2000 11 18 sa 00:53 gg Wwow!
    Hier sitz' ich, ein Glas Schnaps zur Rechten, und versuch' die treffenden Worte zu finden. Bin soeben nach Hause gekommen. War im Kino. THE CUBE. Noch ein Schluck. Jedenfalls, glaub' ich, kann man den Film nur blöd finden oder wahnsinnig gut. Ich meine, er ist wahnsinnig gut, und bin sehr froh, nirgendwo vorher darüber gelesen zu haben. Denn das ist gleich einmal ein Problem damit. Je mehr man darüber schreibt, umso mehr nimmt man ihm von der Spannung. Und die ist manchmal unerträglich. So wie die Akteure wissen auch die Zuschauer/innen anfangs nicht, was los ist. Und im Grunde weiß man's nie so genau, und dann doch wieder. Ein Albtraum. Eine große Metapher. Nichts für schwache Nerven. Auch viel Gewalt. Ein Thriller. Ein Kunstfilm der Extraklasse (für jene, die mitunter auch große Gesten aushalten). So abstrakt, dass nur Mathematik-Kenner alles nachvollziehen können, so konkret, dass jedem schlecht wird. Ich hör jetzt auf, trink noch einen Schluck. Heiße Empfehlung – aber Besuch auf eigenes Risiko! Vielleicht übertreibe ich wieder einmal, und andere Leute sehen das Ganze viel cooler. I can't.
    Der Film spielt in/mit einem Labyrinth. Beim Verlassen des Kinosaal-Würfels im Artis International (OV!) kam ich in einen Vorraum, mit Treppen nach oben und nach unten, zu anderen Sälen und irgendwo auch hinaus. Einen Moment lang fehlte mir die Orientierung, und ich mußte lachen. Trapped in the cube.



    Die Produktionsfirma des Films heißt übrigens Cube Libre.
     
    2000 11 18 10:40 ga fortschritt
    z.b. bei der fertigstellung meiner stiegen-cd. S gibt 1 siebdruckfilm, die
    layouts sind fertig; jetzt gilts nur mehr, die richtigen CD-Rs und jewelcases
    zu kaufen, anbote über die vervielfältigung von drucksorten und CD
    einzuziehen, entsprechende aufträge zu erteilen und schließlich irgendwie das
    geld aufzutreiben oder die bestehenden schulden auszuweiten versuchen.
    denn: ohne göd ka musi. spenden bitte an: BLZ 44570 Kto. 30197750000 lautend
    auf Günther Albrecht.
    in der 2. jännerhälfte wird meine oben angesprochene cd im Blue Tomato
    präsentiert; den ersten teil bildet das stiegen-video mit neuer, live
    improvisierter musik; im 2. teil dann 1 duo (wird noch nicht verraten!). im
    dezember wird dann Lois Fischer vor ort in Ulrichsberg an seine jahrelangen
    vertröstungen erinnert & versucht, 1 ebensolche präsentation stattfinden zu
    lassen; vielleicht schon vorher wird der Falb in Nickelsdorf detto gequält.
    letzte woche mit freunden quasi so nebenbei die gründung 1
    digitalfilmcooperative andiskutiert; im jänner werden wir das durchziehen.
    denn: der abstrakte film muß wieder her! (wer hat die
    Hirschfeld-Mack-Austellung im Jüdischen Museum gesehen?) und zwar voll abstrakt.
    für die internet-leser sei angemerkt, daß dieser beitrag in DURCHGEHENDER

    KLEINSCHREIBUNG gehalten =, bis auf z.b. eigennamen, monatsnamen etc. diese

    schreibweisen kommen im html anscheinend nicht. man muß sie sich daher

    dazudenken, um den eindruck des originalbeitrages einigermassen nachfullziehen

    z können.

