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2000 11 09 do 08:45 td klar, doubles
Musik ist vergänglich, das merkt man schon daran, wie schnell die Konzerte von WM zurückliegen, über die ich noch nichts notiert habe. Ad Brahmssaal/französischer Abend war mir nur aufgefallen, daß Vortex Temporum von Grisey sowohl von Ensemble Itineraire als auch L'instant donné französischer" gespielt wurde, besonders die Ravelschen Arabesken mehr vapeur hatten und weniger geschrubbt als von Recherche (die natürlich dafür akkurat schrubben) diese Musiken wirken überhaupt wie Hüllkurven eines französischen Musikjournalisten beim Dinner: wolkenartige Häufungen einer Klangdetektion. Schön allemal. War das wieder der Abend der Doubles? wk neben mir meinte erst noch, daß Rundel doch gleichzeitig (nicht?) bei The Long Rain sein könne. Haben eigentlich wk und Rundel Ähnlichkeit, dachte ich dann. Hinter mir saß cs" wieder, diesmal in Begleitung eines Herrn in Anzug. Meine doubles waren wohl im großen Saal.
[bracket]#4 (was heißt eigentlich der Ausdruck bracket in dem Zusammenhang? ist das eine MAX/MSP Funktion?) veranlaßte im ersten Teil die Frau vor mir, einen Roman auf dem Programmzettel anzufangen, leider auf tschechisch. Nach dem ersten Set fiel ihr dann der Kuli aus der Hand. Im zweiten Teil stand ich in der Rotunde und wurde in ein Gespräch verwickelte geworden hatte, in dem mir ein netter Princeton-Absolvent seine Thesen zu Gore/Bush in Verbindung mit einer Empfehlung JETZT in Harlem Immobilien zu kaufen weitergab. Offensichtlich ein Kenner der Szene. Im Hintergrund hörte ich Mondlandungen am Hauserschen Theremin und Gelächter des Publikums. Stimmungsvoll allemal. Draußen, in der Kälte und dem Nebel, der das Essl-Haus umgibt, der Geruch von Pferdemist. Gegenüber die Kunsthalle St. Leopold. Das Nahverhältnis zum kunstsinnigen Leopold, der hier offenbar sämtliche Werke aus dem Blauen Reiter" aufbewahrt erzeugt wohl diesen Geruch.
Im Schikaneder eine Nasenlänge vor Schäfer/Polzer und Dame eingetroffen, wodurch auch der gestrige Ausklang bis heute angehalten wurde.
2000 11 09 do 10:10 cs US micmac
Wahrscheinlich ist die Wahl in Uncle Sam's Land schon wichtig; doch wenn die Alterntativen ohnehin nur Cola oder Pepsi heissen, versteh ich die ganze Aufregung irgendwie nicht. Schon gar nicht, wenn die gscheiten Amis nicht in der Lage sind, rasch und ordentlich zu zählen.....(schön dumm stehen sie da, meine US-Experten, mit ihrem besten Bildungssystem in der Welt). Das tb macht aber heute CNN Konkurrenz, dauernd US-Wahl! Einfach warten, die Nachricht kommt früh genug.
2000 11 09 do 12:30 gl Gansl Hirn und Herz
Das Gansl, die Knödl, das Rotkraut, die Fülle und das davor und danach wurden heuer bereits am 8.11. vertilgt. In Begleitung der Leutzendorffs. Der ultimative Trip. Fragolino. Die Farben des Morgens waren rot. Rote Augen. Danach die Traumkette zwei. Virtueller und echter Sex.
