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2000 11 08 mi 01:35 ak fernsehlos
Den amerikanischen Wahlkampf verfolge ich momentan mit einer telefonischen Direktverbindung zu gg, da ich zur Zeit fernsehlos bin und morgen in der Früh nicht mit der Hiobsbotschaft Bush" erwachen will. Momentaner Stand: die Redneck-States deuten auf Bush, das gröbere Übel. Aber: anything goes so far. Ich hoffe nur, dass gg durchhält.
2000 11 08 mi 02:08 gg Florida o.k.
Bisher sah alles wie geschmiert aus für Bush, aber Florida hat Gore gewonnen; eine kleine Vorentscheidung?
Jedoch, 10 Minuten später auf CNN: It couldn't be any closer!"
2000 11 08 mi 02:54 gg Pennsylvania o.k.
Erstmals führt Gore bei der Anzahl der Mandatare: Gore 145, Bush 130.
Pennsylvania (nach Michigan, Illinois, und Florida) macht's langsam wirklich aussichtsreich für Gore.
2000 11 08 mi 03:14 gg New York o.k.
Gore Bush: 192 153 bei den Mandataren (Wahlmännern" im ORF); CNN sagt, Bush müßte (da Gore Kalifornien kriegen wird) praktisch alle noch offenen Staaten gewinnen. Hillary hat's geschaft (58% der Frauen haben sie gewählt) und ist Senatorin von NY, das an Gore geht.
Das reicht, die Aussichten sind beruhigend genug, um schlafen gehen zu können.
Was mich zu Ralph Nader bringt, der wahrscheinlich mehr Wahrheiten über die USA und ihr Wahlsystem geäußert hat, als die beiden Großkandidaten zusammen: es war gut, dass er's getan hat. Die Politik bräuchte viel mehr Leute wie ihn.
2000 11 08 mi 11:36 gg wiebitte?
Noch immer keine US-Wahlentscheidung? Florida nicht o.k.? Alle sind verwirrt. Auf CNN sagt die Sprecherin, auf die Aufgeregtheit und Verhirrtheit anspielend: Wait a minute, I think I see something landing there near the state capitol!"
In Summe: Too close to call." The campain must go on...
2000 11 08 mi 11:00 pt Bier Blut Bush
Gestern, 18:15 Uhr. CP ruft an. Er sei auf der verzweifelten Suche nach einer Person, deren Venen morgen früh in einem Labor gründlichst auf verdächtige Substanzen gefilzt werden, und die zudem morgen vollfit sein muß, weil sie eine Steuererklärung machen muß, um mit eben dieser Person auf vier Krügerl und ein Seidl zu gehen. Wer kann da noch nein sagen. Heute früh im Labor wird mir beschieden, daß die Suche nach jenen drei Substanzen, die der krankenkassliche Chefarzt abgelehnt hat (Selen, Quecksilber, Jod), weil Dr. B. keine präzise Diagnose gestellt hatte, da er mir einen 900, Besuch bei ihm ersparen wollte, 1.350, kosten würden. Ich entscheide mich für Selen und Quecksilber (Amalgam!) und löhne 900,. Ansonsten spielen sie in CNN Nichts ist entschieden". 10:19 Uhr MEZ: USA total (96%) 47,123,818 Gore, 47,063,088 Bush; 10:48 Uhr: Florida 2,902,733 Bush, 2,902,509 Gore [!!]; Florida wird neu ausgezählt und ich gehe jetzt Belege zählen.
2000 11 08 mi 11:00 gd High noon
Schon am Boden, aus allen Wunden blutend, rafft sich Al nochmal auf, und richtet seine Waffe erneut gegen George, der im festen Glauben an seinen Sieg, Al schon den Rücken zugedreht hat........
2000 11 08 mi 15:12 gg Strahlende Vergangenheit
Gestern, beim Pulmologen, war ich einerseits sehr beeindruckt von dem Echtzeit-Röntgengerät, andererseits bin ich bei solchen Anlässen immer verunsichert, ob man sich punkto Strahlenbelastung sorgen sollte. Natürlich sind heutige Geräte um Vieles sanfter" als die Strahlenkanonen früherer Zeiten. But you never now.
