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Lesungen Frank Schulz

2. Mai 2007 Beginn 20:00 Uhr
3. Mai 2007 Beginn 20:00 Uhr


schulz im echoraum

Frank Schulz liest aus allen drei Teilen der »Hagener Trilogie« :
1.
Kolks blonde Bräute
2.
Morbus Fonticuli
oder Die Sehnsucht des Laien
3.
Das Ouzo-Orakel

Frank Schulz,

geboren 1957 in Hagen bei Stade,
lebt als freier Autor in Hamburg.
1991 erschien sein erster Roman:
Kolks blonde Bräute,
der erste Teil der Hagener Trilogie.
Elf Jahre später folgte 2002 - nach und
mit bewegter Editionsgeschichte -
Morbus fonticuli
oder Die Sehnsucht des Laien.
Frank Schulz bekam im Laufe seines
Lebens einige Stipendien zugesprochen
und noch viel zu wenige Literaturpreise,
u.a. den Literaturpreis des Landes
Niedersachsen und den
Hubert-Fichte-Preis der Stadt Hamburg.

„Sehnsucht, so, das weiß ich noch genau“,
begann Theo „ist schlimmste Sucht, die gibt.
Kriegst du niemals weg. Wirst du nie geheilt davon.“
(Das Ouzo-Orakel)

Nach schwerer psychischer Erkrankung und längerem Aufenthalt in einem fränkischen Sanatorium hat sich Bodo Morten nach Griechenland abgesetzt, genauer gesagt nach Kouphala, einem halbtouristisierten Fischerdorf am Ionischen Meer. Seit nunmehr vier Jahren führt er dort in einem Häuschen auf einem Felshang ein asketisches Leben - direkt oberhalb jener Bucht, die vor Jahrtausenden Schauplatz des Kampfes zwischen Odysseus und dem Kyklopen gewesen sein soll. So vergegenwärtigt es sich Bodo jedenfalls allmorgendlich, wenn er in die Bucht hinabsteigt, um dort seine täglichen Schwimmübungen zu absolvieren, die der Auftakt zu einem disziplinierten, mittels Stundenplan penibel geregelten und vor allem einsamen Tagewerk sind: Lektürestunden (Homer), Recherche (Astrologie, Mythologie, Parapsychologie), Meditation (alternativ auch: Gymnastik), Griechisch-Unterricht (Vokabel!) und Dichten.
Einziges geselliges Vergnügen in dem mönchischen Programm sind die allabendliche Boots-Überfahrt und der Besuch der Taverna Plaka, die freilich ebenso strengen Grundsätzen wie sein sonstiges Leben in der Hütte unterliegen: kein Nikotin, kein Alkohol und vor allem keine Frauen („Linksknöpfer“)!
In der Taverna Plaka kommen alle zusammen: die griechischen Ureinwohner von Kouphala, Touristen und die eingeschworene Gemeinde der deutschen Alltagsflüchtlinge. Spyros der Ältere und sein Enkel Spyros der Jüngere, in dessen Grübchen sich die Touristinnen reihenweise verlieren, der zahnlückige Bauer Kosta brava und der prächtige Barmann Sotiris. Deutsche Dauerflüchtlinge wie Bodo oder Ex-Schlagersänger Ingo, die sich in Griechenland niedergelassen haben und Kurzzeitflüchtlinge wie Bodos Bekannte, die stolze Karin und die gütige Manu aus Hamburg - oder Zen-Sven aus Berlin, dessen esoterische Vorträge über Sternzeichen, außersinnliche Wahrnehmung oder Lichtnahrung allseits gefürchtet sind: „Die Gurus in Indien konnten dit, aba jab's ooch im Westen. Die heilje Therese von Dingens, Name ha'ck vajessen jetze, die zum Beispiel jedenfalls hat jahrelang nüscht anderit jegessen als eene Hostje teeglich“. Bodo findet sie herrlich, die Abende in der Taverna Plaka, mit dem gegrillten Fisch, den Wortgefechten, dem griechischen und gräcogermanischen Gesang und Ouzo für die anderen. Doch das beste daran ist die Gewißheit, daß er den nächsten Morgen mit Schwimmübungen und in Seelenruhe in der Odysseus-Bucht beginnen wird.

Doch dann taucht eines Abends Monika Freymuth in der Taverna Plaka auf, eine Frau, die Bodo Morton von der ersten Sekunde an zugleich fasziniert und abstößt. Und die ihn auf seltsame Weise an jemanden erinnert: Tatsächlich stellt sich heraus, daß Monika Bodos erste Jugendliebe war - seine Schützenprinzessin aus Beeckdörp. Gut einunddreißig Jahre ist das her, weshalb Bodo sie nicht gleich erkennt - dann aber umso heftiger.
Monika hat es auf der Suche nach ihrem Ehemann, der wegen einer Ehekrise nach Griechenland geflohen war, ans Mittelmeer verschlagen. Wahrscheinlich befindet er sich im Nachbarort. Monika geht in Kouphala in Lauerstellung. Und Bodo nimmt die Rolle des Therapeuten und Intimus, der Monika mit gutem Rat aus ihren Eheproblemen und zu sich selbst zurück verhelfen will, nur zu gerne an. Zu spät jedoch bemerkt er, daß er, der den Linksknöpfern auf immer abgeschworen hatte, ihnen nun erneut anheimzufallen droht. Sein Leben gerät aus den Fugen - und selbst der fast unfehlbare, dreistufige Alarmplan, den er sich vorsorglich zurechtgelegt hat, greift nicht richtig.
In seiner Not wendet sich Bodo Morten an Theo, das Ouzo-Orakel, einen im Campingbus auf einem Berggipfel lebenden Einsiedler, bei dem auch die Einheimischen Rat suchen, wenn sie nicht mehr weiter wissen. Bewaffnet mit einer Fünf-Liter-Bombe Ouzo macht sich Bodo auf in die Berge ...

Das Ouzo-Orakel ist erzkomisch, bacchantisch, verklemmt, verzweifelt und hemmungslos sentimental. Wie zumeist bei Frank Schulz geht es um Sucht, Suff und Sehnsucht, um die Tyrannei der Drüsen, die Schrecken des Rückfalls und das richtige Leben im falschen. Grandios beherrscht Schulz die Klaviatur der verschiedensten Sozio-, Dia- und Natiolekte (nebst dazugehöriger Mentalitäten), die Sprache des verräterischen Details und die Kunst der penetranten Wiederholung. Ein Roman voller Leben und Leere, voll asketischer Trolle, Linksknöpfer, Homer, Dalaras und Ouzo.

gr
 
Frank Schulz
Das Ouzo-Orakel
Roman
Eichborn Berlin
545 Seiten, gebunden mit Lesebändchen
Covermotiv von Wolfgang Herrndorf
24,50 Euro (D) / sFr 43,90 / 25,60 Euro (A)
ISBN 3-8218-0729-6

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