HirnEs endet immer gleich. Zur Musik von Soul Kitchen tanzen wir auf dem Gabbeh und danach Philosophie zwischen Ledersofa und Holzbank. Diesmal wars die physische Prägung des Gehins durch die Wahrnehmung und die damit verbundene Denkgrenze. Das Gespräch spiralte sich bis zu unserer Denkgrenze. Die andern waren aber anscheinend auch recht verwirrt, denn er kam unerwartet zurück. Sie hatten ihre Schlüssel auf unserer Veranda liegenlassen. HerzGestern im Zug. Der columbianische Nachbar verkündet Bushs Sieg. Für uns ist das eine Katastrophe. Die Kokabauern werden wieder erschossen werden, damit die Amis ihr Geschäft mit der Doppelmoral machen können." Zu Hause dann im Radio. Doch nicht Bush. Die Wahl ist so zweifelhaft, dass einem der Boden unter den Füssen wegrutscht. Es ist unglaublich, dass die wildesten Verschwörungstheorien wahrscheinlich eine größere Treffsicherheit haben, als die im Vertrauensgrundsatz angenommene Wirklichkeit. War da nicht gestern irgend so eine Verschwörungstherie. Zumindest lachen in Amerika die Journalisten über ihre Falschmeldungen. Das würde hier nicht passieren. Hier lassen sie vor lauter Angst Diskussionsrunden auch noch aus dem Monitor heraus beschimpfen. Hand aufs Herz und Herz aufs Hirn. Ist das nicht alles eine riesige Denkgrenze.
2000 11 09 do 16:59 fb internas: NACKT (und das im tb!)
ad gg:
die Gnade der frühen Geburt! Ich kann mich sehr wohl an die »Pedoscope« als fixen und von mir sehr geliebten Bestandteil des Schuhkaufens erinnern. Es war für mich einfach faszinierend, meine Füsse quasi gleichzeitig bekleidet
betrachten zu können. ad wk: was soll ich tun? Deine Bilder bekomm ich tatsächlich & nachwievor doppeltdoppelt.
2000 11 09 do 17:30 cs Männer und Frauen
Washington Post, November 8:
Florida, Where the Weird is Ordinary":
...Maybe it's the heat. Maybe it's the cultural caldron that South Florida represents. Something makes people act crazy here ... Florida breakfasts with irregularities; Florida gargles with irregularities, and spits ... Two years ago, Miami Mayor Xavier Suarez affectionately called Mayor Loco" because of idiosyncrasies that included unannounced late-night visits to constituents in his bathrobe lost his job when it was revealed that his election involved many absentee ballots cast by persons who were technically dead, or in other ways unaware that they had voted. And so Suarez's opponent became the new mayor. That would be Joe Carollo affectionately called Crazy Joe" because of past idiosyncrasies that included publicly challenging political rival to a duel ... Most recently, a man in south-central Florida was convicted of animal abuse for killing his dog because he thought it was gay ... Another hero of the Gonzalez case (you remember, little boy Elian from Cuba, who was washed ashore, cs) was Kendall Coffey, the patrician, soft-spoken appellate lawyer credited with lending some sorely needed dignity to the case. Coffey was the former U.S. attorney in Dade County who lost his job after blowing a big case, going into a bar, buying a magnum of Dom Perignon champagne and biting a stripper on the arm...".
Und was ist mit den Frauen?
La First Lady goes New York!
Jeanne Moreau, 72, schön, verraucht, verlebt, viel getrunken mit ihrer auch grossen Freundin Marguerite Duras, inszeniert im Théatre de Chaillot Un trait d'esprit" von Margaret Epson.
Anna Achmatova bekommt ein Denkmal in Moskau, in einem Hof des Hauses, in dem sie zwischen 1934 und 1963 immer wieder gelebt hat. Ob sie das freuen würde, die vom sowjetischen Regime gepeinigt und verfolgt wurde, dass der russische Kulturminister jetzt das Denkmal enthüllt?
2000 11 09 do 18:50 as LEITKULTUL
Den von diesem Spinattarzan F. Merz in die Einwanderungsdiskusssion eingebrachten unappetitlichen Ausdruck Deutsche Leitkultur" will ich nur mehr von Chinesen ausgesprochen wissen: LEITKULTUL. Gefragt Was Dt. LK denn für sie sei", antworteten bundesdeutsche Bürger: Goethe, Dt. Essen (???), daß Deitsch kenna" (in tiefstem Niederbayerisch), Fleiß, Ariernachweis, Stolz, der HSV (naja, ein Hamburger), Kultur halt, der Dt. Humor (???), Musik und Oper, und so weiter.
