2000 11 16 mi 11:45 td bedeckt
    „Bedeckt", das trifft auch sonst zu.
    Außerdem Versuchsanordnung: Fahrkarte für Florenz kaufen:
    Versuch (1) Internet. Abbruch: bis das Ding aufgestartet ist und ich mich durchmanövriert habe, um dann ev. keine Karte kaufen (sondern vielleicht nur anschauen?) zu können, tritt Plan B in Aktion:
    Versuch (2) Telefon. (Im Telefonbuch steht unter „Österreichische Bundesbahnen" das obligate „siehe ÖBB". (Sonst ist ja immer umgekehrt) Johann Strauß (Wahrscheinlich der „Vergnügungszug") bläst mir entgegen mit der Telefonfrauschleife: habe sie schon unsere Internetseite unter O-E-B-B-gesehen?... (Siehe Versuch (1)). Nach ca 15 Minuten Versprechungen, daß man sich gleich um mich kümmern wird, bin ich bekümmert und eile zu Plan C, der da ist:
    Versuch (3) und Lösung: auf zum Reformhaus. Ich kriege einen Superbonus mit City-Star und Vorteilscard und Liegewagen und Retourfahrt und einen Blumenstrauß. Macht zusammen 13 Minuten. Also morgen dann nach FI (I) zu Andrei und Stefano. (Sollte ich doch noch etwas Klavierüben?)–
    Bedeckt, diese Rechtfertigung bisheriger und zukünftig angeblich geplanter Vorhaben und den damit schmerzlichen, wenn auch fragmenthaft aufleuchtenden Selbsterkenntnisse: Wer bist Du?
    An as ein paar tröstliche Worte, sich nicht zu sehr an Cesare Pavese zu orientieren.
     
    2000 11 16 do 10:16 as Fußball-Rokokogarten-BB
    Endlich hat auch Ruudi Völler, gemeinhin Tante Käthe genannt, eine vor den Latz geknallt bekommen, indem die Deutsche Nationalmannschaft in einem glanzlosen Spiel gegen die (versoffenen) Dänen schlichtundergreifend verloren hat. In Leverkusen hat der Exnationaltrainer und Erzkathole Super-Berti (Hans-Hubert) Vogts den Platz des drogenabhängigen und noch immer flüchtigen Christof Daum eingenommen. Dem dicken Calmund muß wohl eine Fettdrüse im Gehirn geplatzt sein! Zu Trainingsbeginn wurde von Zuschauern ein Transparent entrollt, auf dem (naja, zwar ein wenig unsauber gereimt) zu lesen war: Lieber eine Nase Koks als Berti Vogts!–
    Der Untersuchungsbericht und das Gutachten zum sog. Schießturm im Rokokogarten Veitshöchheim sollte längst fertigsein. Heute muß aber auch wirklich in die Hände gespuckt werde. Die teilweise Wiederverwendung der weißen Sandsteine im oberen sonst mit rotem Sandstein gemauererten Wandverband ist wohl ein eindeutiger Hinweis darauf, daß hier auf einen älteren Vorgängerbau sozusagen aufgestockt wurde. Bloß wann, und warum?
    Meine Vermutung verdichtet sich, daß es sich um ein Wachtürmchen entweder des Echterschlößchens oder vom sog. Oberen Schloß der Herren von Reinstein handelt. Beide wurden aber schon Mitte des 18. Jhs. geschliffen und neubebaut. Mit diesen beiden Schlössern, von denen wir eigentlich nichts wissen, außer daß es sie gegeben hat, stünden wir wiedereinmal in der von mir geschätzten Renaissance. Dranbleiben!
    BB-intern: dem Himmel sei Dank, daß Frankenbarbie und der angefettete Neger (pt-O-ton zu Karim bei Beginn der 2. Staffel) bald ausziehen. Bei den anderen, voran dem ekeligen Harry und der hysterischen Ebru scheint nur mehr Fracksausen angesagt zu sein. Bei der gestrigen Geschichte um die Fischdosen konnte man den Eindruck bekommen, daß die Mitglieder der Gruppe kompetitiv klären wollten, wer denn noch dümmer als die anderen sein kann. „Laß Dir das mal durch die Rübe sacken, Du Hirni", um mal wieder mit dem Nominator zu sprechen. Ich weiß schon: ich habe ein mir selbst auch nicht immer verständliches Faible für sog. krasse Phraseologie.
     
