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2000 11 13 mo 12:10 jh Tunnel
So tragisch die Vorfälle am Kitzsteinhorn sind, die inszenierte Trauerform im ORF kann doch wohl nicht wahr sein. Extra angelegtes Trauerprogramm mit Ben Hur, Quo Vadis und Der Bockerer. Auf diese Art von filmischer Betroffenheit muß man erst 1mal kommen. In redundanten Sondersendungen wird zwar nicht wirklich viel Information offen gelegt, jedoch in Trauermienen Betroffenheit simuliert. Der Höhepunkt dieses Spektakels waren Interviews von Reporterkollegen aus dem Ausland. ORF-Reporter befragen Kollegen wie sie berichten und wie ihre Sendungen im jeweiligen Heimatland rezipiert werden (???!). Da lobe ich mir die Berichterstattung des Bayrischen Fernsehens. Dort wurde bereits am Samstag in gut ausgewählten Expertenrunden der Problembereich Tunnelbau & Standseilbahn aus verschiedensten und durchaus kritischen Blickwinkeln duchleuchtet.
Ab zum Symposium »Virtual Chracters & Virtual Worlds« .........
2000 11 13 mo 15:10 gl Bildbelämmerung
Heute morgen legt sich ein zartes Rot über die im Nebel verschemten Silhouetten der Bäume. Ja, ich glaube, dass sich alles Gesehene physisch ins Gehirn einschreibt. Nach einem Wochenden vor dem Avid und dazwischen vor einem 2000er Puzzle mit alpiner Landschaft: Ich träume in der Nacht von hin- und hergezogenen Bildfenstern, sehe ich Schattenwürfe auf Rasen und Weg, denke ich in Puzzleteilen. Ich bin so belämmert, dass ich vergesse, die Kinder von der Schule abzuholen. Sie kommen aber eh von alleine. Nur eine leicht angesäuerte Nachbarmutter ruft an, wo ich war. Ich finde diese Abholerei und Hinbringerei sowieso vollkommen übertrieben. Sechs-bis siebenjährige Kinder müssen doch alleine einen ihnen bekannten Weg von 10 Minuten mit nur einem nennenswerten Straßenübergang schaffen. Die Welt in Puzzlestücken zu betrachten, ist eigentlich ganz interessant. Es gibt kompliziertere und einfachere Muster. Die drei Mistkübel vor dem Fenster sind zum Beispiel einfach, die kahlen Zweige vor blauem Himmel kompliziert. Der gelbbraungrüne Auwald sehr kompliziert. Luzia schenkt mir einen Brief. Selbst geschrieben auf der Kugelkopfschreibmaschine.
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2000 11 13 mo 17:30 cs manchmal geht es mir richtig ab
dass ich am Wochenende, an Feiertagen, wenn ich verreise oder krank bin, nicht ins tagebuch schreiben kann, weil ich ja vergleichsweise mit wahrscheinlich allen anderen tbks dermassen unterentwickelt ausgestattet bin, was soft- und hardware betrifft; damit komme ich mir eigentlich ziemlich daneben vor, aber jetzt ist es eben so. Für Konsummenschen wie wir es sind ist es ja mit dem PC so wie mit vielen anderen sogenannten tatsächlichen oder vermeintlichen Errungenschaften, man wird abhängig, mehr oder weniger, wovon das wieder abhängt, darauf will ich jetzt nicht eingehen. Aber ich z.B. hab noch vor wenigen Monaten fast alle Handy-Besitzer und -innen streng, kopfschüttelnd, verwundert, belächelnd usw. angeschaut; seit Sommer hab ich auch eines, immer, fast immer, dabei, Kleidungsstücke werden schon fast danach ausgesucht, ob sich das kleine Ding dort auch verstauen lässt, falls man einmal ohne Tasche oder Rucksack ausgehen will.... Natürlich halte ich mich nicht für so sozial verwahrlost und dekadent wie viele andere, dass ich dauernd in Kontakt sein muss, dauernd hoffe, dass jemand anruft, dauernd schaue, ob eine message drauf ist, dauernd vergesse, es auszuschalten, im Kino, im Konzert, im Restaurant etc. Aber das libindinöse Verhältnis ist natürlich längst da! Bin neugierig, wie das dann wird, falls ich es noch erlebe, dass es das Wiener Ministerium schafft, mir den seit Juli versprochenen Laptop zu besorgen?
Diese Vorrede verdankt sich also der Tatsache, dass immer wieder 2 Wochenendtage kommen, wo ich nicht ins tb schreiben kann und sich so manche Erlebnisse und Ereingisse halt retrosepktiv (oder gar nicht! übrigens interessant, der Frage einmal nachzugehen, was eigentlich nicht ins tb kommt, ebenso ausgewählt und gezielt nämlich, wie die getätigten Eintragungen) niederschlagen.