Den sorglosen Umgang mit Röntgenstrahlen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts dokumentiert übrigens kaum etwas besser als ein Aufsatz in der letzten Ausgabe von Isis" (Vol. 92, Number 2, 2000), dem International Review Devoted to the History of Science and its Cultural Influences". J. Duffin und Ch. R. R. Hayter beschreiben in Baring the Sole. The Rise and Fall of the Shoe-Fitting Fluoroscope" die Geschichte eines Geräts namens Fluoroscope" oder Pedoscope", das seit den Zwanzigerjahren Echtzeit-Beobachtungen der Fußlage beim Anpassen von Schuhen in Schuhgeschäften ermöglichte.
![]() Am Höhepunkt der Karriere des Pedoskpos, anfangs der Fünfzigerjahre, waren etwa 10.000 Maschinen in US-amerikanischen Schuhgeschäften in Verwendung, etwa 1000 in Canada, und 3000 im United Kingdom (dort vertrieben durch die Firma X-Rays Limited", später in Pedoscope Company" umbenannt). Besonders irritierend an dem Aufsatz ist auch die Nachricht, dass insbesondere kleine Kinder häufig (und gerne, na klar!) beim Schuhkaufen ihre kleinen Knöchelchen bestaunten. Dies deckt sich auch mit der Notiz, dass besonders im deutschsprachigen Raum seit Mitte der Zwanzigerjahre sogenannte orthopädische Schuhe" eine Wachstumsbranche ausmachten. Über die Verwendung von Pedoskopen in unseren Breiten sagt der Artikel leider nichts. Dies führt mich aber zu eigenen Kindheitserinnerungen und eine gewisse Gnade der späten Geburt". Ende der Fünfziger- bzw. Anfang der Sechzigerjahre muss wohl das Pedoskop endültig out gewesen sein, doch orthopädische Schuhe" wurden auch mir verpaßt. Ich erinnere mich noch an die eher unangenehme Prozedur bei einem Orthopäden in der Schulerstraße, bei der die Füße eingegipst und dann der Abdruck ziemlich unsanft vom Fuß gezerrt wurde. Naja, wie gesagt, besser als X-Rays.
Was mich wiederum zu einem tagespolitischem Thema bringt, das interessanterweise im tb bisher ausgespart blieb: Temelin. Im Grunde ärgert mich dabei primär das unverantwortliche Verhalten bestimmter Zeitungen sowie Schüssels höchst ungeschicktes handling dieser Angelegenheit. Dabei steht für mich außer Zweifel, dass die Atomtechnologie eine veraltete, unverantwortliche (Tschernobyl) und unwirtschaftliche ist. (Wenn man veraltete Anlagen Jahrtausende lang warten muß, hört sich doch wirklich alles auf. Und Unfälle können einfach nie ausgeschlossen werden ja, auch bei Verwendung anderer Technologien nicht, doch hier ist die potenzielle Devastierung unverhältnismäßig größer.) Dennoch muß ich auch Helmut Rauch zustimmen, der vor zwei Wochen im Profil darauf hingewiesen hat, dass Temelin um Vieles sicherer als etwa Bohunice sei. Die vielen Meldungen über Störfälle" in Temelin sind wirklich lächerliche, medial-aufgeputschte Vorgänge, vergleichbar etwa mit dem Fall, dass ein Flugzeugpilot während des Fluges eine Olive hat fallen lassen, die jetzt irgendwo am Boden herumkullert. Aber österreichische (insbesondere kleinformatige) Zeitungen spielen die Angstkarte und blasen die Problematik bis zu einer veritablen zwischenstaatlichen Krise auf. Eine besonnene Vorgangsweise scheint derzeit außer Sichtweite.
2000 11 08 mi 15:15 wk Heute...
![]() ...mit den Arbeiten am Kruder-Dorfmeister-Buch begonnen.
