2000 11 05 so 01:00 td hoopla
    iaosdhw8ef87vw87v87ezv87 etc. etc.????????? Manche Beiträge waren schon weniger kryptisch. Wo bin ich jetzt, zeitlich gesehen? – Hatte aufgrund des Umfangs schon die Befürchtung a) daß jetzt auf einmal tatsächlich ALLE schreiben wie b) ich hätte schon wieder was falsch gemacht. (Ad: „Freud" – Konditionierung geschieht auch im Unterbewußten. Übrigens: schönen Gruß an ihn, hs, wenn Du ihn siehst, frage ihn doch, wie man über den Witz aus „Der Witz" lachen können soll.)
    Dr. Knoll bei „Stille" meint: die Länder mit dem Meer als Nachbarn, habens gut. Bei Flut wollen die nur etwa 6 m mehr und geben's dann wieder her. (Gereimt hat er nicht, aber inhaltlich stimmt's.)
     
    2000 11 05 so 02:45 jh medi@terra I
    Nun denn – seit knappen 49 Stunden in Athen, davon ca. ein paar Stunden gedöst, schlafen werde ich erst wieder in Wien können. Ich komme gerade von 1 Gerücht einer Dachterrassen-Poolparty. Erstaunlich wieviele Leute einem Gerücht glauben schenken. Siehe Kapitel Gerücht in Karl Kraus, Die letzten Tage der Menschheit. Wir internationalen Halbtrunkenen haben uns dort zwecks nationaler Volltrunkenheit versammelt.
    111011001110111111011000111100111100111100111001111000011111111. Diese Codierung zeigt eindeutig den Verlauf des Festivals – die Nullen bedeuten Kaffee und Mineral, die Einsen Wein, Ouzo & Bier. So quasi ein der Realität pulsierendes Abbild von notwendigen Gedächtnisplatten, eine Quintessenz, die sich dem Pathos wie von selbst entzieht. Ab in den Pool. 1 Gerücht ?!? :: Anna Moo Moo.
     
    2000 11 05 so 15:45 gg Teufelchen im Apparat
    Habe in meinem neuen Buch, entitled „Quantum Cybernetics", zwei Tippfehler-Teufelchen entdeckt, die sich gerade so neutralisieren, dass man sie auch einfach überlesen könnte (was offensichtlich auch beim mehrmaligen Korrekturlesen geschehen ist). Auf Seite 120, in Gleichung (4.33) fehlt ein „A" im letzten Term, während Gleichung (4.35) ursprünglich eines zuviel besaß (im beigefügten Bild bereits korrigiert). Ab Gleichung (4.36) stimmt dann auch alles wieder, was jemand irritieren könnte, der etwa die (im Buch fehlerhafte) Gleichung (4.35) per se betrachtete. Naja, keine Katastrophe, aber ärgerlich. Immerhin kann ich's jetzt bei einer eventuellen Neuauflage korrigieren.



    Was wohl eine Nicht-Fachperson zu so einer Ansammlung von fremdsinnigen Graphemen sagt? Ich wette, die beeindrucken mächtig. In meiner Zeit in Rom habe ich aber von Germanisten gehört, dass derartige Beeindruckungsmaschinerien auch in anderen (ja, dahingehend zunächst eher unverdächtigen) Disziplinen ablaufen. So sprechen Germanisten etwa tatsächlich vom „Fußnoten-Apparat". Und in Rom, ich schwör's, hab ich einen Germanisten zu einem anderen sagen hören: „Mein Apparat ist aber wesentlich größer als Deiner!"
    So gesehen haben ein paar Teufelchen schon wieder etwas Sympathisches. Anders gesagt: mein Apparat ist zwar nicht perfekt, aber doch irgendwie keck. (Ein Schelm, wer hier einen „Überschmäh" ausmachen will!)
     