Ohne Anspruch auf Vollständigkeit füge ich hinzu: Mercedes Benz, die Deutsche Bank, die Dialekte und Sprachfärbungen Ostdeutschlands, Kardinal Ratzinger und Bischof Dyba, die schwäbische Sparsamkeit, NeoNaziaufmärsche, McDonalds, Turnvater Jahn, Laptop und Lederhos'n, Hoyerswerda, Franz Beckenbauer und Boris Becker (jaja, Steffi Graf auch!), Pünktlichkeit, die Farben Rot-Gold-Schwarz etc., etc.
CDU-Frau Angie" Angela Merkel, von ihrem Papa Kohl einst das Mädel" genannt, hat zur ganzen Aufregung um die Dt. LK nur ein wenig mit den Kulleraugen gekullert, und die Pausbacken ein wenig aufgebacken. Ihre Minimalmimik ist für mich nicht zu entschlüsseln. Der Heiner Geißler hat sich wie eigentlich oft wiedereinmal korrekt verhalten. Aus Bayern gab es wie für alles Deutsche und Deutschtümelnde/ -dümmelnde Applaus. Und der Rest der Nation schaut sich in der Glotze Championsleague- und UEFA-Cup-Spiele mit Beteiligung von deutschen Mannschaften, deren sogenannte Leistungsträger die beliebtesten Ausländer überhaupt sind., an.
Heute vor 62 Jahren hat in Deutschland der braune Pöbel Synagogen in Brand gesteckt.
2000 11 09 do 19:19 wk alles neu alles neu
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Tschüssss & welcome, sozusagen. Vielleicht hat sich dadurch auch gleich das undurchsichtige doppeltdoppelt-Problem gelöst oder wir haben jetzt ein doppeltesdoppeltdoppeltdoppeltes-Problem. We never know...
PS :
Gestern finde ich hinter dem Scheibenwischer einen Zettel :
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... Schon geschehen !!!
... Gerne, Fr. Krenn ! Ich kenn' da einen ganzen Haufen Leute !
... Aber irgendwie fühle ich mich beobachtet.
... Wenn auch schlecht beobachtet...
... & jetzt ran an die Martinigans !
2000 11 09 do 19:20 gg Ernste Materie: Der John-Bell-Skandal
Zusammenfassung:
In einem Festvortrag an der Universität Wien im Jahre 1987, anlässlich des 100. Geburtstages von Erwin Schrödinger, hat der berühmte Quantenphysiker John Bell den (wörtlich) Skandal" beklagt, dass die sogenannte deBroglie-Bohm-Interpretation" (BBI) der Quantenmechanik nicht in gleichwertiger Weise mit der Kopenhagener Interpretation" behandelt und an den Universitäten gelehrt wird. Im Gegenteil, über Jahrzehnte hinweg, bis zum heutigen Tag, ist die BBI marginalisiert bzw. vollkommen falsch dargestellt worden.
Tatsächlich hat aber John Bell seine eigenen Arbeiten fast ausschließlich den Implikationen rund um die besagte BBI gewidmet. Nun findet in den nächsten Tagen an der Uni Wien ein Symposium mit renommierten Physikern aus aller Welt anlässlich des 10. Todestags von John Bell statt. Dazu wurden Physiker eingeladen, die nachweislich erst jüngst wieder dezidiert falsche Darstellungen der Anliegen der BBI publizierten. Hingegen ist kein einziger Repräsentant der BBI in der Rednerliste angeführt, obwohl die Tagung in Bells Namen abgehalten wird. Der Skandal findet also seine Fortsetzung.
