2000 11 22 mi 17:45 cs
    Wie soll man in drei Minuten einer Runde, bestehend aus den Botschaftern oder deren Stellvertretern aller OECD-Mitgliedsstaaten und einer grossen Schar der hochrangisten OECD-Direktoren erklären, was wir, mein Chef-Kollege und ich, im Bereich Education in Südosteuropa, innerhalb des riesigen Gefüges des Stabilitätspaktes, machen? Warum wir in diese komplizierten, armen, verrückten, korrupten, zerstörten, depressiven Länder fahren und uns dort in muffige Schulen, chaotische Kindergärten, verstaubte Universitäten, hässliche Ministerbüros, stacheldrahtumzäunte Dörfer, schlammige Romasiedlungen, und von all diesen Orten in die jeweiligen Grand Hotels der Hauptstädte begeben?
    Diese Aufgabe hatte ich gestern Nachmittag zu erfüllen; tröstend sagte mir mein Chef, ehe ich statt ihm hinging, normalerweise dürfen solche Leute wie ich da gar nicht reden, weil der Herr Generaldirektor sich nur mit Seinesgleichen abgibt...
    Alles ist gut gegangen, ich hab 4 Minuten geredet, obwohl man kurz vorher noch auf 2 (!!) reduzieren wollte; geärgert aber hat mich, dass ich in Anbetracht des riesigen Saals, der vielen Menschen, der Mikrophone, Übersetzer etc. doch etwas nervös war, nicht nur weil Englisch ja nicht meine erste Sprache ist.
    Warum macht die Summe, das Ganze so einer Veranstaltung so einen Druck, obwohl sich die ganze Pseudoautorität, Harmlosigkeit, Dummheit, Eingeschränktheit, oder ganz einfach Durchschnittlichkeit sofort offenbart, sobald man im Einzelkontakt mit diesen Leuten, meist Männern, zu tun hat?
    Nachher ein wenig erschöpft, es schüttete so sehr, dass ich vom Chateau, wo das Hauptquartier der OECD ist und die Sache stattfand, nicht zur Métro gehen konnte, daher es sehr spät wurde, daher ich nicht mehr in mein Büro ging und daher auch keine tb-Eintragung machen konnte.
    Zu den „downs" vom Montag haben sich noch einige dazugefunden; in der Nacht auf Dienstag ist der beste Freund eines Kollegen unerwartet an Herzversagen gestorben; eine Künstlerin-Freundin aus Wien wird bald Privatkonkurs anmelden müssen – viel Arbeit dauernd, kein Geld meist, derzeit kaum fürs Essen; eine andere hier in Paris, viel Arbeit, kein Geld, mit FF 2500 hab ich ihr aushelfen können um die Mindestreparatur fürs Auto zu zahlen, ehe es dann bald auf den Autofriedhof wandern wird, ich weiss, dass sie das einfach braucht, und lieber nicht isst; einen on-line-Blick in die österreichische Politik gemacht.
    Paradoxe Aufmunterung spätabends dann durch einige Houellebecq-Gedichte während es draussen in Strömen regnet, z.B.
    Es gibt Momente im Leben, da kommt es einem fast vor, als vernähme man das ironische Geraschel der sich abspulenden Zeit,
    Und der Tod sammelt Punkte gegen uns.
    Man langweilt sich ein wenig, und man willigt ein, sich vorübergehend vom Wesentlichen abzuwenden und ein paar Minuten auf eine lästige und freudlose Verrichtung zu verschwenden, die man wenigstens für kurz gehalten hatte.
    Und dann dreht man sich wieder um, und angewidert bemerkt man, dass schon wieder zwei Stunden ins Leere weggerutscht sind.
    Die Zeit kennt kein Mitleid mit uns.
     
