Saitenfalter: auf der Suche danach

Mittwoch, 3. November 2021 | 20:00 Uhr

Carles Muñoz Camarero: Cello | Tobias Pöcksteiner: Kontrabass
Raphael Schuster: Schlagzeug
Gäste: Astrid Wiesinger: Saxophon | Vincent Pongracz: Klarinette

Hört eine Suche zwingend auf, wenn etwas gefunden wurde?
Was, wenn gar nicht klar ist, wonach gesucht wird?
Was, wenn die Suche zum Selbstzweck wird –
Suchen um des Suchens willen?
Dann wird die Lupe zum unermüdlichen Brennglas.
Um genau diese Energie geht es bei Auf der Suche danach.
Denn: Suchen ist immer auch schon Finden. Im Moment des Musizierens verschmelzen die beiden Prozesse, sodass sie nicht mehr klar voneinander unterscheidbar sind.

 

© Stefanie Freynschlag

Die Working Band Saitenfalter erforscht die vermeintliche Grenze zwischen konzeptuellem Denken und spontanem Agieren mit besonderer Vorliebe für unausgetretene Pfade. Die Rollen des gesamten Bandgefüges wie auch die der individuellen Instrumente und Persönlichkeiten werden ständig hinterfragt, was neben den klanglichen Möglichkeiten auch ein Umdenken in Bezug auf Begleit- und Solo-Funktion mit sich bringt. Durch die gemeinsam gesammelte Bühnenerfahrung hat sich beim Spielen eine intuitive Leichtigkeit entwickelt, die es ermöglicht, den einzelnen Charakteren genügend Raum zu geben und trotzdem als integrative Einheit in großen Bögen zu agieren.

Im Dunstkreis des Instituts für Jazz und improvisierte Musik der Bruckneruni Linz formierte sich die Band 2017 ursprünglich als Quartett, mit Margit Gruber an der Geige. Auf Basis von freien Improvisationen, eigensinnigen Covers und vereinzelten Eigenkompositionen etablierte sich bald ein kreativer Fluss, der über die Jahre einen sehr eigenständigen Bandsound herausbildete. Mittlerweile haben sich die Covers verflüchtigt, es stehen nunmehr improvisierte Stücke und solche aus eigener Feder im Mittelpunkt.

Der Klangkörper bestehend aus Cello, Kontrabass und Schlagzeug ist fremd und vertraut zugleich; er versteht sich als vielgestaltes Wesen, das sich seiner noch wenig abgedroschenen Möglichkeiten erfreut. Das von allen Seiten gegebene Interesse an nicht-konventionellem Umgang mit den Instrumenten (in Form von Klang-Tüfteleien, extended techniques, Entfremdung) kommt dem ebenso entgegen wie die unterschiedlichen musikalischen Hintergründe der drei. So haben zeitgenössischer Jazz, Pop und Rock ebenso Einfluss auf die Ästhetik der Band wie traditionelle ethnische Musik, Alte Musik und Neue Musik.

Im Rahmen der Konzertreihe „Brennkammer“ (Strenge Kammer, Porgy & Bess Wien) im Jahr 2019 lud die Band für drei Abende in Folge jeweils eine Gastmusikerin/einen Gastmusiker ein, um mit ihm/ihr improvisierend den Abend zu gestalten. Auf die bereits aufeinander eingespielte Band traf also eine relativ fremde Person, wodurch einerseits das gewohnte Gefüge bestehen blieb, andererseits aber um eine Unbekannte erweitert wurde, die zudem das Klangbild anders färbte. Da dies so gut funktionierte, war es naheliegend, für das Debut-Album ebenfalls Gastmusiker*innen einzuladen. So werden Astrid Wiesinger (Sopran- und Altsaxofon) sowie Vincent Pongracz (Klarinette) sowohl bei einigen Kompositionen wie auch bei den „catches“ (spontane improvisierte Stimmungen) gefeatured. Auf dem Album ist die gesamte Bandbreite von offener, improvisierter Form bis hin zu klar konzipierter Struktur vertreten, wobei sie gleichermaßen fließend ineinander übergehen oder collagen-artig aneinandergereiht sein können.