Erläuterungen und weitere Details:
Die Geschichte lässt sich am besten von dem berühmten Artikel ausgehend erläutern, den Einstein, Podolsky und Rosen (EPR) im Jahre 1935 publiziert hatten. Zentrale Themenbereiche ihrer Arbeit waren zwei Begriffe: a) der Begriff der Realität" (sie bezeichnen ein Ereignis als ein Element der Realität", wenn es mit Sicherheit vorhergesagt werden kann: wenn z.B. eine Geldmünze auf der Vorderseite eine 1" und auf der Rückseite einen Adler zeigt, so kann nach einem Münzwurf, der die 1" obenauf liegen lässt, mit Sicherheit vorhergesagt werden, dass auf der Rückseite ein Adler" zu sehen sein wird; d.h., auch der zunächst unbeobachtete Adler" ist dann ein Element der Realität"), und b) ein rein quantenmechanischer Effekt, der heute unter dem Begriff der Nichtlokalität" zusammengefasst wird (metaphorisch übertragen, könnte man sagen, dass die 1" an einem Ort gemessen ohne Verzögerung einen Adler" an einem anderen Ort impliziert, der beliebig weit weg sein kann).
Dieser Nichtlokalität ist (nach de Broglie in den Zwanzigerjahren) David Bohm seit den Fünfzigerjahren nachgegangen. Heute spricht man von der deBroglie-Bohm Interpretation" (BBI) der Quantentheorie, die versucht, mittels sogenannter verborgener Parameter" (welche ihrerseits auf ein das Quanten-Vakuum erfüllendes Medium" hinweisen, das manchmal auch wieder Äther" genannt wird) die nichtlokalen Effekte der Quantentheorie kausal darzustellen. Historisch hat sich aber eine andere Interpretation durchgesetzt, nämlich die sogenannte Kopenhagener": Sie ist nicht daran interessiert, zu ergründen, was hinter" den derzeit bekannten Quanteneffekten liegt, sondern begnügt sich mit dem Formalismus der Quantentheorie, der allein ausreicht, um die unzähligen technologischen Verwertungserfolge stets weiter voranzutreiben. Allerdings zu einem Preis: der Begriff der Realität" wird hinterfragt, und dabei wird viel Spielraum für Mystifikationen eröffnet (Vgl. G.G., Quantenphysik und Irrationalität", im Standard" vom 19.3.1999, oder etwa einen Aufsatz von Mara Beller, At whom are we laughing?" in Physics Today, übersetzt im Vorjahr in der Zeit" erschienen, als Diskussionsbeitrag zu den Science Wars", mit dem Hinweis, dass es oft mystisch/kryptische Aussagen von Quantenphysikern waren/sind, die von postmodernen" Rezipienten aufgenommen und weiterverbreitet werden).
Jedenfalls wurde durch ausreichend dokumentiertes Lobbying über Jahrzehnte hinweg die BBI marginalisiert bzw. explizit falsch dargestellt (auch von führenden Physikern!), der Materialist" Bohm in der McCarthy-Ära sogar (ungerechtfertigterweise) politisch verfolgt, und Vertretern der BBI blieb bis vor einigen Jahren öffentliche Anerkennung (geschweige denn, die Möglichkeit, größere Forschungsgelder aufzutreiben) weitgehend versagt. (Als Lektüre zu Bohm's tragischem Forscher-Dasein empfehle ich F. D. Peat, Infinite Potential. The Life and Times of David Bohm", Addison-Wesley 1997; ausführliches historisches Material, das die Hegemonieansprüche der Kopenhagener" und die Unterdrückung der BBI dokumentiert, findet sich in M. Beller, Quantum Dialogue", Univ. of Chicago Press 1999, oder in J. T. Cushing, Quantum Mechanics. Historical Contingency and the Copenhagen Hegemony", UofChicago Press 1994.)
Die weitgehende Ignoranz der scientific community" gegenüber Bohm und der BBI bildet sogar das Ausgangsmaterial für einen neuen Roman von Rebecca Goldstein: Properties of Light. A Novel of Love, Betrayal and Quantum Physics", Houghton Mifflin 2000 (rezensiert im New York Times Book Review vom 17. 9. 2000).
Kommt es eventuell auf Tagungen heute zu Diskussionen um die Kontroverse zwischen der BBI und Kopenhagen", so hört man sehr oft den Standard-Satzbeginn: Aber die Quantentheorie sagt, dass...", wobei automatisch impliziert wird, dass die Quantentheorie" mit der orthodoxen Sichtweise synonym sei ein klassisches rhetorisches Mittel zur puren Machtausübung, nicht aber zur redlichen wissenschaftlichen Kontroverse.
