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2000 11 12 so 10:00 ga da
odaa/ned
fr: Dem hl. Martin 1 gebackene Gänseleber gewidmet.
sa: Paralyse-Tag. Alle Bilder meist liegend wahrgenommen.
so: Aufgewacht.
2000 11 12 so 13:40 gg retrograde Amnesie
Nach dem gestrigen Griechenlandbesuch (wann?, mit wem?), bei dem sehr viel gelacht und getrunken wurde (aber worüber und was?), versuche ich gerade, wenigstens den Tagesablauf davor zu rekapitulieren. Auf der Bell-Tagung habe ich einige sehr aufschlußreiche Gespräche geführt (u.a. mit Nicolas Gisin und Franco Selleri), die meine allgemeine Einschätzung punkto Skandal" bestätigen. Franco hat mir sein neuestes Buch geschenkt: Open Questions in Relativistic Physics".
ad gd: dem Stecker-Kenner sei hier ein kleines Mysterium vorgeführt. Der abgebildete Stecker fand sich unter den Beigaben in der Schachtel meines neuen PCs. Wenn's mir auch damals jemand gesagt haben sollte: hab' vergessen, in welchem Land der paßt. (Im Steckerland?) Das eher wuchtige Design könnte vielleicht zur Mir" passen! Anyway, wer mit dem Ding was anfangen kann, möge sich bei mir melden. Gegen Bekanntgabe des Verwendungszwecks kann er/sie das unbekannte Steck-Objekt haben.
2000 11 12 so 17:12 ak Afrikanisch Griechisch Italienisch
Freitagabend habe ich bei Grossmutter kocht" in der Fassziehergasse afrikanische Küche genossen. Während wir auf Lederpolstern gemütlich am Boden saßen und über Allerweltsthemen plauderten, wurden, mit langen Pausen dazwischen, folgende Speisen serviert:
Erdnusssuppe, Palmnusssuppe, Pfeffersuppe, die erst im Rachen brennt. Saftig pikantes Lammschlögelragout mit Blattspinat und Cous-Cous, Tilapia-Fisch mit Jollof-Reis, Huhn mit Yam und pikanter Sauce, sowie Kochbanane mit schwarzen Augen-Bohnen und würziger Sauce. Der Sesamkuchen, dessen Namen ich nicht mehr weiß, war steinhart (beabsichtigt) und erinnerte an türkischen Honig. Es folgten noch die gebackene Kochbanane und, als besonderer Gruß aus der Küche, gedünstete Teigtascherl mit Erdnussstücken und Rosenöl. Als Aperitif gab's Guave-, Mango-, und Kokossaft, zwischendurch viel Wasser und vor dem Gehen noch ein Stramperl Mangoschnaps. Während dieser kulinarischen Zeremonie bot sich uns auch eine breite Palette mit unterschiedlich plattgedrückten Nasenformen auf den Fensterscheiben und weit aufgerissenen Augen der neugierigen Passanten, die von der Straße verwundert zu uns herunterstarrten.
Samstagabend haben wir in Griechenland köstlichen Octopodi-Salat und rote Paprika mit einem Hauch" Knoblauch, und Lammspieße mit den besten Pommes Frites ever gegessen, sowie größere Mengen Bier, Retsina und Tsipuro konsumiert. Überraschenderweise gesellte sich zur kleinen tbk-Runde, die aus fb, gg und mir bestand, noch ein bekanntes Gesicht (C.P.) mit weiteren Freunden dazu, was Unterhaltungswert sowie Alkoholkonsum des Abends noch steigerte.
Sonntagabend sind Erika H. und Franz R. zum Essen geladen. Es gibt kaltes mariniertes Gemüse, Pasta mit Pilzen, Äpfel auf Blätterteig, Chianti, Grappa.
2000 11 12 so 17:27 gg HvF-Einladung
In meiner neuen Funktion als Vereinsmeier (Stv. Gen.-Sekr.) der Heinz von Foerster-Gesellschaft ist folgende EINLADUNG auszusprechen: die HvF-Gesellschaft, in Verbindung mit dem Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien, dem Institut für Höhere Studien, Wien, und dem Institut Wiener Kreis, präsentiert anläßlich des morgigen 89. Geburtstages Heinz von Foersters
1.) die zweite, erweiterte Auflage der Festschrift für Heinz von Foerster: Konstruktivismus und Kognitionswissenschaft. Kulturelle Wurzeln und Ergebnisse, Hrsg. von Albert Müller, Karl H. Müller und Friedrich Stadler, Wien New York: Springer Verlag 2000. (Sonderband der Veröffentlichungen des Instituts Wiener Kreis),
2.) das Heinz von Foerster-Archiv am Institut für Zeitgeschichte,
3.) die Heinz von Foerster-Gesellschaft.