    Jetzt aber ist Schluss mit Trübsinn; eine Bekannte aus Wien (Agnes Kurz – Info für meinen Paten) treffen, sie kommt als Vertreterin des Herrn Frauenministers zur morgen beginnenden „Gender Mainstreaming"-Conference nach Paris. Heute gehen wir essen, trinken und Paris-Wiener-Tratsch austauschen.
    P.S.1) finde die Anregung von pb zur Diskussion über inhaltlich verändertes Schreiben während der Online-Phase gut; siehe meine diesbezügliche Bemerkung von ....? ja von wann wohl, aber kürzlich, zu Novemberanfang.
    P.S. 2) Vorschläge zur Lösung des US-Problems:
    http://www.theonion.com/onion3641/serbia_deploys_forces.html
     
    http://www.theonion.com/onion3641/bush_executes_democrats.html
     
    2000 11 22 mi 12:15 td should I go or should I stay...
    das ist die Frage, gestern noch war's mir aus meinem Oberstübchen verschoben, heute aber erwacht sowas wie Reiselaune, mich den Fährnissen des NEWOP9 meetings in Brussels auszusetzen und die alten Freunde zu treffen... wenn dabei nur mal endlich was herauskäme, hm
    19.00
    So, nach dem klar geworden ist, was mich die Sache eigentlich kostet und im eigentlich keine günstigen Flüge vorhanden, und mit der Schweinerei wie letzthin bei der Rückfahrt von Florenz im Zug möchte ich auch nichts zu tun haben. Es wäre schon nicht pc zu sagen, die Öbb verwechsle sich mit dem österreich. Bundesheer, was den Charme des Personals und Komfort im 6er-Abteil angeht. Wahrscheinlich hätte ich noch vor ein paar Tagen einen Flug bekommen, der etwa halbsoviel kostet wie die Bahnfahrt. Absurd!
    Pi kommt angesichts eines mal eben rasch eingeschobenen Verdi-Artikels zu kurz. Telefonate über Nutzwertgutachten vernebeln den Rest des früh verstorbenen Nachmittags.
    so I stay and have time to be myself...
     
    2000 11 22 mi 19:17 3xBB und 1xZ
    Wiedereinmal ist meine Uhr verschwunden, und zwar ein wunderschönes Exemplar mir azuritblauem Zifferblatt von Bruno Banani. Es ist eigentlich nicht zu verstehen: den Chronograph nehme ich nur ab zum Schlafen, Vögeln und Schwimmen. Und ganz regelmäßig, nunja, macht man eigentlich nur ersteres.–
    Heute ist Buß- und Bettag. Ich war aber den ganzen Tag beinah bester Laune, abgesehen eben von der Uhrenmisere. Der Nominator von Big Brother ist in den sog. single charts mit „Es ist geil ein Arschloch zu sein!" mittlerweile auf Platz 1.
    Emil Zatopek, die tschechische Lokomotive ist tot. Sein Laufstil war phänomenal.
     