     
    2000 11 18 sa 15:51 gg graues Leben, bunte Theorie
    In Einstimmung auf finsteres Novembergrau und angeregt durch die tb-Eintragung „2000 11 15 mi 10:32 pt Koinzidenzen" habe ich die „Vier letzten Lieder" von Richard Strauss aufgelegt. Der Vergleich mehrerer Einspielungen führte seinerzeit für mich zu einem eindeutigen Ergebnis: Unübertroffen ist die Aufnahme aus dem Jahr 1982 mit Jessye Norman und dem Gewandhausorchester Leipzig. Hesse, der Autor für Heranwachsende, bleibt zwar Hesse (übrigens ist in Italien sein „Siddharta" das meistverkaufte Buch aller Zeiten, noch vor der Bibel!), aber was Strauss etwa aus dem Gedicht „Beim Schlafengehen" macht, erzeugt bei mir regelmäßig Gänsehaut (und zwar während der letzten Strophe):
     
    Nun der Tag mich müd gemacht,
    Soll mein sehnliches Verlangen
    Freundlich die gestirnte Nacht
    Wie ein müdes Kind empfangen.
     
    Hände, laßt von allem Tun,
    Stirn, vergiß du alles Denken,
    Alle meine Sinne nun
    Wollen sich in Schlummer senken.
     
    Und die Seele, unbewacht,
    Will in freien Flügen schweben,
    Um im Zauberkreis der Nacht
    Tief und tausendfach zu leben.
     
    Die melancholische Stimmung lappt auch in meine Gedanken hinüber, die sich dunklerer Materie widmen: der Mühsal aller Anstrengungen, und was alles nicht erreicht wurde. So etwa mein Lieblingsprojekt zum Thema „Kontinuum". Überzeugt, dass die Welt durch Nullen und Einsen nicht vollständig erfaßt wird (sondern eine Gefängnis-Maschinerie erzeugt, wie sie in THE CUBE zugespitzt auf den Punkt gebracht wird), versuche ich schon lange, Evidenzen für das „Kontinuum" dazwischen zu sammeln, in der Physik und ausserhalb. Die sogenannte Theorie „verborgener Variablen" von David Bohm gehört hier ebenso dazu wie eine Reihe anderer Phänomene in den Naturwissenschaften, die sich durch den binären/digitalen Ansatz nicht vollständig erfassen lassen. Und so war 1994 das Projekt einer Jahresschrift entstanden, das, mit Beiträgen in vier Sprachen, auch den Übersetzungen und dem Nicht-Binärem, dem Kontinuum des Sprachlichen, gewidmet sein sollte. (Bild; Layout & Graphik: wk)



    Das Projekt ist letztlich daran gescheitert, dass eine in Aussicht gestellte Privatfinanzierung mangels „großer Namen" wieder zurückgezogen worden war. Während ich damals im Einladungstext nur ein paar Zeilen zur quantenmechanischen Nichtlokalität beisteuerte, stammte der Hauptteil des Textes von Peter Waterhouse. Dieser begann so:
    Um einen blühenden Kirschbaum entsteht ein süß duftender Raum, ein süßer Ball. Der Wind kann ihn in seine Zielrichtung mitnehmen oder irgendwo verloren gehen lassen.
    Der Duft berührt die Blüten, zieht zurück von den Blüten, berührt wieder die Blüten, wogt. Der Wind berührt das Haus. Das Haus berührt den Himmel. Der Himmel färbt den See. Der See berührt den Uferkies und wogt, und die einen Steine sind naß und funkeln, und die anderen Steine sind trocken und dämmern. „Was hier dämmert, funkelt dort."
    Wo endet jene Sache, die 'hier dämmert, aber dort funkelt'? Hat der Kirschenbaum ein Ende? Was hat ein Ende? Hat die Straße ein Ende; hat die Krise ein Ende; hat ein Wort ein Ende; hat der Rauch Anfang und Ende, und wird heute Nacht der Südwind, der den Rauch, die rauchende Sache, gebracht und bewegt hat, enden? Hat der Fortschritt ein Ende und der 'ausdehnbarste Tropfen', und hat der Rückschritt ein Ende? Welche ist die Stunde, da die Kirschblüte zuende ist?
     