Ort: Aula des Universitäts-Campus Altes AKH, Spitalgasse 2-4, Hof 1, 1090 Wien.
Zeit: Montag, 13. November 2000, 17:00
2000 11 12 so 18:59 as Wessobrunn + Protagoras
Dieser im sog. Pfaffenwinkel gelegene Flecken war im 17. bis ins ausgehende 18. Jh. Zentrum und Brennpunkt von allem, was mit Stuck zusammenhängt. Zur Wessobrunner Schule, herausragend Johann Schmuzer als Stuckateur und Domenikus Zimmermann als Freskant, zählt man an die 1000 sog. Künstler, respektive Kunsthandwerker, deren Spuren sich naturgemäß von Bayern aus über den gesamten deutschsprachigen Raum bis nach Polen und Russland nachweisen lassen. Auch meine beiden Vogels in Bamberg (Neue Residenz. hier Kaiserzimmer), Johann Jakob der Vater, und Sohnemann Franz Jakob kommen, nimmt's wunder, aus dieser Ecke. Eine detaillierte Analyse beispielsweise zur Entwicklung und Ausformung des Akanthus im wessobrunner Stuck, zur Polychromie in den Vorlagen, etc. wird ein Teil meiner Winterbeschäftigung sein. Heute allerdings haben mich mehr die von diesem extremen Herbstlicht beschienenen Berge interessiert, und für mich als leidenschaftlichen Atheisten überraschend das sog. Wessobrunner Gebet, dessen erster Teil mich eigenartig berührt hat. Übrigens gilt es als das ältest erhaltene Denkmal der deutschen Sprache. Datiert wird es mit 814, wiederentdeckt, identifiziert und gewürdigt wird es erst wieder im 19. Jahrhundert. Von Johann Andreas Schmeller stammt wohl die heute lesbare Übersetzung:
Das erfragte ich unter den Menschen
als des Wissens Größtes:
daß die Erde nicht war
noch der hohe Himmel,
noch Baum noch Berg war,
noch irgendetwas,
noch die Sonne schien,
noch der Mond leuchtete, noch das Meer war.
Als da nichts war von Enden und Grenzen
....
dann geht's eben weiter mit dem allmächtigen Gott und dem ganzen Kappes, und Bitten und Anrufen, und der Teufel wird erwähnt, und so weiter und so fort. Nichts weniger als kurios, daß im Kloster im Treppenhaus ein Bildnis des Protagoras hängt, dem das G'stanzl Über die Götter habe ich keine Möglichkeit zu wissen, weder daß sie sind, noch das sie nicht sind" zugeschrieben wird.
2000 11 12 so 21:02 fb weak end
Nachdem ich am Donnerstag mit hs und gd Salami essen und (reichlich) Grappa trinken durfte, nahm ich am Freitag bei Birgit E. Mexikanisches und (reichlich) von mir selbst gemixten »Margaritha« zu mir, um mich am Samstag einerseits bei einem kurzen Spaziergang am Wolfersberg ![]() und anschließend im bekannten Griechenland mit ak & gg bei Fisch und (reichlich) Retsina zu entspannen. Zur allgemeinen Freude gesellte sich (zufällig") Claus P. in Begleitung des (etwas bleichen) Äthiopischen Botschafters namens Harry und seiner (ebenfalls bleichen) Gattin zu uns, was dazu führte, dass (reichlich) Tsipouro auf die internationale Völkerverständigung und das tb getrunken wurde. Sonntag beging ich den Tag des Herrn (Fussball).
