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SOMMERTHEATER

1 Stück Musiktheater von Joseph Hartmann & Franz Hautzinger

echoraum setzt in seinem experimentellen Forschungszyklus über die Phänomenologie von »Unterhaltungsformen« das Genre »SOMMERTHEATER« radikal und bestimmt in den Titel. Der traditionelle Schauplatz, die Bühne mit ihren scheinbaren Gesetzmäßigkeiten, wird als formaler Parameter beibehalten, was im echoraum, langjährige echoraum-geprüfte Zuschauer wissen das, durchaus nicht selbstverständlich ist. (1)

Für den dramaturgischen Ausgangspunkt wurden Texte aus »De inventione cantus volx. Poetische Grundlagentexte aus der dekonstruktivistischen Frühgeschichte der deutsch-französischen Cohabitation« und »De translatione nursery-rhymes. Von den schwindelerregenden Möglichkeiten referentieller Verirrung im älteren angelsächsischen Liedgut« zusammengestellt. Hierbei handelt es sich um wesentliche Teilabschnitte aus »Gesammelte Werke von Lord Charles« (2) Hrsg. von John Hulme (3). Erweitert wurde dieser Textreigen durch auszugsweise kurze, aber sehr präzise Zitationen aus der reichhaltigen Serie transdisziplinären Forschungsdesigns in der großartigen Edition der Litzelstetter Libellen ZNF (Ziemlich Neue Folge 1 - 13), Abteilung Handbüchlein und Enchiridia (Verlag »Die Libelle« Bottighofen ca 1983 - 1999, oder auch etwas früher bzw. später). (4)

Der Abend, von Werner Korn designed & gestaltet, von Franz Hautzinger, zum ersten Mal im echoraum, komponiert und von Joseph Hartmann inszeniert, verspricht einen amüsant respektlosen Umgang mit abendländischen Mythologien und ambulanter Wissenschaft, frohsinnig absurden Grotesken aus vermeintlich gereimtem & bekanntem Volksliedgut, wie auch die bedachtsame hohe Kunst der Komik der Fußnoten aus sommergetränkten Schweißperlen und sarkastisch überblendeten Melancholien unüberbrückbarer politischer Schlaflosigkeit.
Wir haben weder Mühe noch Fußnoten gescheut, um den ungewöhnlichen Abend »SOMMERTHEATER« für Sie so musikalisch unterhaltungsreich wie möglich zu gestalten.

Durch den konzeptionellen Einzug einer dialogisierten narrativen Darstellungsebene und einer durchkomponierten musikalischen Erzählform entstehen unterhaltende dekontextualisierte zeit- & geistesgegenwärtige Kommunikationsverhältnisse, die sich mit fordernder Unterhaltungsqualität gegen das momentan überall überhand nehmende »bad taste movement«, also der Entübelung des schlechten Geschmacks in diversen Medien, richten.
Dramatische Simultanpräsenz des Komplexen (Entstehung des Volksliedes und der Kinderreime(5)), aufbereitet in Sprache & Musik. Frei nach dem Motto: die rhetorischen Gesten verschiedenster Unterhaltungs- bzw. Darstellungsformen und die kompositorische Akrobatik sommertheatral heiter genießen, während man im Liederhandbuch nach weiteren amüsanten Informationen blättern ...... kann.
»Ich fürchte die Antwort kann nur lauten : Ja.«
(Marcel Reich-Ranicki, - in anderem Zusammenhang)

Equal goes it loose. In diesem Zusammenhang möchten wir Sie auf unsere beschränkte Sitzplatzanzahl und rechtzeitige Kartenreservierung aufmerksam machen.