    2000 11 05 so 17:47 ak Metaphysik, Liebe, Schmerz, Krieg
    Ein unglaublich spannendes Buch, das ich vor Kurzem verschlungen habe, ist Haruki Murakamis „The Wind-up Bird Chronicle". Das Buch erzählt die Geschichte von Toru Okada, einem arbeitslosen japanischen Durchschnittstypen, der versucht, seine Frau wiederzufinden, die ihm davongelaufen ist. Im Zuge dieser Suche gerät er in immer seltsamere (ans Mystische grenzende) Begebenheiten, die aber in diesem Buch so gut erzählt werden, dass sie mich trotz ihrer Esoterik-Nähe nicht stören. Was das Buch so spannend macht, sind die zwei Parallelgeschichten, die einander, in kurze Kapitel unterteilt, abwechseln. Ein Kapitel hört in der Regel immer dann auf, wenn es besonders spannend wird. Nur mit Mühe gelang es mir, das folgende weiterzulesen und es nicht zu überspringen. Natürlich hatte ich nach dem folgenden Kapitel das gleiche Problem. Es ist geradezu unglaublich, welche Phantasie hier am Werk ist: die wildesten Geschichten lösen einander ab, nie kommt es so, wie man vielleicht erwarten könnte. Wie schon am Cover zu lesen ist: „It takes a baseball bat to the inside of your brain."



    Sprachlich ist es gleichfalls ein Genuss, und auch eine höchst gelungene Übersetzung vom Harvard-Professor Jay Rubin, meine ich.
    Nach diesem Lesegenuss habe ich mich gleich einem weiteren Buch Murakamis zugewendet: „South of the Border, West of the Sun". Aber das war eher eine Enttäuschung. Zentrales Thema sind hier Hajimes Frauengeschichten. Natürlich gab es da eine große Begegnung in seiner Jugend, die er nie vergaß und die er dann wieder trifft. Eine Art Casablanca Remake. Aber leider viel zu machistisch, pathetisch und unrealistisch.
    Noch ein weiteres Buch vom selben Autor wartet darauf, gelesen zu werden: „Hard-Boiled Wonderland and the End of the World". Ich bin schon gespannt, welchem der zwei gelesenen es eher gleicht. gg sagt, es liege qualitativ irgendwo zwischen den beiden genannten, aber „The Wind-up Bird Chronicle" sei unübertroffen. Mal sehen, ob ich ihm zustimmen kann.
     