2000 11 12 so 22:00 fk gols maxtag
Zurück aus Gols vom Martiniloben. Unsere Weinkosterei beschränkte sich auf drei Weissweine bei der (fernen) Verwandtschaft. Die Lunzers sind natürlich im Stress, wir telefonieren mit Judith Juhazs, der verwandten (fernen) Verwandschaft, und vereinbaren ein Treffen in Neusiedl am Hafen" mit Tochter Helene (halbes Jahr jünger als Max). Ihr Mann Nik holt gerade das Segelboot namens Feigling aus dem Wasser. Danach in ihrer Wohnung in Neusiedl Tee getrunken und im Garten ihre zwei Pferde gefüttert. Das Outlet Center in Form eines Mickey-Mouse-Burgenland-Angerdorfes, oder was weiss ich was, unbeachtet gelassen. der Scherz ist zu müde, als das man irgendwelche theoretische Umkehrpositiva herausfiltern könnte. Letzten Freitag seit zwei Wochen endlich wieder ein ausführlicher Max-Tag. in der Neubaugasse einem vorbeiradelnden td begegnet (mit (seinem?) Kind im Gepäck); Rehlederhandschuhe für Papa, Krapfen für Max, Krapfenmarmelade für den Daunenanorak; Papa mahnt zur Vorsicht, Max bedauert, ebenfalls mampfend (ojeojeoje"). Am Naschmarkt beim Gurkenkönig Oliven, getrocknete Tomaten, Maiskölbchen (einen Kostkolben verweigert er; es muß ein ganze Portion sein, die dann am Weg zum Auto verkostet wird und die Marmeladepatina des Anoraks sauer überzieht.
2000 11 12 so 23:59 wk WM 11 + 12 trotzdem...
Hatte heute plötzlich überhaupt keine Lust weiterzuschreiben. An dem Text bastle ich ja schon wieder seit Tagen. Mir ist der Umstand, von der Welt überhaupt nix mehr mitzukriegen, kurzfristig ziemlich auf die Nerven gegangen. Über die amerikanische Wahl erfahre ich aus dem Tagebuch. (Danke tb !). Gestern, nach dem Konzert über den Ring (von Termin zu Termin) spazierend, sehe ich schwarze Fahnen an der illuminierten Oper und höre im Vorbeigehen aus einem Würstelstand Nachrichtenfetzen, Katastrophe, Thomas Klestil, nationale Trauer... Usw.. Angenehm kühl, frisch. Der Vollmond exakt hinter Maria Theresia war besonders schön. Noch keine Faschingsstimmung ! & Wm-mäßig muß ich schon bis zum Mittwoch zurück ! Wie dem auch sei. Trotzdem :
Mittwoch, wie gesagt, vor dem Konzert noch schnell eine Vernissage : Erwin Redl in der Sammlung Essl im Depot 1, eine Lichtinstallation. Schöne Sache. Die beiden Säulen im sonst leeren Raum rundum mit Lichtschlangen versehen, je eine am boden- und eine am deckenseitigen Ende, die Lichter selbst von höchst unterschiedlicher Lichtqualität, von rot über blau bis zu blitzlichtartigen flashes, bewegt man sich in einem hermetisch abgedunkelten Raum und kann nur selten seine Position und das Verhältnis zu anderen Personen im Raum nachjustieren. Zum Glück habe ich einen Tipp bekommen & bin noch vor dem Gros der Vernissagengäste, die nach der Begrüßung massenweise den Raum stürmten, fast alleine drin gewesen. Massenbesuch das ist man ja fast schon gewohnt, allein zwei shuttle-Busse aus dem Konzerthaus auch anschließend im Lesesaal bei :
WM 11 08 : Sammlung Essl : [bracket] #4 : Helge Hinteregger, Sampler; Jack Hauser, Theremin & MS20; Christof Kurzmann, Powerbook G3; Dieb 13, Turntables; Improvisationen. Vor uns türmt sich die Geschichte der Elektronik, von links nach rechts : ein Theremin (ca. 1920), daneben ein MS20, ein analog-Synthesizer aus den 70er-Jahren, dann zwei turntables, ein sampler und rechts außen ein G3-laptop (ca. 1999).
Das erste set bleibt über 45 Minuten eine sehr ernste Angelegenheit, wenn auch sehr bemüht und mit (vielleicht etwas zu vielen und zu unterschiedlichen) Beiträgen bestritten. Das zweite set nach der Pause mit doch wesentlich mehr Leichtigkeit. Der eine oder andere Zufall erheitert mitunter sogar die Protagonisten. Die Türe quietscht. Alle zu spät kommenden tragen so unfreiwillig zur performance bei., bis Christof aufsteht und selbst mit der Türe hantiert. Hat gepaßt. Applaus. Irgendwer ruft schüchtern nach einer Zugabe & sofort gehts weiter. Das letzte Stück kann man dann ruhigen Gewissens als heiter" bezeichnen. Die 4 in offensichtlicher Spielfreunde und zu Scherzen aufgelegt. Aha Elektronik kann auch offensiv Spaß machen ! Welch Erkenntnis !