(1) in »echoraum 1988 -1999«, Luxusausgabe mit Originalabbildungen, gewidmet & signiert, Auflage 6 Stück. Farbkopierte Ausgabe, signiert, Auflage 12 Stück. Wien Dezember 1999. Siehe Beiträge: Andrea Hurton, Mannesmuth gegen Weibestükke, Seite 11, Falter 1988. Gerhard Grössing, Sich in Vorstellungen ergehen, Wien echoraum 1989. Wolfgang Freitag, Mehr ist kaum möglich. Zettels Traum im echoraum. Presse, Dezember 1991. u.v.a.m.
Gerüchteweise hört man über das Auftauchen einzelner Exemplare am Schwarzmarkt. Trotz schweißtreibender Preisgestaltung sollten sie keine Gelegenheit versäumen diese einzigartige Dokumentation der vielschichtigen echoraum Produkte zu erwerben. Versäumen sie auch nicht, sich als Zuschauer im echoraum zu bewerben. Sie können dabei nur gewinnen.

(2) Lord Charles, um 1900, bislang ist es selbst John Hulme nicht gelungen, sein exaktes Geburtsdatum zu bestimmen, begann 1921/22 französ. & englische (Liebes)Verse zu schreiben, die er mit enzyklopäd. Wissen anreicherte, das seiner Passion bzw. Gelehrsamkeit verfügbar war. Beherrschte u.a. die Kunst der Hühnerzucht, des Golfspiels im Speisesaal und die Kunst des Dudelsackspielens und - reparierens.

(3) John Hulme wurde 1933 in Macclesfield, England, geboren. Er besuchte die Kings School in Macclesfield und später Kings College, Cambridge, wo er von 1951 bis 1955 Französisch und Deutsch studierte. Zum Abschluß seiner Ausbildung war er ein Jahr als Englisch-Assistent an einem Gymnasium in Wiesbaden, Deutschland, tätig. An dieser Schule lernte er Susanne Schwarz kennen, eine Zeichenlehrerin, die gerade ein Jahr als Deutsch-Assistentin an einer Schule in London verbracht hatte. Die beiden heirateten im Mai 1957 in Berlin und ließen sich in England nieder, wo John in der Ausbildungsabteilung der Royal Air Force arbeitete. Während der nächsten sechzehn Jahre brachte John´s Beruf das Ehepaar und ihre vier Kinder (drei Töchter und einen Sohn) quer durch England sowie nach Deutschland und Zypern.
1973 verließ John die Air Force, um in der Kommunalregierung zu arbeiten, noch immer als Beamter im Ausbildungsbereich, wo er sich besonders um bedürftige Kinder kümmerte. Er wechselte 1988 frühzeitig in den Ruhestand und verbrachte einige Zeit als Teilzeit-Lehrer für Deutsch an örtlichen Abendschulen, sowie so viele Urlaube wie möglich in der Pfalz. John erlitt im Juli 1997 einen schweren Schlaganfall und starb im September 1999 an einer Herzattacke. Er hinterließ seine Frau, vier Kinder und vier Enkelkinder.

Er schrieb unter anderem folgende Bücher:
Morder Guss Reims (1981)
Die Gesammelten Werke des Lord Charles (1984)
Les ouevres complete de Lord Charles (1984)
Guillaume Chequespierre and the Oise Salon (1985)
1789 and All That (1988)
De Translatione Nursery-Rhymes (1990)
DE INVENTIONE CANTUS volx. (1990)

(4) Litzelstetter Libellen, deren komplette Anschaffung zu empfehlen ist und auch Dich nicht gereuen wird.

(5) Michael Wiesel-Ravezahn, Eine neue Begründung des Kanons der Moderne. Zum Fund der französ. (i.e. westfränkischen) Urtexte deutschen Volksguts. In Vorb. für den Supplementband »Epochenschwelle oder epochale Schwellung?« Marginalien zu einer Wirkungsgeschichte. München 1995.
David Lodge, Moris Zapp, Arthur Kingfisher, What did Herder really find in Windsor? Towards a reinterpretation of the origins of the »Volkslieder-Sammlung«. In: Wege zu Johann Gottfried Herder. Leyden 1988.
Paul de Man, Unlesbarkeit. Kinderverse zwischen priviligiertem Entwurf und rhetorischer Aporie. Columbia Univ. Press 1991.



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