    2000 11 05 so 19:30 pt Bundesländer TXO BigBrother
    Leopold Schöggl, neugewählter Landesparteichef der steirischen FP, in seiner Dankesrede: „Ich glaube, daß es wichtig ist, nicht nur das Hirn sprechen zu lassen." Guter Ansatz, dachten die Deligierten; rätselhaft blieb ihnen allerdings das „nur".
    Ansonsten habe ich mich nach Enzersfeld zurückgezogen. Denn nun beginnt die hard-core-Phase der Arbeit am neuen Film. Bald schon bin ich in der Dunkelkammer. Das habe ich mit einem ausgiebigen Spaziergang in der Sonne (Satzkeller, Fürstenkeller, Schüllerkeller) und einem Achterl Staubigen beim Franzi gefeiert.
    Heute morgen, vor der Abreise, hat noch wk angerufen. Er nennt mich peutel tier und fordert rabiat die aktuellen Abstimmungsergebnisse von TXO und BigBrother ein. Er hätte durch diesen neu eingerissenen Schlendrian gänzlich den Überblick verloren, und wenn er sich schon den Arsch für den Standard-online aufreisse, wäre es ja wohl nicht zuviel verlangt, etc. etc.
    Well, well, well, nun denn:
    ad TXO (wollte das nicht fb covern?): Chris und Robert wurden mit je 51 Stimmen ex aequo Wochensieger und mußten sich im Hinterzimmer auf einen Rauswurf einigen. Sie haben Silke hinausgeworfen. Was später zu einer weisen Rede der Andrea führte, die den Boys völlig zu Recht vorhielt, daß sie sich wieder mal an der Schwächsten vergriffen hätten, statt jemanden wie das Tiroler Urviech Walter hinauszuhauen, der ohnehin seinen Lebensweg gehen würde und die ganze TXO-Chose gar nicht bräuchte, bzw. nicht mehr länger, aber das hätten sie sich feige nicht getraut. Walter hat während dieser Ansprache extrem blöde dreingeschaut und genickt. Wahrscheinlich hat er sich gerade vorgestellt, wie schön es wäre, jetzt Andrea hinaushauen zu können. Ansonsten wurde zum bereits siebenten Mal dieses unerträgliche und so urösterreichisch wirkende S/M-Ritual durchgespielt, daß die eliminierte Person die eliminierende Person tröstet. Vor allem Robert, der im Hinterzimmer besonders scharf gegen Silke geschossen hatte (Chris hat den Namen „Walter" wenigstens einmal ausgesprochen), zeigte sich besonders verheult. Ich bin wahrlich nicht homophob, aber beim Anblick dieser Fettel möchte ich jedesmal kotzen. Jedenfalls werde ich mir auch in Zukunft TXO nur am Samstag anschauen, um den Hass auf österreichisches Reality-TV aufzufrischen.
    Da geht1s bei den Freunden im Norden schon straighter zu. Die anfänglichen „Wir-sind-ja-so-eine-liebe-Gruppe-und-es-tut-mir-ja-so-leid-aber-es-muß-ja-sein"-Sprüche vor den Nominierungen haben sich aufgehört. Nominiert, und ich gehe heute mal nicht ins Abstimmungsdetail (auf Anfrage direct-mailing), wurden Marion, Hanka und Walter. Persönliche Prognosentrefferquote: 63,17 % (ad gg: E = NICHT A/Bx100, sondern 100/AxB [A: alle Stimmen]). Das Publikum nominierte Hanka mit 39,12%. Es folgte Marion mit 20,84%; Walter kam auf 7,70%. Also könnte man annehmen: Kommenden Samstag geht Hanka. Jedoch! Im BB-homepage-internen Internet-Voting (vgl.: „Die Partei", unter http://www.bigbrother.de) lag in den vergangenen zwei Wochen jeweils Marion mit so ca. 8% hinter Hanka (10–12%) zurück, und heute morgen hatte Hanka gleich mal einen ordentlichen Sprung nach vorne auf Platz 3 gemacht: 18%, gleich hinter Walter mit ebenfalls 18%, sowie Frank mit 19% (Frank, by the way, also mein dark horse, liegt seit ca. zehn Tagen auf Platz 1 des Net-Votings!! Das nur mal am Rande...). Jedenfalls: Wird das Volk seiner Avantgarde folgen? Denkbar wäre das durchaus, denn die völlig vereinsamte Hanka hat so was Wehmütiges gekriegt, was einen Mitleidseffekt mobilisieren könnte, während Marion etwas Trimuphierendes seit ihrer Rückkehr in die WG drauf hat: gar nicht symphatisch, kann ich nur sagen. Mein Tipp: Marion geht zum zweitenmal.
     