2000 11 08 mi 16:30 cs Regen, Alltag
Gestern Abend, gegen 7.30, fast eine halbe Stunde auf den PC1 gewartet, bei Nieselregen und starkem Wind; die meisten Mitwartenden haben sich die Zeit mit ihren Handys vertrieben; ruhig stehen sie da und murmeln vor sich hin oder lauschen einfach ihrem Gesprächspartner, begleitet von gelegentlichem Nicken, kleinen Gesten oder einfach einem Lächeln. Dass der Bus nicht kommt, scheint sie nicht zu stören. als wir dann endlich drinsitzen, noch vor der nächsten Haltestelle, Stau, direkt auf der Pont du Garigliano, 8 Minuten Stillstand; schön, dass es gerade 8 Uhr ist, man kann sich wenigstens 10 Minuten lang am stündlichen Funkeln und Blitzen des Eiffelturms in der Ferne erfreuen. Die Heimreise dauert so lange, dass ich unterwegs meinen Plan, mir etwas Gutes zu kochen, aufgebe; zu hungrig und zu spät; beim teuren Marokkaner-Greissler daher nur eine kleine Flasche Wein gekauft, der Ricard ist auch schon leer, also nochmals nicht auf den Preis schauen und dann nach Hause, um die üblichen Spaghetti mit Sugo aus den ohnehin schon überreifen Tomaten, Peperoncino, Knoblauch sind auch noch da zum Glück, zuzubereiten.
Ein Brief ist im Postkasten, von einem Freund, an den ich gerade 5 Minuten vorher einen Brief aufgegeben hatte; viel zu spät (er hat schon 3 geschrieben!), und er rügt mich auch und bittet im ersten Satz, dass ich, wenn ich schon nicht bald oder mittelfristig zurückschreibe, dann doch wenigstens eine Postkarte schicke: Brief erhalten!". Er hat immer das Gefühl, Briefe gehen verloren, und er versichert glaubhaft, dass er nicht gekränkt ist, wenn ich lange nicht antworte aus diesem oder jenem Grund; er schreibt mir sehr gerne und will einfach nur wissen, ob mich seine Post erreicht. Leuchtet ein; daher gleich (noch vor dem Kochen) eine Karte geschrieben: Brief erhalten! . Bei dieser Gelegenheit nachgedacht über das Briefe-Schreiben überhaupt, in Zeiten von mail, handy, Telefon; ich schreibe ja sehr gerne Briefe, nur viel zu selten, irgendwas hält mich oft wochenlang ab, meist ist es nicht ein Zeitmangel, eher dieses ernsthafte, auf Dauer, Aufheben, Wiederlesen angelegte Medium, das so viel verlangt und mich oft dann doch im Gefühl zurücklässt, die Dinge nicht wirklich so geschrieben zu haben, wie ich es meinte oder sagen könnte... Und wenn ich dann aber anfange, höre ich meist erst auf, wenn mir die Finger weh tun. So auch gestern, als ich in dieser melancholischen regnerischen Winternacht dann beschloss, meinem Wiener Freund und WG-Mitbewohner seit 2 Jahrzehnten W.T. zu schreiben (was ich, glaub ich, in der Form seit Jahren nicht getan habe); es wurden 7 oder 8 Blätter und zu meinem Erstaunen flossen Gedanken und Gefühle in die Feder, wie ich sie zu Beginn der Aktion so gar nicht beabsichtigt hatte.
Beflügelt vom Resultat dieses Abends, der bei Sturm und Regen und mit etwas Grant und einem mittelmässigen Essen begonnen hatte, schwang ich mich spät sogar noch zu einem zwar eher flüchtigen, aber notwendigen und doch fast flächendeckenden Wohnungsputz auf! Begleitet von Kid A ging das sehr gut.
Und im übrigen macht mich der Wahnsinn mit dem Rinderwahn hier schon ganz narrisch, heute 6 Seiten in der Libé!
2000 11 08 mi 17:15 jh medi@terra III
Der doppelte Athener Marathon ist geschafft. Zumindest denke ich physisch und geographisch wieder in anderen (kälteren) Regionen mich zu befinden. Da ich ga & wk bereits kaffeetrinkend begegnet bin, mit gg schon telephonisch, während dem Zerkauen einer Magnesium-Kautablette, über die sich selbst überspitzende Wählerstimmen-Oszillation jenseits des großen Teiches paraphrasiert habe und mit fb erfolgreich einen Termin vereinbaren konnte, denke ich (sic!), hier zu sein. Für die Aufarbeitung des medientheoretischen und medienpraktischen Stroboskoplichtes in Athen werde ich noch Tage brauchen. Das Symposion resp. Festivalsprogramm war in etwas riskanter Form zeitlich (09:0002:00 Uhr) und thematisch (Space,
![]() Displacement, Balkan Artscapes, Speed, Education and New Form of Art, Educational Network, evolving environment, Benchmarking on Creative Production) überfrachtet. Parallel dazu gab ES noch Arbeitsgruppen zu einzelnen thematischen Schwerpunkten, ein Video-Art Filmfestival, eine International Art Exhibition mit sehr interessanten Beiträgen, DJ-jammings, Performances, Open source Lounges, Netz- und CD-ROm Projektpräsentationen, fest-recyclings und mitternächtliche events. Inbetween versuchten wir Teilnehmer auch noch miteinander zu kommunizieren und den Rest der Nicht-zeit mit Essen & Trinken zu verbringen. In einer ART Thrill-Seaking, wie lange unsere Physis diesen Zustand durchhält, wählten wir die Kommunikationszeit zwischen 02:0005:00 früh. Angenehme 24 Grad erlaubten den Aufenthalt in diversen Schanigärten und Athen überblickenden Terrassen. Für die Subsysteme Körperpflege, Frühstück und Kleidungswechsel verblieben dann immer noch großzügige 31/2-Stunden, denn pünktlich um 09:00 startete offiziell wieder das Symposion.