Kurzes time out. Am 9. wird einer Gans der Vorzug gegenüber der Dieter Kaufmann' schen »Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte« im Konzerthaus gegeben & statt Christóbal Halffter's 70er im Musikverein zu zelebrieren, wenden wir uns tags darauf dem Abo-Konzert des Klangforums im Mozartsaal zu. Dem Vernehmen nach sollen beide Entscheidungen richtig & die beiden nicht besuchten Konzerte entbehrlich gewesen sein.
11 10 : Zyklus Klangforum Wien : »Ohne Titel (19391945)« : Edgar Varèse : Ionisation (193031) | Viktor Ullmann : Sechs Lieder op. 17 (1937) | Elliot Carter : Three poems of Robert Frost (1942/1980) | Anton Webern : Konzert für neun Instrumente op. 24 (1934) | Arnold Schönberg : Kammersymphonie Nr. 2 op. 38, 1. Satz »Adagio« | Wolfram Schurig : Augenmaß für Ensemble (2000); Klangforum Wien, Jürgen Henneberger; Ksenija Lukic, Sopran. Das Gusto-Stückl gleich zu Beginn : Ionisation von Varèse für 8 Schlagwerker (darunter 1 Schlagwerkerin). Hinreissend ! Die Lieder von Ullmann haben mir nicht gefallen, wenn auch sein Schicksal (Theresienstadt) fürchterlich war. Carter war dann schon wieder besser, die Klassiker" sowieso gut, dafür hatte ich mit dem Schurig-Stück, ganz entgegen meiner Erwartung, so meine liebe Not. Hat mir eigentlich nicht gefallen, wenn ich auch nicht sagen könnte, warum.
Ab in den Gmoa-Keller, wo schon gd, Rita RTL (geb. Eymann) & Susi Wegenstein warteten, quasi ein halbes Klassentreffen (ohne denen, mit denen man sich ohnehin nichts zu reden gewußt hätte). Wir hatten zu reden, mußten sogar nach der Sperrstunde im Gmoakeller in die Intercont-Bar ausweichen, um in halber Ruhe (die andere Hälfte war eine fürchterliche Bar-Band) fertigreden zu können...
WM 11 11 : Karlheinz Stockhausen : Hymnen (Dritte Region); Niederländisches Radiokammerochester, Peter Eötvös; Bryan J. Wolf, Klangregie. Eigentlich ein 4-Kanal-Elektronik-Tonbandstück aus dem Jahre 1966 mit einer Gesamtdauer von 113 Minuten, unterteilt in vier Regionen". Wir hörten an diesem Abend nur die 3. Region, diese dafür gleich zwei Mal, in einer Orchesterversion, mit der Stockhausen in den frühen 70er-Jahren beauftragt wurde, mit besagtem Band als Leitelement. Im Zentrum der 3. Region stehen drei Hymnen (das ist in allen anderen Teilen auch so, im ersten z.B. die Internationale" und die Marseillaise" im Zentrum), die russische, getragendst vorgetragen, die amerikanische, unterschnitten mit jeder Menge Bruchstücken aus anderen Hymnen, und schließlich die spanische (in 12-fachem Tempo vorgetragen).
Pause nach dem ersten Durchgang, dann kurze Erläuterungen des Dirigenten, der bei diesem Stück schon selbst mitgespielt, unter Stockhausen als Dirigenten am Mischpult gesessen hatte und das Ding auch schon dirigierte, mit Stockhausen als Klangregisseur am Mischpult. Eötvös findet, wie er erzählt, bei jedem Hören auch heute noch immer wieder neue Aspekte und Details. So zum Beispiel dieses : auch drei Takte der österreichischen Hmyne kommen vor, sie sind aber, im Gegensatz zu den anderen Einstreuungen, die direkt integriert wurden, davor und danach freigestellt, isoliert quasi schon damals ! Wunderschöner Abend. Gutes Orchester. Saubere Arbeit ! Glücklich.
Heute das Bach-Schnebel-Konzert in der Dominikanerkirche geschwänzt, morgen überhaupt kein Konzert !!! & wie wir soeben per mail erfahren, haben wir schon wieder nix versäumt ! : katastrophall. original-bach kdf auf orgel, danach dasselbe im arrangement für stimmen von dieter schnebel. sorgfältigste fingerübung des komponisten, muß aber nicht unbedingt aufgeführt werden und wenn, dann ohne orgelklang davor. und nicht bei wm."... (Danke CB)
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