    2000 11 22 mi 20:05 gg pulmo et puellula
    Meine Vorahnung einer weiteren Episode, die das Pulmologische mit dem Erotischen verknüpft, hat sich gestern tatsächlich erfüllt. (Und spreche mir keine/r von self-fulfilling prophecies o.dgl. – da glaub' ich noch eher, in einem OWienerschen „Bio-Adapter" zu sitzen, der mir ständig was vorsimuliert.) Wie schon zwei Wochen zuvor (vgl. 2000 11 07 di 19:24 gg zwischen Venus und Jupiter), war auch diesmal der Besuch beim Lungenarzt „hot". Aber, um's gleich vorwegzunehmen: kein Vergleich zu vormals, eher so ein kurioses Lehrstück in Sachen vergebene Liebesmüh. Das „stimulierende" (oder sollte ich besser sagen: simulierende?) Ereignis fand diesmal nicht auf der Straße, sondern im Institut selbst statt. Eine jüngere, offenbar recht „lebenslustige" Assistentin war damit beschäftigt, mit mir einen Allergietest durchzuführen. Zuerst zeichnete sie so etwa 20 Striche auf meine Unterarme, dann kamen diverse Tröpfchen in die so entstandenen Zonen, und diese betropften Orte meiner Haut wurden schließlich mit einem kleinen SM-Gerät eingeritzt. Daraufhin mußte eine Viertelstunde lang eine Reaktion abgewartet werden (Resultat: eventuell Verdacht auf Staub-Allergie, muß aber erst durch Blutbefund bestätigt werden), was die Dame zu reichlichem, mitunter halb-anzüglichem Redefluß veranlaßte. (Ich weiß jetzt zum Beispiel, wohin sie wann auf Urlaub fliegt und was sie dort gerne tut.) Nach dem Abtupfen mit Saugpapier studierte sie die Reaktion meiner Epidermis, und erläuterte dabei alles ganz genau. Zu diesem Behufe fuhr sie, den Adern entlang, mit den Fingerspitzen die ungefähr 20 Stellen ab, an denen sie nach Erhebungen forschte. Es hat sich aber (bis auf zwei sehr fragwürdige Ausnahmen) nichts getan. Nun aber, nachdem dies alles geschehen, erhob sie sich, um die Blutprobe abzunehmen. Zunächst fragte ich mich, warum sie dazu aufstehen müßte, doch dies sollte alsbaldigst klar werden. Die Assistentin näherte sich mit der Nadel, beugte sich zu mir, und schon war die berühmte Nummer der „gnadenlosen Schwester" angesagt: ihr weißes Arbeitsmäntelchen hatte einen sehr tiefen Ausschnitt und war noch dazu aufgrund der Wirkung der Schwerkraft gen Boden gezogen, sodaß sich mir während der gesamten, wortlosen Blutabnahme ein vis-á-vis-Einblick bis zum Nabel darbot, inklusive Semitransparentkörbchen und alldem. Diesem Anblick konnte ich mich natürlich nicht entziehen – nicht weil's so natürlich erotisch war, sondern weil aufgrund der Blickfeld-ausfüllenden Darbietung die Einstellung einer anderen Fokussierung meines Blickes derartige unnatürliche Augapfelverrenkungen erforderlich gemacht hätten, dass daraus möglicherweise fatale Schlußfolgerungen gezogen worden wären. Und so ließ ich also das Unvermeidliche geschehen, wohl eingedenk des Arno Schmidtschen Satzes: „Schon räuspert sich das Auto neben mir strafend; dabei bin ich doch wirklich, schon rein äußerlich, nicht mehr in dem Alter, dass man mich im Verdacht haben könnte, der Anblick zweier Milchdrüsen vermöchte mich noch zum Trottel zu machen!"