In leer drehender paranoischer Selbstbeschleunigung besprengt sich der selbst ernannte Provinzteufel der Politik mit dem Weihwasser öffentlicher Moral und verliert im Schein eines halb-eleganten Moderatoren-Loops seinen dritten Mittelfeldspieler oder war es doch 1 Minister (?). Herrliche TV-Bild-Metapher : im Vordergrund 1 nervöses verbales Tremolo mit Schwenk auf verdreckte Gummistiefel, im Hintergrund die Folgen einer Naturkatastrophe.
2000 11 08 mi 18:18 wk WM 9 + 10 + : ein stinknormaler Mittwoch
Gestern abend : 1. Konzert (siehe unten), 2. mit Hautzinger im »Schluckloch« siehe Franzobel, dort heißt es allerdings, wenn ich mich recht erinnere : »Schlupfwinkel« verabredet. Leider hebt er nicht ab. Ich daher in der exakt 40. Minute ins (3.) Ecklokal & mitten rein in die Massen... Super Sturm !... Apropos : 2000 11 07 di 22:50 ak Juhuuuu! = exakt die 2.000ste Tagebucheintragung des laufenden Jahres !!! Gratuliere ! Das ist schon 1 Runde Tsipero wert ! Zurück : Inmitten der Meute Thurnher gesichtet ! Später doch noch (4.) mit Hautzinger konspiriert.
Prompte email-Anfrage aus der Nachbarschaft : müssen sich neue nachtbarn eigentlich einem eignungstest unterziehen?!? ((Danke by the way für das NACHTBARN)) Bezugnehmend auf die gestern im tb vermeldete Fertigstellung des Gronius-Rauschenbach-Buches noch eine prompte Anfrage aus der Druckerei : Umfang ? Auflage ? Drucktermin ? Warum steht das nicht im tb ?... ((Ganz einfach, liebe Ulli : Weil's noch nicht klar ist !)). Im Tagebuch wird nicht spekuliert (& schon gar nicht gelogen) ! Dort kann nur stehen, was feststeht, also fest steht. Cut. Routinemäßig :
WM 11 06 : Gart Knox : New Life UA | Tristan Murail : C'est un jardin secret, ma sur, ma fiancée, un fontaine close, une source scellée | Klaus Huber : ...Plainte ... für Luigi Nono | Karlheinz Essl : da braccio | Knox, Molinari, Schiske, Musil : »Hommage à Gérad Grisey«; Garth Knox, Viola und Viola d'amore; Ernesto Molinari, Klarinetten; Lukas Schiske, percussion; Wolfgang Musil, Live-Elektronik; Alexander Stankovski & Ernesto Molinari, Improvisationskonzept. Im ersten Teil ein höchst kulinarischer Abend. Neuer Saal, Auftritt Sandler von links hinten : Garth Knox in einem blauen, ausgebeulten Mantel mit Viola d'amore. Zudem noch äußerst familiär". Knox moderiert in unnachahmlicher englischer Manier den Ablauf. So erfahren wir zum Beispiel en passant, warum der Mantel so deformiert ist : rechts ein Verstärker, links ein Verstärker samt Batterien, am Hosengürtel vorne noch zwei delay-Boxen (wie sie Gitarristen sonst mit Füßen treten), Lautsprecher in den Mantel- und in den Hemdtaschen; jede Menge Kabel... Die Viola d'amore, ein Instrument mit 14 Saiten, 7 Spielsaiten (Darmsaiten) oben", darunter 7 Resonanzsaiten (Stahl), getrennt abgenommen und durch verschiedene devices geschickt. Als er allerdings beim Stück von Klaus Huber zu erklären beginnt : die erste Saite ist einen Sechstelton nach unten gestimmt, die zweite Saite einen Sechstelton nach oben, die beiden Saiten zueinander also um einen Drittelton... steige ich aus. Schöne Stücke, alles in allem, stimmungsvolle erste Stunde. Nach der Pause wirds schädeldeckehebend & gänsehäutig-schaurig. Was die Improvisatoren da in den Saal gezaubert haben, Molinari u.a. an der Kontrabassklarinette, Schiske neben einem riesigen equipment u.a. an den steel-drums, war schon vom Feinsten. Nach einer aufregenden halben Stunde läuft die Sache langsam in Stille und totaler Dunkelheit aus (Notbeleuchtung natürlich wir sind ja in Wien...). Sehr lange Nichts.