    2000 11 05 so 19:55 as BRD/AUT/USA...
    Wenn ein Politiker der CDU, nämlich F. Merz den terminus Deutsche Leitkultur in die sog. Integrationsdiskussion einbringt, dann ist das entweder politische Instinktlosigkeit oder es reflektiert schon die Sicherheit derer, die das Stimmvieh aus der rechten Ecke hinter sich wissen. Und da ist es völlig gleichgültig, daß jetzt in beflissenem talkshow-Geblubber erklärt wird, was Herr Merz damit gemeint habe und was nicht.–
    In Österreich gehört es wohl zu der dort heimischen Absurdität, daß der Rechtspopulist Haider sich mittlerweile in der sog. Spitzelaffäre wechselseitig als Opfer und als großer Aufklärer darstellen kann. Mein Freund Fritz schreibt über die österreichischen Politiker: „Hundsäugige Kreaturen, nichteinmal G. Grosz hätte die Gemeinheit ihrer Gesichtszüge darstellen können!", und: Nenning und Blecha (beide erst kürzlich wieder Väter geworden) marschieren laut betend an der Spitze der Pensionisten.–
    In Amerika steht wiedermal die Wahl zwischen Pepsi und Cola, zwischen Cher (pro Gore) und Bo Derek (pro Busch), also letztendlich zwischen Hollywoodschlampen an.
    Zur Entspannung der gebeutelten Nerven Schlurfen im Englischen, Schlüppen vom Fränkischen und Rheinischen (Garten und Wein). Beim Knastfernsehen folgen jetzt die Tage der Schleimerei, um noch mal, bevor er ganz vergessen ist, mit den Worten des Nominators zu sprechen.
     
    2000 05 11 so 21:45 gl Farben Erde Fleisch Leben
    Heute umschwirren mich die Farben im Norden und im Süden und treffen wie blaue und rote und gelbe Pfeile direkt ins Gehirn. Leuchtende Herbstfarben heißt es da und glücklich stimmender sonniger Tag. Und um halb fünf dann schon Abendstimmung und leuchtender Mond. Alkohol heißt es da. Unruhig pendle ich zwischen Erdgeschoß und erstem Stock. Gedanken müssen gedacht, Texte geschrieben werden. Zuerst einmal werden die Texte zur Verfilmung ausgesucht: der über das Suchen im Sand und der über das unheimliche Haus. Dann Flucht in die Natur. Beim Anblick der fetten, fruchtbaren Komposterde freue ich mich an der Verwesung, Verfaulung, Verschimmelung als perfekte Verwandlung in duftende Wachskraft. Ich werde Rosen anhäufeln, doch der Angstgegner bleibt. Heute abend müssen wir per Antau 10 Herrentaschentücher aus den zusammengefrorenen Fleischstücken lösen und den ganzen Klumpen in die Biotonne stopfen. Manfred löst an, ich stopfe beziehungsweise verstecke unter Blättern und Holzstückchen.
    Allerdings hat das ganze in seiner Monströsität doch etwas Reizvolles.
    Schon lange nicht mehr hat mich Bildproduktion so in eine Rolle als Manipulatorin des Grauslichen versetzt. (Dies ein kleiner Anknüpfungspunkt zu gg´s Gedanken zu eigenen, fremden, gewünschten, eingebildeten Identitäten.) Seit ich mich kenne, streiten in mir die verschiedenen Lebensentwürfe und die Unruhe, zu wenig strategisch zu planen, wird von der Unruhe aufgewogen, durch zu strenge Planung mein spezielles Schicksal zu zerstören, dass sich alles zu meinen Gunsten fügt.
    Apropos cs. Das Foto auf der homepage sagt mir, dass cs für meinen ersten längeren Film „unbeschreiblich weiblich" (mit Ilse Gassinger) ein Interview gegeben hat zum Thema Buben und Mädchen und ihre unterschiedliche Sozialisation. Wenn das stimmt, bin ich gerührt, dass sich so die Kreise schliessen und bleibe bei Variante b, keine zu strenge Planung, sonst gibts keine Überraschungen.
     
