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für Klavier entstand 1990 und knüpft formal und thematisch an das Epos Sais-tu si nous sommes encore loin de la mer? (Weißt du, ob wir noch weit vom Meer entfernt sind?) des französischen Dichters und Romanschriftstellers Claude Roy (1915 - 1987) an. In dem Text geht es um den Lauf des Wassers, das dem Meer zustrebt, ohne vom Meer zu wissen, - aber auch um den Menschen, der - eingebunden in den Kreislauf der Natur - unterwegs ist. Es ist ein Versuch, Zeit und Vergänglichkeit als Übergang zum Bewusstsein von der Gleichzeitigkeit und ewigen Wiederkehr der Ereignisse zu deuten. Grundideen der musikalischen bzw. kompositorischen Transformation dieser Gedanken sind einerseits exzessive Tonwiederholungen und eine dem zyklischen Denken verpflichtete Form: Dem von Roy beschriebenen Jahreszyklus der zwölf Monate entspricht im Stück die Rückkehr an den Ausgangspunkt - der Schluss fließt gewissermaßen in den Neubeginn des Ganzen über. Obwohl zwölftönig konzipiert, wird auf reihentechnische Verarbeitung verzichtet. Und obwohl zwölfteilig konzipiert, ergaben sich fünf Abschnitte, die wie folgt überschrieben sein könnten: 1. das Ich, 2. die Gedanken, 3. das Andere, 4. Wir, 5. das Gedächtnis. |
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Wolfgang Seierl 1955 in Wien geboren, Studien an der Akademie der bildenden Künste in Wien, an der Universität Wien, an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien, und an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst „Mozarteum“ in Salzburg Studien- und Arbeitsaufenthalte in Berlin, Paris, New York, Budapest, Krakau, Virginia/USA, Frankfurt, Warschau, Varanasi/India, Nishinomiya/Japan |