WM 11 07 : Tristan Murail : La barque mystique | Philippe Hurel : à mesure | Gérard Grisey : Vortex Temporum I, II, III; ensemble recherche; Peter Rundel, Dirigent. Schöne Stücke wahrscheinlich, gutes Ensemble, sowieso. War aber mit dem Kopf ganz woanders & hab nur langsam & mit Mühe reingefunden. Grisey (wie immer) jenseits. # 1 ganz besonders schön, wie's da minimal-artig dahinplätscherte, aber das hat td, neben dem ich an diesem Abend gesessen bin, ja so angekündigt... Umgehend ab der Rest des Abends : siehe oben.
2000 11 08 mi 22:00 fk sc linz-wegscheid
Wettbewerbsabgabe sc (=shopping center) Linz-Wegscheid wurde gestern nacht noch zum Fotofinish. Um ca. 19:00 übersiedeln Armir und ich ins Büro von Roderich Proksch, wo Song bereits probeplottet. Nachdem die layouts überarbeitet, die pcp-files erstellt sind und die Druckaufträge geschickt sind, fängt der plotter zu spinnen an: Schwarz erscheint blau, grün wird rot,...
Und das vier Stunden vor Sendeschluss. Zum Glück erreichen wir Kleinhans in seiner Firma. Song fährt nach hause. Armir und ich per Taxi (... könnten sie etwas schneller fahren...") zu Kleinhans, wo die totale Hektik herrscht: noch ein Linz-Projekt und zwei München-Projekte müssen gleichzeitig bis Mitternacht fertig werden. Seine 5 GB-Fstplatte ist plötzlich auch voll, die gescannten Handskizzen sind auch futsch und müssen neu in die layouts eingebettet werden. Ich kann sowieso nur hilflos zusehen und hoffen, dass Armir Herr der Lage ist. Er ist es; um 23:00 sind die plotts fertig; verpacken, mit dem Taxi zur Post am Fleischmarkt (.. könnten sie etwas schneller fahren"....), dort noch einige augenberingte Architekten getroffen; man lächelt sich müde zu und denkt sich, dass dem seine Projekte gar nicht so gut sein können, wie das eigene. 23:30 Kiang I: Suppe, Bier, Wein, Zigarre. dortselbst Prantl und Alexander Runser, die auch gerade abgegeben haben. Angeblich wurden 150 Ausschreibungen behoben; Alex schätzt, dass 80 Arbeiten eingereicht werden. Nach München, St. Jakobs Platz (EU-weites Verfahren, 274 Einreichungen) ein Klax.
2000 11 08 mi 22:27 as Amerikanisches Affentheater
Eigentlich hatte ich mir vorgenommen den Ausgang der Wahl zum Amerikanischen Präsidenten, dem sog. und vermutlich auch de facto mächtigsten Mann/Menschen dieses Planeten im tb zunächst unkommentiert zu lassen. 03:00 MEZ n-tv: Gore hat Florida gewonnen und ist mit großer Wahrscheinlichkeit President (bon: wenigstens nicht Bush!), 07:00 erfahre ich in der Glotze in einem Morgenmagazin, daß das vermeintliche Ergebnis zurückgenommen wurde, Punkt 8:23 meldet B5-aktuell mit Berufung auf CNN, daß Bush gewonnen hat (ich denke zuerst einen nonverbalen Fluch, dann Pepsi und Coca Cola)! 15:00 höre ich, daß in Florida die Stimmen neu ausgezählt werden müssen (too close to call), beim Wort Wahlmänner" und beim dabbel Ju im Namen George W. B(ush) laufen mir Schauer über den Rücken. Die Sonne blendet mich trotz Sonnenbrille und Sonnenblende im Auto, es tropft aus der Nase. Und erst die Stimmen der Briefwähler! Mit Vergnügen erinnere ich mich an die Hochrechnungen im ORF vor 30 Jahren: Kreide auf Tafel. Und schnell waren sie! 5 Sekunden nach Schließung der Wahllokale war sie schon da, die erste Hochrechnung. Und immer falsch, wie sich freilich immer erst hinterher herausstellte.