    2000 11 18 sa 18:50 pt Leiden und Freuden des Landgasthausgastes
    Heute: Zu Gast in Buchinger´s Zur Alten Schule. Buchinger (zur Erinnerung: Hauberlchefkoch aus den „Vier Jahreszeiten"/Inter-Cont) konnte sich vergangenes Jahr den langgehegten Traum vom eigenen apostrophierten Genetiv-"s" erfüllen. Wobei diese Unsitte in Wien ja schon blöde genug wirkt. Am Land ist sie nur mehr obszön. „Buchinger´s." Aber sei´s drum. Die alte Schule (1. Klasse: der Speiseraum; 2. Klasse: der Schankraum) ist zum gemütlichen Wirtshaus mutiert. Das Speisenangebot radikal weinviertlerisch; detto die Weinkarte. Und nicht mal die bekannteren Namen! Buchinger betreibt Grundlagenforschung in den umliegenden Kellerröhren, und das ist schon mal verdienstvoll. Beim Weinviertler Roten sind wir aber doch skeptisch, zumal, und hier beginnen die Leiden des Gastes, auch in diesem Landgasthaus die hochgesteckten Küchenambitionen massiv an der Peripherie abfallen, sprich: unterm Service leiden. Da gibt es zunächst einen uralten Ungar. Dieser ist dermaßen vollständig durchfaktotisiert, daß er schon fast schon wieder darf. Aber die Rolle des Sommeliers muß entfallen. Konkret: Nachdem wir uns für den einzigen nicht-Weinviertler Roten auf der Karte, die Cuvée „Alte Lagen 1997" von Gsellmann & Gsellmann (Gols), entschieden hatten, ersuchten wir ihn, den Wein in eine Karaffe zu gießen. Worauf er uns erklärte, daß dieser Wein in einer Flasche sei („Diesää Wain is in eine Flasche!") Also: Hätten wir den guten Mann um einen Tipp bezüglich passender Weinbegleitung zu unserer Speisenwahl ersuchen sollen? NEIN. Irgendwie hab ich unser Anliegen, den Wein zu dekantieren, dann aber doch durchgebracht, bloß war mittlerweile Frau Buchinger, und sie bildet den zweiten Teil des Service, aufmerksam geworden. Na sei doch kein Problem, meint Frau Buchinger, und rennt dem davonschlurfenden Ungarn nach, um fünf Minuten später mit einer dieser fürchterlichen Eduscho-WEINENTEN wieder auzutauchen. Fast schüchtern frage ich nach der Flasche, um in Erfahrung zu bringen, aus was sich die Cuvée zusammensetzt. Vom vorher Flasche präsentieren, oder gar probieren, ob der Wein denn auch in Ordnung sei, redet eh keiner. Also schwirrt Frau Buchinger wieder ab und kehrt mit der leeren Flasche zurück. Schon vom Speisesaaleingag brüllt es mich vom Etikett an: NEUN-ZEHN-HUNDERT-ACHT-UND-NEUNZIG. Und das ganze aus Zweigelt und Cabernet Sauvignon gemixt. Woraufhin ich doch ein wenig indigniert anmerkte, daß in der Karte 1997 steht und daß ich mir im Fall von Zweigelt und Cabernet Sauvignon einen 98er doch wohl überlegt hätte. (Merke: 1998: Zweigelt in ganz Österreich: LULU-WASSER. HIMBEER-LULU-WASSER. KA-TAS-TRO-FFFFFE!!!!Cab.Sauv.: Nicht ausgereift. Hingegen 1997: SUUU-PERRR.) Drei verbrunzte Weinkarten in der ganzen Bude, aber keiner schafft es, den Siebener durchzustreichen und 8 hinzumalen. Und dann die Eduscho-Sauf-oder-stirb-auf-den-Tisch-geknallte-Ente. Es