch; und so geschieht es auch in anderen Ressorts, soweit ich höre.
    Ich höre aber auch, dass es schon auffallend viele Kolleginnen und Kollegen gibt, die bereits begonnen haben, sich mit den neuen Verhältnissen zu arrangieren; das reicht vom simplen Opportunismus und demonstriertem Ohnmachtsgefühl über die Uminterpretation der Realität bis zur Identifikation mit dem Feind – Verleugnung, Verdrängung, Abwehrmechanismen haben wieder Saison in Österreich.
    Und die Consultingfirma hat im Logo einen Zug.
    Der Zug ist abgefahren?
    Da fährt die Eisenbahn drüber?
    Der Zug der Zeit?
     
    2000 11 24 fr 17:46 as Klassikkenner
    Als Kunde muß man sich die Aufmerksamkeit und liebevolle Zuwendung der beiden homosexuellen Klassikspezialisten im bestsortierten Musikladen der Stadt, dem „Kaufhaus Beck am Rathauseck" (vgl. MixWix von H. Achternbusch) erst erarbeiten. Generell verachten sie alles und jede, geben vor für niemanden Zeit zu haben, wuseln und flattern immer nur aufgeregt-emsig zwischen den Regalen herum. Jede Frage scheint ihnen Belästigung. Ich liebe sie schon lange, immerhin versorgen sie mich mit Leckerbissen von Schuberts „Winterreise"-interpretationen. Jüngstes highlight eine 1963 entstandenen Einspielung von Pears und Britten, gut und skuril zugleich. Noch skuriler allerdings dazu ein s/w-Foto der beiden Englishmen, untertitelt „Benjamin Britten with Peter Pears in Zermatt, Switzerland, 1952", auf dem einer der beiden mit Fäustlingen auf tiefverschneite Berge zeigt, der andere das Auge an ein Fernrohr wie es früher an so besonders schönen „Panoramablickplätzen" stand, preßt. Ich hatte zur Winterreise bis dato immer ganz andere Bilder im Kopf. Weil ich ohnehin nicht an mir halten kann, sei's gleich gesagt: „Winterreisemäßig" ist nach meinem Dafürhalten immer noch Dietrich Fischer-Dieskau die Messlatte (huhu!), aber auch (no-na!) die Janowitz, die Fassbaender, der Prey, und so weiter und so fort sind nicht schlecht. Aber eigentlich geht's ja momentan um die, ich nenne sie schon mal so, berühmt-berüchtigten 4 letzten Lieder von Richard Strauß. Der mit der engen schwarzen Lederhose (ich bin überzeugt, daß er abends auch so glänzende Stachelhalsbänder trägt) meinte kürzlich zur Jessye Norman-Interpretation: „Die mit ihrem gewaltigen Organ röhrt ja über das Orchester drüber!", worauf der kleine Tuntige gleich zu kreischen begann. Ich selbst hab mich dabei ertappt, wie ich bei „gewaltiges Organ" unwillkürlich die Arschbacken zusammengekniffen habe. Den Gesang von Kiri Te Kanawa, einer Sängerin mir unbekannter Herkunft sollte man sich nicht entgehen lassen.–
    Jetzt aber zum Rotwein!
     
    2000 11 24 fr 18:00 fk warenkörbe
    gestern ganztägig Übergabe der Baustelle Alland mit einigen Vorzugsschülern (Baumeister, Tischler) und einigen Sorgenkindern (Elektriker, Schlosser). Die längste Mängelliste fasste die Elektrikerfirma aus (eine dicht beschriebene DIN A4-Seite). Alles in allem jedoch eher versöhnlich vorweihnachtlich: Evi Bauer hat für jede Firma einen Warenkorb vorbereitet: sensationell! So richtig mit Kantwurst, Casali Rum-Kokos, Sardellenringerln, Schokolade, Mixed Pickles, Wein, Schnaps, etc. ... alle waren platt. Für die Vorzugsschüler gab's noch Extrakuverts für die Mitarbeiter (vermutlich Trinkgeld). Alles war herrlich in einer Korbimitation aus Karton drappiert, so wie man's beim Preisschnapsen vermutlich bekommt. Alle Körbe waren im Arbeitszimmer aufbewahrt, was zur Folge hatte, dass wir diesen Raum nicht mit den Firmen nach Mängeln durchsucht haben, um den Überraschungseffekt nicht zu verspielen. Wäre zum wiehern, wenn gerade dort sich die nicht protokollierten Mängel hinter den Warenkörben versteckten.
    Evi, in ihrer Universalfürsorge, hatte schlussendlich auch eine Zufriedenheitsbezeugung für mich vorbereitet: einen Drei-Tages-Hotelscheck für zwei Personen in einer gewissen Classic-Hotelkette (ca. 15 Hotels österreichweit); sehr aufmerksam.
     
    2000 11 24 fr 19:30 jh Ruhe
    Bin ich eigentlich nur so ruhig weil ich mit gg einen hervorragenden Curry-Fisch zu Mittag genossen habe, weil ich eigentlich ziemlich alles erledigen konnte, weil ich seit Tagen wk um 07:30 Uhr (!) begegne und er jedesmal das Kaffeeangebot verweigert, weil er jetzt bald 2 Stunden schlafen gehen wird oder ... oder was soll ich sonst zum Drehplan für die gesamte nächste Woche sagen, den mir gerade die Filmfirma aufgepfropft hat? So eselsbrückenintelligent wie Christian Nehiba beim Super G Kommentar zu Renate Götschl, scheine ich nicht zu sein :: Renate Götschl hat die Schifirma gewechselt, aber Werbung darf ich ja keine machen, vielleicht hilft IHNEN das :: Sie hat Blizzardig ihre alte Firma verlassen und SALOMONisch sich für ihre Neue entschieden. Danke Christian und den ORF für diese Diskretion.
     