    2000 11 16 fr 11:35 td bedeckt, 70%
    Eigentlich war es schon heute. „T'es soule?" – „ouoe..." - La fille, kotz' mir in's Zimmer mitten rein, 10x25clx70% (Wodka gratis), aus der Abschlußparty des Arisierungsfilms von Xaver. Es ist so: im Kopf des Wodkakonsumenten: „Jetzt habe ich 10 Wodka getrunken und bin gar nicht blau" (=Sender), Sprachproduktion „oueile euereue reououoiu auoiue" (=Resultat für Empfänger). Es gibt da einen Spachcodierungsvorgang, der mit einer Verwaschung der Formanten und Plosive zu tun hat.
    Ich meinerseits ab 20 Uhr etwa 25 Minuten zuviel Medientheater konsumiert. (Es beruhigt fast sagen zu können, daß Perfektion der Darbietung keine Inhalte generiert... – halt, das muß man anders sagen: die Verwendung von Material, das isoliert für sich gesehen den Anschein erweckt, interessant zu sein, aneinandergereiht sich selbst denunziert als inhaltsleer.
    Beispiel: Man nehme einen Videofilter, dann ließe sich untersuchen, wie diese Bearbeitung des Ausgangsmaterials unterschiedlich – eben komponiert – verlaufen kann. Eine Anzahl digitaler Plug-ins aneinandergereiht ergeben aber eine Produktdemonstration. – Genau das war das Wort, das mir da gestern noch dazu eingefallen ist... also bleibt da was offen...)
    „I'm not into that" sagt Juliet, als ich ihr von meinen „The Faynmann Point" Studien erzähle. Pi musikalisch ausinstrumentieren, sei's als Binär-Darstellung für Vokalquartett (in einem mikrotonalen Klangband, wobei bei Ausgangston A440Hz der Sopran chronisch zu hoch liegt und dabei die langen Worte aus dem Mike-Keith-Text hat) oder im dezimalen System als „Rundgesang" mit Partystimmung. Nachdem das Ganze in seiner Vorbestimmtheit durch die Zahlen ein (wenn auch aufwendiger) musikalischer Scherz ist, erhält letzteres Modell den Vorzug. Freilich mit Morphing und Einstreuungen... I'm not into that, too, but if you are in it already, you _are_ into it.
    Trumpers Rasierschaum bestellen.
     
    2000 11 16 do 14:30 gh immer das Gleiche
    Immer das Gleiche Gejammer am Tag nach einem Ubl-Schnitzel, mit anschließendem Kaiserschmarrn, einigen Achteln und ein paar Zigarren.
     