war unser dritter Buchinger-Besuch, wir hatten es vorab dezidiert „die dritte Chance" genannt, aber in diesem Moment war alles für mich gelaufen. Wobei das ja nicht so einfach ist wie in Wien. In Wien geh ich in das eine Lokal nicht mehr, dafür ins andere. Im Weinviertel geh ich in ein Lokal nicht mehr und dann bleibt überhaupt nur mehr der Heurige. Okay. Also sitz ich da mit Multiwallungen und hasse die Welt. Die Himbeer-Lulu-Wasser-Cuvée schmeckt so, daß man wissen will, wie die 97er-Version geschmeckt hat. Muß köstlich gewesen sein. Frau Buchinger läßt sich die nächsten zehn Minuten nicht blicken. Recht so. Dann steht sie plötzlich wieder da und hält uns einen Blaufränkischen 1997 vom Pleil und eine Entschuldigungsrede hin. Durchatmen. Halbversöhnt. Halbgerührt. „Macht ja eh nix"-Sprüche. Warum kann ihr der Hauberl-Alte nicht beibringen, wie man Wein kredenzt. Egal. Dann das Essen. Wir kriegen NICHT das sautierte Herz, weil der Ungar auf die Frage, von welchem Tier das Herz sei, meinte: „Is Kalp. Is immär Kalp, äh, Rrrint, is immär Rint, das Herz, vomm Rint. Aba scho a bissahl Schwaihn druntär. So gämiescht. Rint und Schwaihn." Man wußte sofort: Er hat nicht den blassesten Schimmer. (Was mich an unseren vorletzten Besuch erinnert, wo ich nach dem „Überraschungskäse" auf der Karte fragte, was NIEMAND vom (wochenendmäßig aufgestockten) Service wußte. Konkret war´s dann ein ÖSTERKRON und ein BRIE und noch sowas aus dieser Liga, für 150 Schillinge, mit 0,2 cl [I repeat: 0,2 cl. IN WORTEN: NULL KOMMA ZWEI ZENTILITER] Trockenbeerenauslese.) Egal. Jedenfalls gestern: Gabi Wildwurstkrapferl, mir Ganslkleines; danach die Suppen (war schon beim letzten Mal schwierig, diese Reihenfolge dem Ungarn glaubhaft zu machen): Kürbiscreme-, sowie Rotkrautapfelsuppe. Und schließlich: Hieferschwanzerl auf Topinambur, bzw. Gansl mit Knödl und Sauerkraut. Im Knödel waren so kleine Totentrompetenpilze drinnen. Und alles war KÖST-LICHST. Einfach saumäßig gut. Mithin: Erst recht zum Verzweifeln. Also werden wir wieder hingehen: die vierte Chance. Und dann eine fünfte. Und so fort. Bis wir das Ding beherrschen werden: wissen, was wann wie beim wem zu ordern ist. Und irgendwann werden wir ihm den Genetiv-Apostroph auch noch auszureden verstehen.
     
    2000 11 18 sa 23:24 fb es wird eng
    Es naht das Weihnachtsfest und es beginnen die Einladungen einzutrudeln. Die vorläufigen Termine (wobei da noch jede Menge Luft für »allfälliges« wäre):
    fr 17.11.: Fest im »Jahrhundertbeisl« von Bekannten des Bruders Albert mit 2 Premieren: erstmals im »Jahrhundertbeisl«, erstmals bei einem Fest niemanden gekannt. Auch spannend.
    sa 25.11.: Einladung bei Helga H. (da werd ich wohl alle kennen)
    di 5.12.: Family (da kenn ich auch alle)
    sa 9.12.: traditionelles Keks-Essen bei Lutz & Pauly (detto)
    do 28.12.: Eröffnung »Porgy & Bess« (?)
    womit wir endgültig beim Thema »es wird eng« wären.