    2000 11 05 so 23:23 wk WM 4 + 5 + 6 + 7 + 8
    Früher als erwartet die Seite 1000 des Tagebuchs 2000 (in meinem Ausdruck) erreicht, nämlich heute, & – unerwarteterweise – auch noch exakt mit digest # 1400 ! 1400 Tage Tagebuch ! Gratuliere...
    Wo waren wir stehengeblieben ? Glücklicherweise läutet in der Sekunde dieser entscheidenden Frage das Telefon : pt möchte nicht nach Enzersfeld fahren, ohne sich verabschiedet zu haben (& griechische Stimmungsbilder auszuforschen). Lange über die Verschwendung von Lebenszeit meditiert & zu dem Schluß gekommen : die Lebenszeit muß verschwendet werden ! Man muß brennen wie eine Wunderkerze ! Dem, also der Verschwendung von Lebenszeit, haben wir 10 Minuten lang gefrönt, ehe er doch das Weite suchte... Also : wo waren wir stehengeblieben ? Am 30. Oktober WM mit der Trostformel : 'Keuschnig = entbehrlich' ferngeblieben. Wohingegen ich es am 31. Oktober wie bereits bekannt vorzog, via Enzersfeld Niederösterreich zu bereisen. Das Programm war schließlich wieder entbehrlich. Am 1. November schon wieder in Niederösterreich – womit wir endlich beim Thema wären :
     
    WM 11 01 : Sammlung Essl / Depot 1 / [bracket] # 3 : Gene Coleman : Transcription of the Air | Werner Dafeldecker & Burkhard Stangl : tricolage UA; Gene Coleman, Bassklarinette; Werner Dafeldecker, electronics, e-Bass, Kontrabass; Burkhard Stangl, electronics, Gitarre, Vibraphon. Rammelvoller Saal – 280 Leute ! Beste Stimmung & beste Voraussetzungen. Colemans Stück, nach einer grafischen Partitur, die hinter dem Ensemble an der Wand zu sehen war, plätschert etwas dahin. Dafür umso überraschender die Arbeit der beiden Herren Nachbarn. Als Basis ein Band mit Originalklängen aus verschiedenen Räumen der Sammlung Essl, während des Betriebs aufgenommen, bereits mit musikalischen Elementen angereichert. Dazu das Trio live. Entzückend : Stangl am Vibraphon ! Hab ich noch nie gesehen. Scherz beiseite, es war ein tolles Stück mit beachtlicher Dichte und unwiderstehlichem drive. 30 Minuten Zeitstillstand (aus Zuhörersicht). Unter dem Hut neben mir, etwas undeutlich, etwas wie »Romantik« und »Rückschritt« zu vernehmen – wohin soll das noch führen. Mir hats ausgesprochen gefallen & auch die Richtung stimmt...
     
    WM 11 02 : »Räume« : Wolfgang Suppan : Idyll II | Hugues Dufourt : L'Espace aux ombres | An Schwager Khronos | Alexander Stankovski : Räume I–IV; Klangforum Wien, Johannes Kalitzke; Florian Müller, Klavier; Wolfgang Musil, Klangregie. Bei jedem Festival gibts ups and downs, bei Programmen über längere Zeiträume ganz besonders. Ohne Durchschnitt keine highlights, sozusagen. Aber abgesehen vom an sich schon hohen Niveau des heurigen Programms war an diesem Abend einer der Momente, für den man so manchen lauen Abend in Kauf nimmt – das Stück von Wolfgang Suppan : schlicht großartig ! Das Stück mit tubischem Gelenk (Solo Hannes Haider) und unendlich vielen Details und Feinheiten war schlicht beglückend. Umso unverständlicher die Programmierung des Abends. Auf highlight folgt Absturz. OK. Aber warum gleich so tief ? & die endgültige Auslöschung des suppanschen Glücksgefühls können wir uns gleich selbst zuschreiben. Wir wollen's halt immer genau wissen & gehen nach der Pause auch noch zum 2. Dufourt... Dabei hätte man das ja schon am Titel sehen können... Versöhnlicher Abschluß : Stankovski, der für seine »Räume I–IV« den Erste-Kompositionspreis bekommen hat.
     