    2000 11 16 do 14:58 pt Drei Kardinalfragen
    Drei frühmorgendliche Kardinalfragen nach einer unruhigen Nacht auf dem Weg zum Italienischkurs:
    1) Werde ich den verneinten Imperativ in der Höflichkeitsform mit unbetontem Objektpronomen je in meine italienische Sprachpraxis übernehmen können?
    2) Entsprechen der dunklen Materie IN WIRKLICHKEIT (wie die „Standard"-Wissenschaftsredaktion mutmaßt) Gravitationskräfte, die aus einem parallelen Universum in unseres herüberlappen?
    3) Der Nominator „Das mußt du dir erst mal in die Rübe sacken lassen" Christian hat, wie sich gestern abend beim Betrachten der BigBrother-Aufzeichnungen der vergangenen Tage zeigte, die Beziehungskisten, die derzeit im BB-Container ablaufen, als „Streichelzoo für Krankenkassenpatienten" bezeichnet. Wo ihm zuzustimmen ist, und was mich zur Entspannung wieder mal auf Kanal 55 ausweichen ließ. Da nämlich bei meinem Fernseher das Speicherungselement für die Programmnummern kaputt ist, tippe ich in die Fernbedienung direkt Kanäle ein. Also z.B. ARD ist Kanal 26 (statt Programmspeicherplatz Nr. 3). Und auf Kanal 55 bin ich (zufällig) auf einen Pornokanal gestoßen. Dessen Bilder freilich codiert, und das heißt: schwerst gestört rüberkommen. Prima vista wirken die Bilder dieses dem öffentlich-rechtlichen parallel geschalteten Universums so, wie sich der aufgeklärte Laie zeitgenössische abstrakte Videokunst vorstellen mag: Farbflecken, Streifen, serielle Störungsmuster; nur für Sekunden werden figurative Bildfragmente, und diese immer noch ziemlich verzerrt, erkennbar. In der Mitte des Bildschirms windet sich ständig eine weiße Serpentine, welche eigentlich der linken und rechten Bildbegrenzung entspricht. Erkennbar wurde das gestern bei einem Close-up eines hochgereckten Arsches, zwischen dessen Backen mit einer Hand rumgefummelt wurde: eine Handhälfte war links, die andere rechts. Erkennen tut man solche Sachen aber nur, wenn man eine Weile geduldig und genau schaut. Jedenfalls wird´s irgendwann ziemlich spannend, manchmal kommen auch verständliche Soundfetzen rüber, so „elektronischer Teppich"-Musik mit etwas Geschaufe drübergelegt, und in diesen Momenten zeigt sich die Skopophilie des Voyeurs zweiter Ordnung besonders befriedigt. Jedenfalls – und hier das Resümee – steige ich nach drei Stunden aus einem BigBrother-Video-Aufholnachguckmarathon aus, um mir semi-bis-dreiviertel-abstrakte, auto- oder sonstwie-erotisch in keinster Weise verwertbare Pornobildfragmente anzuschauen, und heute früh die Frage: Hat as recht, wenn er mich einen „komischen Kauz" nennt?
     
    2000 11 16 do 18:18 gg Das Renald D. Archiv
    Schon wieder ein neues Archiv! Da in einer gewissen Regelmäßigkeit aus allen nur erdenklichen Städten, in denen Bürgerschreckmusik zur Aufführung kommt, höchst bemerkenswerte Postkarten eintreffen, habe ich mich kurzerhand entschlossen, das „Renald D. Archiv" feierlich zu eröffnen. Aus aktuellem Anlass also heute die neueste Karte. Sie zeigt die Abbildung eines Musikers, der wie kein anderer posthum die Welt in Schwung hält.
     


    2000 11 16 do 18:40 cs Der Platz an dem ich schreibe
    befindet sich in einem schmalen, kleinen Büro; grad so breit, wie das Fenster aus dem ich schaue, wenn ich den Blick vom Schreibtisch bzw. vom PC leicht schräg nach oben richte. Dann sehe ich (eben jetzt nicht mehr, weil es schon dunkel ist):
    ein grosses Stück Himmel, heute gegen 4 Uhr graurosa; über eine mittelgrosse Baulücke hinweg ein Haus, alt, leicht verkommen, mit kleinen rostigen Balkons. Auf jenem, der zur Wohnung direkt in meinem Blickfeld gehört, hängt immer, wirklich immer, Wäsche zum Trocknen; auch wenn es stark regnet, so wie heute seit dem Vormittag.
    Hinter dem etwa 3-stöckigen Haus sehe ich, seit ich hier bin, seit Mai also, das oberste Drittel eines riesigen Krans, der immer, wirklich immer, einen riesigen Betonblock im „Maul" sag ich, so kommt es mir vor, hat und sich langsam hin und her bewegt (gelegentlich wird er den Block schon abstellen, aber offensichtlich ist das Ding sehr gefrässig und packt gleich wieder zu; ich sollte einmal hinter dieses Haus schauen, eigentlich müsste dort ja etwas entstehen, das vielleicht einmal über mein 3-stöckiges Gegenüber hinauswächst. Da hab ich aber lieber den Kran, der bewegt sich so schön langsam, bedächtig, wie von Geisterhand betätigt, hin und her. Ja, nicht zu vergessen, links in der Baulücke steht ein riesiger Baum! Mit dichtem Laub im Sommer, jetzt fast kahl, verlassen, einsam.
    Morgens angenehm herbstliche Kühle; bald Nieseln, später Dauerregen.
     
