Sprache und Medium: TERRITORIEN.FLIMMERN | DER BAUCH oder EINES TOTEN MORGENS

Dienstag, 28. September 2021 | 20:00 Uhr

Alexandra Sommerfeld: Idee, Darstellerin, Dramaturgie | Daniel Lercher: Kompositon, Live-Elektronik | Daniela Seel: Texte

Werner Schwab: Text, Stimme, E-Gitarre (Aufnahmen aus dem Nachlass) | Günther Rabl: Komposition, Klangregie

TERRITORIEN.FLIMMERN

Alexandra Sommerfeld: Idee, Darstellerin, Dramaturgie | Daniel Lercher: Kompositon, Live-Elektronik | Daniela Seel: Texte

„Ausgehend von einer Recherche über deutschsprachige Autorinnen, die eine Art von körperlichem Schreiben entwickelt haben, bin ich auf Lyrik gestoßen, die förmlich danach schreit, performativ umgesetzt zu werden. Sprache, die im Raum Gestalt annimmt und für den Zuschauer, Zuhörer sinnlich erfahrbar wird – das ist seit vielen Jahren meine Passion. Für dieses Projekt wähle ich Gedichte, Texte aus, die die Grenz-Erfahrung des Körpers im weitesten Sinne thematisieren. Wo und wie lassen wir die Welt auf uns einwirken, wirken wir auf sie ein, verschwimmen die Grenzen … Mit Gedanken, Worten, dem Klang der Sprache berühren im wahrsten Sinne. Dazu habe ich den Komponisten, Musiker, Live-Elektroniker Daniel Lercher eingeladen, gemeinsam mit mir neue Möglichkeiten der Umsetzung von Sprache im Raum auszuloten.“ A.S.

 

DER BAUCH oder EINES TOTEN MORGENS

Werner Schwab: Text, Stimme, E-Gitarre (Aufnahmen aus dem Nachlass) | Günther Rabl: Komposition, Klangregie

Variationen über einen Text und ein Gitarrensolo von Werner Schwab (7-Kanal, 2011/12)

„Im Winter 2010/11 hat mir Vinzenz Schwab den von ihm digitalisierte Nachlass seines Vaters, des Dramatikers Werner Schwab (1958-94) zum Anhören gegeben. Besonders zwei Aufnahmen haben meine Aufmerksamkeit erregt: ein unveröffentlichter Text, den der Autor Anfang der Neunzigerjahre selber auf Cassette gesprochen hat (mit dem Titel ‚Der Bauch‘); und ein Gitarrensolo aus den Siebzigerjahren, ebenfalls auf Cassette. Beide Aufnahmen sind fast auf die Sekunde genau gleich lang.
Der Text ist eine Art Epitaph, oder vielleicht eher eine ‚Standpauke‘ an jemanden, der eines unsinnigen Todes stirbt, nachdem er im Heisshunger eine ganze Stange ‚Zwiebelleberstreichwurst‘ verschlungen hat. Eine fulminante Tirade über das Verhältnis des Bauches zum ‚wütend verdauenden Kopf‘, von Werner Schwab selber ruhig und kunstlos gelesen und auf Cassette aufgenommen.
Das Gitarrensolo dagegen ist ein Bündel an Intensität, alles andere als virtuos, wüst und verzerrt. Der Kontrast dieser beiden, in jeder Hinsicht so unterschiedlichen Ausgangsmaterialien schafft vom ersten Moment an eine Eigendynamik der musikalischen Auseinandersetzung.“ G.R.

 

Fotos der Aufführung (© Werner Korn)