    2000 11 24 fr 22:15 jh webmaster



    TELE & COM – ein sogenanntes Doppelorakel der webmaster. Man hört ja wilde Gerüchte. Die Aktie phällt. Und ES gibt keine speziellen Suchwörter, um etwaige Gründe zu lokalisieren resp. virtualiseren. Der Fassungsbereich des regierungseigenen »Visifons« ist hoffnungslos überlastet. Nur die »webmaster« blinzeln stolz in die Optik und bemühen sich um ein seriöses Lächeln. Keine Debatten über Archetypen bzw. Toxikologie der Aktie. Es reichen die Grundelemente – Erde, Feuer, Wasser, Luft und geringfügige Modifikationen. Das Nächstliegende übersieht man eben. Siehe Bank Burgenland, die ist innerhalb von 6 Monaten auf fünf Milliarden gestiegen. So what. Die paar Prozent bringen doch nicht einem gleich phöllig aus dem Lukul oder? Die Priester dieser furcht- und fruchtbaren Paarung werden uns schon überzeugen. Punkte sind zwar plakativ, doch leider sind wir (Anleger) vom Sport her auf die Bedeutung einer Hundertstelsekunde stark sensibilisiert und 17,3 oder mehr Minuspunkte signalisieren da schon eine bedenklich-abphallende Punkte-Genauigkeit.
     
    2000 11 24 fr 22:00 td Herbeigefürchtet
    Ich überquere die Operngasse. (Was für ein verrücktes Leben müsste man führen, wollte man jeden Tag in einem Tagebuch solche witzigen Geschichten erzählen wie zum Beispiel gg gestern. Vielleicht viel reisen? – Oder der Vogel mit dem Fisch aus dem Springbrunnen im Schnabel, wie es gd beobachtet hat. Paris! Zwei Minuten reden statt vier! Das war mir auch neu, würde das beinahe als infinitesimalen Unterschied bezeichnen. – Ich telefonier nämlich gern. Ähm. Ziemlich witzig gestern auch die Petra Tscherkasska. Oder sagt man Tscherkassa?) Ich halte nach einem Vogel mit einem Fisch aus einem Springbrunnen Ausschau. Da ist aber keiner. Die Straßenbahn kreuzt. Ein ULF. Wie war das: Ultra low Flur oder Unter ... ? egal! Ich wäre ja jetzt wo anders. Eigentlich. Zum Beispiel in Brüssel. Was würde ich in Brüssel erleben. Irgendwas voll Hartes? Oder doch plötzlich so ein One Night Stand (!) mit einer Operndirektorin? (Hat sich ja letztes Mal skurilerweise fast angeboten, und dann bin ich gerade rechtzeitig noch aus dem Taxi gesprungen).
    Ich fahre am „BIG NET CAFE" vorbei. So ein Plastikladen mit future-touch. (18.000 Arbeitsplätze gehen in den USA in diesem Jahr verloren, weil sogenannte dot-coms wieder zusperren. Wundert mich, daß es da tatsächlich so was wie Arbeitsplätze gibt – ich dachte immer dot-coms operieren mit knozz oder Spielgeld.) Ich habe immerhin fünf Jahre gegenüber gewohnt, do wo das „opernkino"-Schild violett leuchtet. Und da war vor dem Big NET CAFe ein Fiorucci (habe mir mal einen Pullover dort kaufen wollen), der hat zugemacht, dann war da ein Libro daneben, der hat zugemacht, und in dem Schuppen, der sich eine zeitlang „Viagra" oder so nannte, waren in den fünf Jahren mindestens fünf verschiedene Disco-Versuche. Ein totes Eck da. Big Net Cafe: meine Schätzung: 12 Monate bis zum Zugemacht. (=Dead Line) In der Mahlergasse wird auf einem roten Transparent ein Feuerteufel aus einem Provinznest angekündigt. Weihnachtliche Bretterbuden drohen mit Vorweihnachtsshoppingprovinznestfußgängerzonenatmosphäre. („Herbeigefürchtet" – ein Wort das ich heute das erste Mal in meinem Leben gelesen habe.) – Auf der oepr gibt es Kinderoper oben auf. Im Haus der Musik herrscht eine Dampfbadatmosphäre eines mittelamerikanischen Provinzflughafens nach Betriebsschluß.) – Wessen Leben führe ich eigentlich?
    as kategorisiert td-Beiträge als teilweise eindeutig. Was meint er damit?
    Abends dann zwei mal getupft. Wir brauchen eine neue Matratze.
     
    2000 11 24 fr 23:46 fb reich und schön
    Shere Hite, die amerikanische Sexualforscherin, hat herausgefunden, dass Erotik im Büro den Chef reich macht. Jetzt weiss ich, wo ich den Hebel ansetzen muss!
    Sonst: auf Besuch in Mistelbach, um nach der Besichtigung der Wettbewerbsausstellung die Entscheidung der Jury definitiv nicht zu verstehen (vom Siegerprojekt mal abgesehen – aber so den 2.–4. Preis (die auch Geld gebracht hätten) hätten die uns allemal geben können.
    Im Porgy & Bess ist inzwischen die üblich hohe Handwerkerdichte vor einer Fertigstellung erreicht. Weil der Boden verlegt wird, haben Installateur und Elektriker fliegen gelernt, um ihre Arbeit fortsetzen zu können (man munkelt, der »Red Bull«-Verbrauch ist exorbitant gestiegen). Es werden auch vermehrt Tarzan-Rufe vernommen.
    Winfried G. und ich tagen in Permanenz. „Reich und schön reicht heute nicht mehr, um was zu gelten" sagt Winfried „heutzutage muss man auch noch glücklich sein".