Letztere findet leider sehr oft überhaupt nicht statt. Dafür wird in einem Anti-Materialismus" geschwelgt, der mit einem mysteriösen Hinterfragen unseres Realitätsbegriffs" (s.o.) gekoppelt wird. Hier macht leider auch Anton Zeilinger, Organisator der Bell-Konferenz an der Uni Wien, keine Ausnahme. Seine weltbekannten Experimente zum Beamen", und eine ganze Reihe anderer (meines Erachtens viel bedeutsamerer) experimenteller Erfolge sind dabei selbstverständlich nicht in der geringsten Weise zu kritisieren; im Gegenteil, man kann als Österreicher stolz sein, dass in unserem kleinen Land derartige Leistungen erbracht werden. Dies hat aber nur sehr wenig mit den privaten weltanschaulichen Positionen zu tun, die von Zeilinger auf spekulativ/interpretativer Ebene, aber medial massiv mittransportiert werden. Dazu gehört unter anderem eine vehemente Ablehnung kausaler Interpretationen wie der BBI. Doch hierzulande waren die Verhältnisse noch nie anders. Der Vorgänger auf Zeilingers Lehrstuhl, Peter Weinzierl, hat (um bloß ein Beispiel zu geben) im Spektrum der Wissenschaft" vom Juni 1995 einen Aufsatz D. Alberts über die BBI heftig kritisiert (in einer Zeit übrigens, in der sich schon ein breiteres Interesse an der BBI unter Physikern etabliert hatte) . Dabei schrieb Weinzierl unter anderem: Meines Erachtens ist selten eine Theorie so eindeutig widerlegt worden wie die von Bohm und darum nur mehr von historischem Interesse. ... Albert erweckt jedoch den Eindruck, diese Theorie stehe immer noch im Mittelpunkt der Diskussion unter Physikern, was sicherlich für 90 Prozent von ihnen nicht zutrifft." Zum Glück war die Redaktion des Spektrum" aufmerksam genug, und antwortete dem ehemaligen Ordinarius des Instituts für Experimentalphysik der Universität Wien in einer nicht unsüffisanten Anmerkung: Entgegen einer verbreiteten Meinung bedeuten die Bellschen Ungleichungen keine Widerlegung der Bohmschen Quantentheorie. Sie schließen jegliche lokale Theorie der Quantenphysik aus, das heißt jede, die den typischen Quanteneffekt der Korrelationen getrennter Messergebnisse als Scheineffekt erklären und auf klassisch-lokale Wirkungen zurückführen möchte. Die Bohmsche Theorie gehört nicht zu ihnen: Sie ist eine explizit nicht-lokale Theorie." [... die Bell erst zu seinen Ungleichungen inspirierte, könnte man noch hinzufügen!] Derartige falschen Unterstellungen gab es immer wieder, von den Fünfziger- bis zu den Neunzigerjahren, aber in neuester Zeit? Nun, da lesen wir in einem (sonst sehr interessanten) Paper von D. Deutsch, A. Ekert und R. Lupacchini über den Weg eines Photons durch ein sogenanntes Interferometer (ähnlich einem Doppelspalt), von dem die BBI gezeigt hat, dass dieser kausal erklärbar ist und trotzdem die richtigen quantenmechanischen Interferenz-Effekte impliziert: Any explanation which assumes that the photon takes exactly one path through the interferometer leads to the conclusion that the two detectors should on average each fire on half the occasions when the experiment is performed. But experiment shows otherwise! [i.e., shows interference effects, meine Hervorhebungen] (Quelle: math.HO/9911150, 19 Nov. 1999) Übrigens: einer der Autoren, A. Ekert, wird auf der Bell-Tagung in Wien vortragen. Ein Beispiel noch: In der Zeitschrift Science" vom 11. 