Am Freitag Abend hatte ich die Gelegenheit, eine kleine Teilmenge der Pariser Gesellschaft kennenzulernen; eingeladen in einer feinen Gegend in eine feine Wohnung zu nicht ausdrücklich feinen Leuten, aber zu einer Art Klassentreffen" ehemaliger Absolventen und -innen der Science Po und der ENA, jener Eliteschulen also, die die meisten französischen Politiker und -innen und sonstige Inhaber/-innen von Top-Jobs produzieren. Ein wie ich von Freunden (jetzt hör ich mit dem -innen auf) weiss sehr gut funktionierendes Netz, sie unterstützen einander, schanzen sich die Jobs zu, über Parteigrenzen hinweg; z.B. waren am Freitag sowohl die Pressesprecherin von Chirac als auch jene von Jospin eingeladen, die übrigens gute Freundinnen sind. Alle möglichen solcher verbandelter Konstellationen wurden mir ins Ohr geflüstert, Namen, Positionen, Jobs genannt, dass ich gar nicht mehr folgen konnte oder wollte und mich eher dem herrlichen Buffet zuwandte.
Noch etwas hat dieser Abend gebracht: jetzt weiss ich endlich, welche Frauen all die unglaublichen, meist hässlichen Dinge, tragen, die man in manchen Pariser Modegeschäften sieht; ich stehe oft davor und denke, wer zieht das wohl an? Das hat nichts zu tun mit den verrücktesten, gewagtesten Creationen aus der Fashionbranche, sondern es sind Dinge zwischen dem Outfit von Queen Mother, jenem einer Dame der Bourgeoisie beim Tee im Landhaus in der Provinz, vielleicht ein wenig zeitloser" Klassiker, Twinsets z.B. mit Perlmuttknöpfen, die ganz Verwegenen setzten dann buchstäblich dem Ganzen noch einen Vivian Westwood-Hut auf. Herrlich, und ich mit meinem ganz simpel modischen schwarzen Zweiteiler von Francois & Marithé Girbaud war damit fast fehl am Platz; oder gerade eben nicht, denn anything goes.
Wie wohltuend ein stilles Abendessen im Vallée de Chevreuse, ca 40 Autominuten südlich von Paris, vorbei an einer Atomversuchsanstalt, gut eingezäunt, am Samstag Abend; ruhiges Landwirtshaus, schöner Garten (natürlich nicht für jetzt, eiskalt), offener Kamin; frischeste Austern Nr. 3, Cotelette d'Agneau, Käse, Sorbet au Citron; guter Wein.
Sonntag entsprechend ruhig, genügsam, fast karg, lesen (Flaubert/Novembre, mit Wörterbuch), Teetrinken; das Unvorstellbare über die Katastrophe am Kitzsteinhorn aus Österreich hörend.
2000 11 13 mo 19:27 pt Angst
Die Arbeit am neuen Film läßt sich an wie immer: mit Vermeidungsstrategien. Heute habe ich vermieden im Mediamarkt, beim Haas, beim Hornbach und beim Billa. Bin schon neugierig auf morgen.
2000 11 13 mo 20:55 as BB + Pierre Henry avec Spooky Tooth
short: Hanka, die Hexe ist draußen und wurde anschließend vom Nominator im Studio regelrecht an die Wand gespielt mit Es ist schön ein Arschloch zu sein!". Karim, der einen weggesteckt hat und der zusammen mit und oder in der Frankenbarbie Daniela freiwillig das Haus verlassen wollte, scheint letzten Meldungen zufolge doch zu bleiben. Prinz Valium geht mir auf die Nerven und Harry widert mich schlichtweg an (nicht aber wegen der slip-Schnüffelei!). Alida hat für mich unverständlicherweise zu Hankas Auszug Tränen vergossen, Ebru ist wie sie ist, Marion ditto, und Frank wird vermutlich gewinnen. Letzterer ist so langweilig, daß er absolut keine Fehler macht.
Frühmorgens erreicht mich pt telefonisch im Auto, um mir mitzuteilen, daß Spooky Tooth damals nach ihrer Zusammenarbeit mit Pierre Henry als Band zerbrochen sind. Das alles liegt nun schon ein paar Jährchen zurück (15,20?), jedenfalls hatten wir uns damals schon scherzeshalber gefragt, ob denn Spooky Tooth die Klänge und Zutaten P.Henrys goutieren würden. Tatsächlich hab ich die Platte im unsortierten Teil meiner Vinylsammlung gefunden, und zwar exakt zwischen The Nyman Greenaway Soundtracks" und einer Lp mit dem Titel Die Gesänge der Buckelwale". Und siehe da: man muß etwas nur lange genug nicht gehört und vor allem vergessen haben, um gleich wieder amüsiert, wenn schon nicht begeistert zu sein. Auch das cover ist nicht schlecht: da schlägt jemand durch die eigene Hand jemand anderem einen großen Nagel mit einem Hammer von hinten in den Kopf. Mein Lieblingstrack von Ceremony"-Messe environnement ist auf Seite 1 No 2 Jubilation".