    2000 11 16 do 21:21 wk Kommen & gehen
    (1) sind heute die Karten aus der Druckerei gekommen & abends gleich weiter zur Post gegangen. (2) Ist der Elektriker gekommen, um die Gegensprechanlage an die Telefonanlage anzuschließen, hat endlich kapiert, worum es geht, ist unverrichteter Dinge wieder abgegangen & wird wiederkommen, wenn er die fehlenden Interfaces besorgt hat. (2) Sind Kruder & Dorfmeister gekommen, genauer gesagt : 14:00 kommt Richard & um 16:00 fällt uns auf, daß Peter noch nicht da ist. Er kommt aber dann ziemlich bald danach & mit ihm kommen (3) zwei CDs, voll mit neuen Bildern fürs Buch (Abgabe Montag...). (4) 18:00 kommt Andreas Platzer mit 100 neuen Fotos vom Orator (zum scannen...) Geht schon... (5) Mit dem Buch selbst bin ich heute nur 24 Seiten weitergekommen. (6) Bei WM bin ich bis jetzt auf einen Rückstand von 3 Konzertberichten gekommen. (7) Bernd Rauschenbach wird morgen mit den Korrekturen zur Post gehen.
    Dessenungeachtet werde ich jetzt in den Gmoakeller CP & gg treffen gehen.
     
    2000 11 16 do 22:51 jh Verstopft
    Mein Computer macht seit 2 Tagen den Eindruck eines verstopften Durchlauferhitzers. Heute ist dann bei einigen Programmen der typische Infarkt eingetreten. Selbst MDr. ga, der im übrigen unseren letzten Patentreff mit einem unbeabsichtigten Minus (eine klass. Papierunreinheit) vor der Längengrad-Koordinate komplett verfehlte, stand lange Zeit rat- und rastlos vor der Gnadenlosigkeit dieses Zustandes. Jetzt takten wieder die Hertzen fröhlich in ihrer meta-meta-medialen Zugriffsrate, ab und an lassen sie sogar unsittliche ASCII-Bemerkungen phallen. 1 Weichbild mit zynisch-digitalen Deckmantel. Sie lassen mich wieder mitarbeiten.
     
    2000 11 16 do 22:45 gd Paris-Bois dArcy, Le Beaujolais Nouveau est arrivé.
    Morgen wird ab Mittag nicht mehr gearbeitet – verkündet mein Betreuer Herr Courbet mit freudigem Lächeln. „Les Beaujolais Nouveau est arrivé" fährt er fort, und das muß in der Cafeteria mit den Mitarbeitern des Archivs gefeiert werden.
    „Un verre du vine rouge" sage ich zur Kellnerin im Cafe de la Place. „Beaujolais?" fragt sie mit verzücktem Lächeln. Sie hat einen Strohhut auf, ein kariertes Hemd an, und eine grüne Schürze umgebunden. Ab 19h30 ist das ganze Lokal reserviert, es gibt Musik und Tanz, und literweise eben den Beaujolais Nouveau. Wir gehen chinesisch essen.
    Morgens Sonne, mittags Regen, abends sternenklar.
     
    2000 11 16 do 23:10 hs Paris, Bois dArcy, fini la Lumiere
    Erratum: Im ganzen sind es 1400 Filme, 12 sind verloren gegangen, rund 900 habe ich gesehen, 51 habe ich ausgewählt, 11 davon sind meine Lieblingsfilme.