     2000 11 22 mi 20:24 pt Freunde Ärzte Unbekannte
    Gestern von 13:00 bis 20:00 Uhr alle sieben Akte von „Entität" am Umrolltisch durch die Finger gleiten lassen – Untersuchung auf verwertbare Einstellungen für die Eingangssequenz. Bin mir verloren und ziemlich einsam vorgekommen. Eddi „Edgar" Honetschläger versucht mich zu trösten: Diese Phase sei doch die spannendste beim gesamten Filmherstellungsprozeß – das wisse man allerdings immer erst nachher. Er habe einen ganzen Sommer mit der Suche nach einer Ordnung für „L+R" zugebracht, auch ein wenig verzweifelt, bis es dann „Bingo" gemacht hat, und dann war es die glücklichste Zeit gewesen. Hat ja recht, der Eddi, weiß ich eh. Trotzdem war mir einsam. Am Sonntag fahren wir übrigens Buchinger´s Ungarn schaun.
    Günther fährt vom 9. Jänner bis 26. Februar nach Bali und ob ich nicht mitkommen will. Das ist die Hauptproduktionsphase am Film, also geht´s nicht und ich bin STINKESAUER. Mit Günther sieben europäische Winterwochen auf Bali – das wär´s gewesen.
    jh ruft an und sagt: Blaufränkisch dekliniert man nicht. Vielleicht hat er´s eh schon selber geschrieben. Also: Frau Buchinger hielt mir einen Blaufränkisch hin, und nicht: Frau Buchinger hielt mir einen Blaufränkischen hin.
    as dürfte ich cell-phone-mäßig – Bingo, die Zweite – erneut bei einem Treffen mit seinen 12 Bamberger Bauherrn derwischt haben. Er hat nur mehr gelacht und mich sofort auf fünf Stunden später vertröstet, wo er dann tatsächlich angerufen hat.
    Heute war ich in Wien, Zahnarzt (alles o.k.) und dieser Gesamtheitsarzt. Die Werte interpretiert er so, daß ich ordentlich Streß habe. Bedenklich ist nicht der Colesterinwert, weil ich parallel dazu so einen guten „Gutes Colesterin" Wert habe, wie ihn sonst nur topfite (top-fite) Frauen aufweisen („Sie müssen eine tolle Grundsubstanz haben, anders kann ich mir das bei Ihren Lebensgewohnheiten nicht erklären"), sondern das Quecksilber! Jetzt habe ich Medikamente für ö.S. 1.500,–, 1.000,– davon allein für ein Medikament für drei Tage, an denen ich eine radikale Schwermetallentschlackung machen werde. Da wird mir dann ganz anders werden, sagt Dr. Breuss, und ich soll mir nichts vornehmen an diesen drei Tagen. Drei Tage im Abstand von je einer Woche.
    Zwischen den beiden Dottores habe ich 250 Meter orthochromatisches Filmmaterial bei Schneider & Tischer erworben (das sind ca. 8 Minuten Kinoprojektionszeit).
    Ja, und meine Obdachlose! Beim Stubentor, U-Bahn, steht oft eine junge Obdachlose, die so einen orangen Anorak anhat, wie Straßenbauarbeiter, eigentlich immer. Sie schaut im Gesicht so aus, daß man ihr das Obdachlose nicht ansieht, aber sonst klassisches Outfit; fünf Billa-Sackerl. Sie steht immer nur da. Und die längste Zeit schon habe ich fix zurückgeschaut, damit sie mich endlich anschnorrt, aber das hat sie nie gemacht. Einfach hingehen wollte ich auch nicht, vielleicht hat sie ja sowas wie einen Ehrenkodex, den wollte ich nicht verletzen. Heute jedenfalls telefoniere ich gerade, als ich runterkomme in die Station, und sie steht da, und ich bleib stehen, weil das mit dem Telefonieren irgendwie erklärbar war, daß man einfach stehenbleibt, und wir haben uns angeschaut, und endlich kommt sie rüber, und sie lächelt, aber nein! Wieder geht sie – knapp zwar, aber doch – vorbei, zu dem großen U-Bahn-Aschenbecher, Tschikstummel schauen. Da war es mir zu blöd, und ich habe während des Telefonierens einen Hunni aus der Tasche genestelt und BITTE ENDLICH ist sie sofort wieder her und ich ihr entgegen, und man kann das schwer beschreiben, weil wir uns schon so oft gesehen haben, jetzt ist das Eis quasi gebrochen, jetzt kann ich ihr immer was geben, wenn ich sie sehe, jetzt habe ich sie adoptiert. Aber warum fragt sie nie wem? Vielleicht hat sie einen Tick. Ausschauen (mentalmäßig) tut sie aber, wie gesagt, völlig normal.
    Ja, und BigBrother. Jetzt hat ja in der Wollzeile eine SIEBENSTUNDENCASSETTE
    auf mich gewartet, aber der Videorecorder hier in Enzersfeld hat kein Longplay, und ich muß sagen: Ich bin jetzt echt sauer, daß die zweite Staffel so spurlos an mir vorüberzieht. Next time: new recorder, mit Longplay. Aber echt.
     
    2000 11 22 mi 21:30 fk baskettball kurier cargoline
    Gestern das erste Mal seit ca. einem Jahr wieder Baskettball spielen gewesen. Am Feld lauter Junghupfer, die mich so richtig alt erscheinen lassen. Der Eindruck verstärkte sich, als sie zu laufen begannen. In der zweiten Trainingshälfte beschränkte ich mich auf zurückhängende Verteidigungsarbeit. Die nächtliche Folge: erhöhte Pulsfrequenz samt Schweissausbrüche verhindern erholenden Schlaf. Im Büro teilt ein Herr Doktor mit, dass er mit seiner Diplomkauffrau noch ein paar Fragen zu einem bereits fertig geplanten Hauszubau hätte. gh vereinbart einen Termin für nächste Woche; sie bringen auch selbstangefertigte Skizzen mit.... Auf die Frage, wie sie eigentlich zu uns kämen, meinte er: „aus dem KURIER". Wir wissen von nichts. Eine Stunden später erzählt uns Roman Kellnreitner über den heutigen Kurier-Artikel. Ansonsten habe ich seit Montag ein Cargoline-Intermezzo eingeschoben und versuche durch wenige, aber prägnante Eingriffe dem vorhandenen räumlichen Durcheinander Herr zu werden. Der Stiegenhaushalle im dritten Obergeschoss wird eine dunkle Holzdecke samt Lichtleitlinie verpasst, dem restlichen Türen- und Wandsalat würde vermutlich eine einheitliche Farbtünche guttun. Mein derzeitiger Favorit: silber.
     