8. 2000 haben D. Kleppner und R. Jackiw vom MIT einen Übersichtsartikel über One Hundred Years of Quantum Physics" publiziert. Darin wird auch kurz auf die Bellschen Ungleichungen und die Möglichkeit von verborgenen Parametern" eingegangen. Die entsprechenden Experimente hätten gemäß den Autoren Folgendes gezeigt: Their collective data came down decisively against the possibility of hidden variables. For most scientists this resolved any doubt about the validity of quantum mechanics." (Angesichts solcher Sätze, in Science", im Jahr 2000, verschlägt es mir manchmal die Sprache!) Übrigens: einer der Autoren, R. Jackiw, wird auf der Bell-Tagung in Wien vortragen. Der Titel der Wiener Tagung lautet Quantum [Un]speakables", in Anspielung an das Buch John Bells, Speakable and Unspeakable in Quantum Mechanics", in dem all seine Aufsätze zum Thema Quantenphysik (und Relativitätstheorie sowie Physik des Äthers") zusammengefasst sind. Mindestens 80% der Artikel befassen sich explizit mit der BBI, implizit ohnehin alle. Wäre die Tagung ganz eng auf die Bellschen Ungleichungen" und ihre technologischen Konsequenzen (hinsichtlich Quantencomputer, -Kryptographie u.s.w.) eingeschränkt, so wäre nichts dagegen zu sagen, dass kein einziger Vertreter der BBI zu Wort kommt. Da aber die Tagung offensichtlich Bells Person und Gesamtwerk anlässlich seines 10. Todestags gewidmet ist, bestätigt die Einladungspolitik der Veranstalter nur zu deutlich die Ignoranz und die geradezu zynischen Machtverhältnisse in der physics community", gegen die John Bell Zeit seines Lebens angekämpft hat. Persönliche Anmerkung: Ich schreibe dies ohne große Illusionen. Die stets engere Verquickung von erfolgreicher Wissenschaft und deren Vermarktung, unter anderem auch im Rahmen eines Wissenschaftsjournalismus, der gegenseitigen Abhängigkeiten unterliegt, macht kritische Positionen (zumal sie ohnehin bloß ein Minderheitenpublikum interessiert) immer weniger möglich. Von Demokratisierung ist hier nichts zu erkennen, ganz im Gegenteil. Ich, für meine Person, bin bloß zufrieden mit meiner Intuition vor mehr als 10 Jahren, dass mein intensives Interesse an der BBI nicht mit einer Universitätskarriere vereinbar ist. (Kurzfristige Auslandsangebote am Londoner King's College oder an der Universität Paris hätten eine Entscheidung nur hinausgezögert.) Nach mehreren Jahren der Zusammenarbeit mit Anton Zeilinger, den ich als Person und als Physiker (aber nicht als Philosoph") nach wie vor sehr schätze, hatte ich mich für einen Brotberuf entschieden, um nebenbei meinen wissenschaftlichen Interessen nachzugehen. (Neuestes Resultat: G.G., Quantum Cybernetics. Toward a Unification of Relativity and Quantum Theory via Circularly Causal Modeling", Springer New York, 2000.) Zu oft hatte ich auf internationalen Tagungen alte Physiker angetroffen, die ihr Leben oft mit zweifelhaftem Erfolg einer bestimmten wissenschaftlichen Problematik geopfert hatten und im Alter eine gewisse verzweifelte Verbissenheit an den Tag legten. Zu solchen Desperados wollte und will ich mich nicht gesellen, wenn ich auch zugeben muß, dass dies manchmal schwer fällt.