Den ORF getraue ich mir schon gar nicht mehr anzustellen, weil immer diese grausliche G'schicht vom Kitzsteinhorn.
Geht jetzt auch Marion? In weniger als 55 Minuten weiß ich mehr.
2000 11 13 mo 22:00 gg 00 11 13
Seltsame Koinzidenzen anlässlich der Gründungs-Veranstaltung der HvF-Gesellschaft:
1) heute, 00 11 13, feiert Heinz von Foerster seinen 89. Geburtstag;
2) heute, 00 11 13, um 12 Uhr mittags, traf der Bescheid der Vereinspolizei ein, dass die Gründung der HvF-Gesellschaft nicht untersagt" ist.
3) heute, 00 11 13, um 17:30, wurde der erste Präsident der HvF-Gesellschaft der Öffentlichkeit vorgestellt. Dabei handelt es sich um Dr. Karl Müller, Institut für Höhere Studien, der zufällig auch heute, 00 11 13, seinen Geburtstag feiert.
4) heute, 00 11 13, nahm das wiedereröffnete und neu-eingerichtete Stammlokal der HvF-Vorstandsrunde (Kern's Beisl, nunmehr in den Tuchlauben) seinen regulären Betrieb auf. Heinz von Foerster 1960
HvF würde hier wahrscheinlich die Magie" ins Spiel bringen: Ich denke, die Frage ist: können wir diese Prozesse erklären? Und mein Vorschlag ist: Wir müssen lernen, mit Dingen umzugehen, die wir nicht erklären können. Das ist die Denkungsart, die ich Magie nenne. Magie ist die Kunst, Situationen zu meistern, die man prinzipiell nicht erklären kann. Das heißt: Du lebst in einer unerklärlichen Welt, und Du bist selbst unerklärlich, und Du findest das Kunststück heraus, Dir Deinen Weg durch dieses unglaubliche Puzzle zu bahnen. Das ist Magie."
Übrigens: Albert Müller (Institut für Zeitgeschichte) hat sich für meine gelungene Polemik" rund um Bell bedankt. Zufällig war auch J.L. vom Standard da, nachdem mich mittags C.P. vom Standard darauf aufmerksam machte, dass J.L. (von mir unbeabsichtigterweise sich persönlich kritisiert fühlend) von meinem Bell-Skandal-Rundbrief" irritiert war. Eine kurze Aussprache klärte das Missverständnis (hoffentlich) auf. Apropos Rundbrief": O.H. (Falter) schreibt aus den USA, jetzt nicht, etc., aber: Eventuell machen wir aber in absehbarer Zeit (2001) ein 'heureka' zum Thema Streit/Kontroversen etc. in den Wissenschaften und dann ist der Bell-Skandal schon vorgemerkt." Na, schauma.
2000 11 13 mo 22:32 gg Brotha's gettin' bigga and bigga
Unter der Schlagzeile Brain Imaging Technology Can Reveal What A Person Is Thinking About haben kürzlich Ärzte des Massachusetts General Hospital bekanntgegeben, dass sie bei einer Versuchsreihe mit 8 Personen zwischen 20 und 40 mit 85% Treffer-Wahrscheinlichkeit angeben konnten, was diese sahen bzw. dachten: den Versuchspersonen wurden Bilder von a) Landschaften und b) Gesichtern vorgelegt, und zeitgleich wurde ihre Gehirnaktivität gemessen (mittels sogenanntem NMR: Nuclear Magnetic Imaging). Dasselbe wurde wiederholt unter der Auflage, dass die Versuchspersonen zu einem bestimmten Zeitpunkt bloss jeweils an eine dieser beiden Bild-Kategorien denken sollten. Die Wissenschaftler, die ausschließlich die NMR-Daten der Versuchspersonen zu sehen bekamen, nicht aber, was jene gesehen hatten (und natürlich auch nicht, woran jene gedacht hatten), konnten mit einer Trefferrate von 85 % die richtige Antwort geben. BB kann also demnächst nicht-invasiv ins Hirn schauen und zumindest bei binären Optionen zwischen unterschiedlichen optischen Reizen Gedanken lesen. Es braucht jetzt nicht mehr sehr viel Phantasie, um sich auszumalen, welch fantastische Container-Events demnächst ins Haus stehen!