    2000 11 22 mi 21:10 gh 8 cm
    8 cm hängt die alte Geschoßdecke auf 2m Länge durch, in Unterolberndorf, eben in jenem Haus, in welchem besagte Küche montiert wurde. Was früher nicht mit dem Auge wahrnehmbar war, zeichnet sich oberhalb der neuen abgehängten Decke aus gebleichtem Ahorn so deutlich ab, daß das „... so unter gar keinen Umständen bleiben kann..." wie mir die Bauherrin telefonisch versicherte. Morgen Nachmittag „Krisensitzung" in Unterolberndorf und am Freitag Vormittag „Lösungssitzung" in Unterolberndorf. Den Besuch vom Sonntag mit eingerechnet sind es dann drei Fahrten in dieser Woche nach Unterolberndorf. Das Grundstück an der Ortseinfahrt von Unterolberndorf hat offensichtlich schon einen Käufer gefunden, das Verkaufsschild fehlt.
     
    2000 11 22 mi 23:50 gl five talks or more
    Gestern volles Haus. Die Medienwerkstatt ist bis in die Küche hinein befüllt, es ist so eng, dass die Weinausschank zunächst in den letzten Reihen stecken bleibt. Guter Beginn für „five dates or more". Andrea van der Straetens Vortrag und die anschliessende projektstartende Geschichte ist auch wirklich fakemässig geheimnistragend, wie es sein sollte. Im anschließenden Gespräch in kleiner Runde bei kleinen Gläsern wird klar, dass nun überhaupt niemand mehr irgendjemand etwas glaubt. Bärengeschichte soll folgen. Me myself and I schleppen uns heute um acht Uhr morgens zur offenen Tür in der Volksschule Kritzendorf. Wir begegnen dem Dorfarzt, der seit September unsere Fotos ihn seiner Praxis aufhängen will (Marke Dorfämtersammler), dem Bürgermeister von Klosterneuburg, den ich im Schlepptau von Tim zur Seite schubse (gott sei Dank im Lederoutfit), die ehemalige Physiotherapeutin von Tim (die immergleiche Frage in dem immergleichen hintergründig psychologisch-therapeutischen Tonfall: wie geht es Ihnen), kurz gesagt, drei soziologischen Eckpunkten der Gegend. Luzia erledigt mit Pokerface ihre Rolle als Erstklässlerin vor verschiedenen erwachsenen Besuchern. Ich bin ein wenig müde und daher gut geeignet für Small Talk ohne Widerspruch. Das Taxi, das mich gestern heimbrachte, war mangels Sexgespräche ja leider nicht so billig. Unsere Vorarbeiten für die Ausstellung gedeihen nicht schlecht. Die Kopien sind in Ordnung, die drei Videos geschnitten und für die Endloskopie bereit. Fragen tun sich nur mehr auf punkto Monitore (wieviele kaufen ?) und der von der Decke herabhängenden Packpapierbahnen (Wo und wann kaufen ?) Morgen gehts weiter mit Christoph Nebel und diversen Gesprächsterminen zwecks Zukunft, Zug nach Wien 9 Uhr 30.
    Soweit zur Arbeit, nun zu den Farben. Heute morgen spektakuläres Rot zwischen grauen Wolkenfäden. Das gewisse Blaugelb, das es eigentlich nicht gibt, also das Blau, bei dem man an Gelb denkt und das Gelb, bei dem man an Blau denkt, rechts von dem extremstrahlenen Rot. Also eigentlich ist dann der ganze südöstliche Himmel rot, rosa, lila, gelb, blau unter hellgrau. Das Tolle daran, dass man die Sonne, die das Ganze veranstaltet, nicht sehen wird, weil danach bewölkt und eher