    WM 11 03 : Burgtheater, Casino am Schwarzenbergplatz : Olga Neuwirth & Michael Kreihsl : The Long Rain; Klangforum Wien, Peter Rundel & Sebastian Gottschick, Dirigenten; Eva Furrer, Bass-Flöte; Ernesto Molinari, Kontrabass-Klarinette; Rico Gubler, Saxophon; Hannes Haider, Tuba; Peter Böhm, Klangregie; Olga Neuwirth, Komposition; Michael Kreihsl, Film. Unglaublich, wie das Ding da in den Raum gepfercht wurde. Die riesige Konstruktion – drei großformatige Filmleinwände – hat gewirkt wie eine Vorrichtung zur Erweiterung des Raumes. Selbst im alten Burgkino hatte man freiere Sicht von der ersten Reihe aus. Wie dem auch sei. Wir hatten – es ist ja eigentlich großartig, ständig in ausverkauften Neue-Musik-Konzerten herumzuhängen – die besten Plätze nicht erwischt & das trübte das Vergnügen ganz beträchtlich. Wie das Ding wohl in der Waagner-Biro-Halle in Graz gewirkt haben muß ? (Dort gabs zum Ausgleich allerdings noch keine Live-Elektronik, war noch nicht fertig.). Gut. Das set wäre ja toll : Drei Leinwände mit Video-Projektionen (1 Film verteilt auf 3) & Musik rund um das Pubilkum. Der Film selbst, nach einer Kurzgeschichte von Ray Bradbury, in dem auch das Klangforum eingebunden war, hat mir nicht gefallen – ob das ein Zeichen von Entwöhnung ist ? Irgendwie Solaris, irgendwie Tarkovski. Aber irgendwie doch auch wieder nachhaltig, die 50 Minuten Dauerregen. Wenns nach dem Konzert draussen geregnet hätte, hätte ich auch (wie 2 der 3 Protagonisten im Film) durchgedrecht. Hab' ich mir zumindest immer weider gedacht. Die Musik war zumindest teilweise schon sehr gut. Sehr schöne Momente, sehr assoziative Passagen, schöne Flächen, aber alles irritiert durch den Raum...
    WM 11 04 : Gérard Grisey : Les Espaces Acoustiques (Prolog – Périodes – Partiels – Modulations – Transitoires – Epilogue). Radio Symphonieorchester Wien, Pierre-André Valade; Gart Knox, Viola. Auf zum nächsten highlight... & hätt' nicht das RSO gespielt, es wär wahrscheinlich nicht auszuhalten gewesen. Allein der Einstieg mit einem 15-minütigen Solo, Ex-Arditti Gart Knox an der Viola, dann ein riesiger Bogen von kleinem Ensemble bis großem Orchester & ein Gänsehaut-Finale mit einem, ins die volle Bestzung eingebauten Horn-Quartett, die in einem Höllentempo die doch sonst eher behäbigen Geräte bedienten. Grisey = immer gut (auch wenn ich noch gar nicht so viel von ihm kenne)...
    & weiter nach Griechenland, wo ich, ich habe meinen Augen nicht getraut, ak & gg mutterseelenalleine vorgefunden habe – mit Verlaub, es hat ausgesehen wie eine etwas verunglückte Hochzeitstagsfeier. Das glückliche Paar inmitten des Nichts ! Mit vereinten Kräften haben wir die Stimmung dann doch etwas gehoben, wir drei... Cut. So & jetzt wollen wir mal sehen, ob man auch flach liegend schreiben kann. Komme gerade von :
     
    WM 11 05 : Georg Friedrich Haas : in vain; Klangforum Wien, Sylvain Cambreling. 70 Minuten Haas. Ich bin Haas-Fan. Was soll ich noch sagen. Wunderbarer Abend, beglückt ! Na ja, vielleicht ganz zum Schluß, die Passage mit den Tonleitern rauf & runter, na ja... Bernhard G. ist (knapp davor) schon bei dieser „Phill-Niblock-Passage" ausgestiegen. Gleichviel. Tolles Stück (& Spitzen-Ensemble). Applausorkan. Haas = immer gut ! & vor dem Haus mit Renald Deppe noch viel über die auffallende Leere Gmundens & die Postkarte gescherzt.