2000 11 09 do 19:59 jh Anlage
Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. (A. Marquardt) In unserem Haus 6H66 halbfunktioniert sein ein paar Stunden die Gegensprechanlage. Es läutet auf Klappe 12 sex-mal, dann 1 Mahl länger auf Klape 10, bäumt sich dann noch mit einem leisen Pieps wieder auf Klappe 12 auf und verstummt in den unendlichen Weiten des Kabelsalats. Also. Wenn man alle Teile, die zu einer Gegensprechanlage gehören, also all diese Teile wie 6-polige Kabel, Verbindungen, Strom, Schalter, Einzelanschlüsse usw. zusammenbaut, heißt das noch lange nicht, daß die Anlage tatsächlich funktioniert. Theoretisch kann sie gar nicht auf Klappe 12 läuten, praktisch läutet ES aber. Es sieht so aus, als hätte man in der Rechnung die Kooperation der Fa. Katzbeck mit der Fa. Alcatel vergessen. Es kann so nämlich gar nicht funktionieren, da wk mir plötzlich von seinem neuen Türtelefon (?? ---?) entgegenspricht. »Was bleibt einem denn schon : Liebe & Alk. Und etwas Gutes zu trinken.« (T.I.) Den Rest des Abends widme ich dem Irreality-TV aus dem reichhaltigen Fundus der 20m entfernten Videothek.
2000 11 09 do 22:00 fk modellbau
Morgendlicher Besuch der Modellbauwerkstatt (Brüll); in seinem Hinterhofdurcheinander türmen sich Grossmodelle von den Coop´s und Konsorten. Nächsten Dienstag muß das Baumassenmodell jedenfalls weggeschickt werden.
Der Rest des Tages wird Aufräumungsarbeiten gewidmet.
2000 11 09 do 22:40 jh 9. Nov. 1938
Hierzulande leidet man immer an an systematischer Unterbildung man trifft sich in einem mächtig politischen Gemisch aus Hahn & Henne samt Trabanten bei einem gemütlichen Viertel in Hagenbrunn. In Berlin waren 200.000 Menschen auf der Straße !
2000 11 09 do 22:20 td sonnig
Nach einem 3 1/2 Stunden Gesprächsmarathon an den Gliedern zitternd aus dem Ritter nach Hause gewankt und aus Ermangelung nahrhafter Vorräte gezwungenermaßen auf das Schnitzelland am Eck zurückgreifend. Der Koch: Pute ist gute, aber schon aus." So schauts aus, um Viertel vor zehn im Schnitzelland. Während Koch an einem Surschnitzel herumkocht und eine doppelte Pommes im Cage bruzzzelt lese ich:
GustoFonso: feine Kombination aus Schweine-, Sur-, und Putenfleisch übereinander paniert vorzüglicher Geschmack!
GustoDelikat: g'schmackiges Surschnitzel zwischen zwei Schweineschnitzeln paniert ein Gedicht.
GustoExquisit: doppelt dickes Schweineschnitzel mit herrlich zartem Putenschnitzel gefüllt.
Etwas appettittötend finde ich die Schreibweise mit den entweder zusammengeschriebenen Worten aus Gusto+X bzw. dem großen Buchstaben in der Wortmitte, was mich an DOS-Filenamen erinnert: 8 Zeichen, Punkt, 3 Zeichen Kennung. Also: GustoFonso.exe oder GustoDelikat.gak
Ich gehe mit meinem zart schmelzenden Käse und feinem Schinken gefülltes Schnitzel" (einem optimalen Preis/Leistungsverhältnis) nach hause, dort am Bildschirm plaziere ich die Styroporschachtel und surfe im www.schnitzelhaus.com herum. Den Styropor versuche ich in den überquellenden Mistkübelsack zu quetschen, steige mit einem Fuß auf den Sack, hebe den anderen, das ganze Ding kippt, ich fliege auf den Küchenboden in die Sammlung der geleerten und zum Recyclen sich angehäuften Weinflaschen. Wie eine umgedrehte Schildkröte beobachte ich das Chaos, das ein geplatzer Müllsack eines Stadtbewohners verursacht. Ich kann meine Gliedmaßen bewegen, gedankt sei's dem Steinberggott, schwerer Haushaltsunfall bei Entsorgung von Schnitzellandstyroporbox" geht an uns vorüber. Leichtes Kippgefühl nach vorne. Muß mich beim Tagebuchschreiben an der Schreibtischkante anhalten.
2000 11 09 do 23:46 fb gd hs ein abend mit fb gd hs
der Grappa heisst Gilberto
das Mineralwasser heisst Balance
der Wein heisst Heideboden
der Likör heisst Agrimontana Marron´s
der Sänger heisst R.Kelly
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