Und den Amis gelingt es nicht, 6 Millionen Stimmen in Florida durchzuzählen? Wahl- und Hampelmänner. Im Internet gab es Stimmentauschbörsen: Tausche eine Stimme für Bush in Texas gegen eine Stimme für Nader in Florida (die Wahlmänner!). Der Wahlkampf hat 3 Milliarden Dollar gekostet. Die Knarren wollen sie alle behalten. Was eigentlich ist aus Monica Lewinsky geworden? Hillary ist jetzt auch ein Mann, pardon Gouverneur". America is wonderful. It really makes it. Die deutsche Bundesregierung hat sich zum Antrag für ein Verbot der NPD entschlossen. Wir schreiben das Jahr 2000.
2000 11 08 mi 22:37 fb alles neu
Seit heute mittag bin ich (vorläufig noch) stolzer Besitzer eines Chello-Anschlusses (am privaten iMac also zu Hause). Jetzt weiss ich wieder, wie die Eisenbahn so fährt. Allen tbk sei mitgeteilt:
architektur.berzl@vienna.at
gibts (bald) nicht mehr. Alle mails (also auch das tb) bitte an (den beruflichen G3 also ins Atelier) schicken:
architekturBERZL@compuserve.com
schicken. Private mails (und bitte (an wk!) auch zusätzlich wie bisher den digest) an:
franz.berzl@chello.at
schicken. Eine Übergangsphase ist eingeplant.
Sonst passiert täglich sensationelles es begibt sich der Alltag: längst fällige Zeichnungen fürs Porgy&Bess herstellen, mit Monika im Cafe »Maria Treu« mittagessen (Toast Hawaii !!!), mit Winfried Gruber Planungsbesprechungen (P&B) durchführen, GISquadrat auf die lange Bank schieben (ist schon ganz glatt gewetzt), den Pirker suchen, den Pirker finden und div. Fertigstellungen einmahnen, hs Hustenzuckerln bringen, die Baustelle (P&B) besuchen, den Schlosser fragen, warum er den Rahmen, den er vor zwei Wochen sorgfältigst montiert hat, wieder herausgeschnitten hat (Na i hab ma dacht, der is da im Weg"), mit jh und gg telefonieren & ein homepage-Delegiertentreffen vereinbaren, den Fernseher aufdrehen, Fussball schaun und dabei einschlafen.
2000 11 08 mi 23:15 gd Der Platz an dem ich schreibe
1. Amsterdam, Bicycle Hotel, 23.98.10.00
2. Sacile, Hotel Luna, 14.1021.10.00
3. Bologna, Hotel Atlantic, 22.10.27.10.00
2000 11 08 mi 23:36 ak Morgenstund hat Busch im Mund
Was den Wahlkampfthriller betrifft, hat gg durchgehalten, ich aber habe aufgegeben. Die erste Nachricht, die ich heute morgen vernahm, ließ noch auf Al Gore hoffen. Im Morgenjournal um 07:00 wusste man noch nichts Genaues. Ich bin auch gleich wieder eingeschlafen, bis mich kurz danach der Name Bush" wieder aus dem Schlaf riss. Ob dieser niederschmetternden Nachricht war ich kurz hellwach und erfuhr noch, dass die morgendliche Klassik-Sendung deshalb kurz unterbrochen worden war, um darüber gleich zu berichten. Mit halbem Ohr hörte ich dann noch, wie der Sprecher der Musiksendung mit gedämpfter Stimme meinte: Wir gratulieren George Walker Bush und fragen uns, was wohl auf das gute Europa zukommen wird? Wir schützen uns mit Beethoven." Seine Worte waren ein kleiner Trost.
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