Apropos pt: Schlechte Nachrichten! Mein Freund und AINS-Kollege Siegfried Fussy appelliert an Dein Gewissen, sofern Du in dieser Art von Angelegenheit eines besitzen solltest. Du hast ihm nämlich mit einem einzigen weitausholenden Zugriff auf das Singerstrassen-Billa-Weinregal sämtlicher Möglichkeiten enthoben, den hochgelobten Barolo 1996 (und zwar den mit der BLAUEN Aufschrift) zu testen. In der Folge hat S.F. zwangsläufig jenen mit roter Aufschrift probiert, was offenbar zu einem niederschmetternden Ergebnis geführt hat. S.F. meint, ein ganzes Weinfach auszuräumen sei einfach unanständig (zumal dort auch nichts mehr nachgeliefert wurde), und urgiert wenigstens eine Flasche aus Deinen Beständen. Tja, die tb-Öffentlichkeit hat offenbar auch ihre Schattenseiten....
2000 11 13 mo 23:23 ak get goin'!
Mehr Elan!" denke ich mir heute morgen, als ich mich vom Bett zur Kaffeetasse schleppe, um mich mit ihr dann gleich auf der Couch niederzulassen, da mir zu dieser Stunde selbst das Sitzen schwerfällt. Mehr Effizienz!" denke ich mir gegen Mittag, nachdem ich den ganzen Vormittag auf unzählige handouts" gestarrt hatte, die meinen Kursteilnehmern das Present Perfect" verständlich machen sollen und noch immer nicht wusste, wie ich den Abendkurs gestalten soll.
Ist es der November? Nein, denn es hat täglich angeblich um die 20 Grad mit strahlendem Sonnenschein. Ist es Energiemangel? Das kann nicht sein, denn schließlich leiste ich täglich intensivste Energiearbeit mit meinem Tai Chi-Training.
Am Nachmittag zeigt mir ein Schüler seine neueste Errungenschaft: ein Buch über Time-Management. Eine Idee, die ich allerdings gleich wieder verwerfe, denn um sich seine Zeit diesem Buch folgend einzuteilen, bräuchte man noch einmal so viel Zeit. Es wäre also ein reiner Zeitvertreib.
Mein Tai Chi-Trainer spricht heute über klare Zielsetzungen, die zu Zielen führen, wenn man etwas dafür tut. Ich denke mir, dass ich eh schon was tue, aber woher kommt die Energie dazu?
2000 11 13 mo 24:00 fb die ganze Zeit
auf www.thebeatles.com gespielt !!!
2000 11 13 mo 23:00 gd Paris, Bois d´Arcy, Arbeitsbeginn
Das Frühstück zwei petit Creme und drei Croissants nehmen wir drei Stockwerke unter unserem Zimmer, im Cafe Odessa. Am Bahnhof Montparnasse kaufen wir uns zwei Baguette mit Salami und Gurkerln, und besteigen den RER um 8:46h nach Fontenay le Fleury. In Versailles bricht die Sonne durch den Morgennebel. Zwei Pariserinnen legen im Zug noch schnell Maquilage auf ihre Gesichter. Das Laub der Bäume vom Bois d´Arcy glitscht unter den Schuhen. Das ehemalige Waffenlager, in dem das Centre national de la Cinematographie untergebracht ist, liegt unter dem Niveau der umgebenden Landschaft. Von der Luft aus würde man nur Wald sehen.
Bei einem zweiten Espresso besprechen wir mit der Direktorin Michel Aubert, zwei Mitarbeitern und der Leiterin der Sammlung Lumiere, die Vorgangsweise. hs bekommt einen Stoß mit Lumiere-Videos, ich eine Selektion von rund 50 Filmen aus dem Archiv. Die Arbeit kann beginnen. Im Zug zurück nach Paris, erzählt Michel Aubert am Abend, daß Auguste Lumiere Freimaurer gewesen ist. Jetzt wundere ich mich nicht mehr über die weltweite rasante Verbreitung des Cinematographen.
Abendessen im Marais-Viertel. Jetzt noch ein bisschen TV.
Kalt und Regenschauer.
2000 11 13 mo 23:30 hs Paris, prix d´occasion
Haben Sie noch andere weisse Säulen oder vielleicht einen ganzen Tempelteil eine Tempeltreppe oder noch ein paar von diesen kleinen Tempelruinenteilchen ?" frage ich den Herrn im Aquariengeschäft an Quai de la Megisserie. Ich hab noch ein paar Säulen aber gehen Sie doch ins Samaritaine, in der Aquarienabteilung ist gerade Ausverkauf und die haben alle Tempel Säulen und Säulenstüpfchen!"
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