    grau. Über eine Stunde Gespräch mit Ilse Gassinger aus Durham Ontario Canada. Wie immer vermischt sich Privates mit Offiziellem zu einer reizenden rührenden freundschaftlichen Mischung. Schwebe jetzt ins Schlafzinmmer, sehnsüchtig so weit weg vom Rest der Welt zu sein.

     
    2000 11 22 mi 23:59 ak Glühbirnendebakel
    Die Wohnungen, in die ich ziehe, werden zwar immer kleiner, doch absurderweise vergrößert sich die Anzahl der Glühbirnen sowie ihrer Typen. So befinden sich in meiner jetzigen Wohnung in Küche & Bad allein schon 8 Glühbirnen (zwei über der Arbeitsplatte und sechs rechts und links vom Spiegel), zwei im Vorzimmer, eine am Klo, zwei im Wohnzimmer, zwei im Schlafzimmer, alle mit unterschiedlichen Größen und Leuchtstärken (alle Halogen- und Neonlampen gar nicht mitgerechnet). Bei einer so großen Anzahl von Glühbirnen ist es verständlich, dass öfter welche auszuwechseln sind. Bloß erscheint mir, dass, seitdem ich in dieser Glübirnenvielfalt hause, sie auch viel häufiger durchbrennen. Gleich in der ersten Woche sind drei mit einem „ticks" erloschen. Noch ahnungslos, habe ich im nächsten Elektrogeschäft nur drei nachgekauft. Da sie nun einmal keine Standardtypen sind, kann ich sie auch nicht in jedem Supermarkt kaufen und bin somit auf Elektrogeschäfte angewiesen, die zum Beispiel über Mittag geschlossen haben, während ich gerade kurz Zeit habe. So passierte es schon des Öfteren, dass, nachdem eine kaputtging und ich sie nicht gleich durch eine neue ersetzte, gleich eine weitere „tickste". Das kann einen ganz schön in Panik versetzen. Wenn es immer wieder so tickst und tickst, werde ich langsam paranoid und meine, die ticksen bloß, weil bereits eine fehlt. So hatte ich schließlich mehrere Leuchtbirnchen zu Hause gelagert, nur für den Fall. Ich ertappte mich sogar dabei, dass ich bei meinen Wegen durch die Stadt ständig nach Elektrogeschäften Ausschau hielt und, wenn ich Zeit hatte, kurz hineinsprang, um Glühdinger zu kaufen.
     
    2000 11 22 mi 23:45 gd Paris, Bois dArcy, Reiher-snack und Möwen-shit
    Auf dem Rückweg von der Mittagsbar zum Filmarchiv, fliegt aus dem Garten eines Einfamilienhauses plötzlich ein Reiher hoch. Im Schnabel hat er einen Goldfisch, den er sich aus dem Teich geholt hat. Lebensraumbedingtes Jagdverhalten kann man das wohl nennen.
    „Schau mal wie die Bar heißt" sage ich zu hs beim Abendspaziergang hinter der Bastille. „Iguana Bar – was ist das geschwind?" fragt sie. „Ist das nicht der Möwen-shit, worin alles so gut wächst? Nein? Die Hauptstadt von Uganda? Ein Eskimostamm?
     
    Und was ist es wirklich?
    Mild.
     
     
    2000 11 22 mi 23:50 hs Paris , dodo boulot
    hs et gd
    les maitres de
    dodo boulot
    boulot dodo
    dodo boulot
     
    2000 11 22 mi 23:59 fb doch einmal: BB
    Wie ich im »Standard« lesen kann, ist lt. einer Studie der Universität Augsburg der durchschnittliche BB-Fan weiblich, jung und einsam. Vor allem unter den Vielsehern, die täglich BB verfolgen, sind die weiblichen Zuseher in der Mehrzahl. Stimmt das Petra Tscherkasska?