Mit Salon 13 startet der echoraum eine neue Veranstaltungsreihe, in der an jeweils einem Abend Musik, Literatur, bildende Kunst, Film und andere Disziplinen gemeinsam vorgestellt werden sollen. Salon 13 - konzipiert und programmiert von Lisa Spalt und Clemens Gadenstätter - wird im Jahr 2000 sechs Abende umfassen.
Die Programmatik von Salon 13 versucht einerseits, einigen Parallelstrategien in den verschiedenen Kunstsparten nachzuspüren, andererseits sollen aber vor allem Arbeiten präsentiert werden, die an Stelle eines einzigen "Sinnes" im festgefügten Weltbild den Möglichkeits-Sinn auszuloten suchen, ohne in die Beliebigkeit des "anything goes" zu verfallen. Möglichkeiten der Weltsicht, Möglichkeiten der verschiedenen Blickwinkel auf die dem jeweiligen Medium eigenen Mittel, Möglichkeiten des ständigen Wechsels zwischen künstlerischen Bewältigungsstrategien von sogenannter "Realität" ...etc., bei gleichzeitig stringenter Gesamtkonzeption.
Zusätzlich zu den Lesungen, Konzerten, Ausstellungen und Filmvorführungen wird es von den beteiligten Künstlerinnen und Künstlern kurze poetologische Statements mittels Video geben, die der special guest des Abends aufnehmen und zur Diskussion stellen wird. Physik, Psychologie, Philosophie und andere wissenschaftliche Disziplinen sollen so mit der künstlerischen Produktion in einen Dialog treten können, von dem hoffentlich beide Seiten, vor allem aber das in die Diskussion eingebundene Publikum profitieren werden.
Kalender
13. Jänner 2000
Aus der neuen Schrift der alten Welt
13. Februar 2000 Vom Schaukeln
zum Schwindeln
13. April 2000
Freie Radikale - kritisches Gleichgewicht
13. Mai 2000
Die Frage nach der Rolle der Zeit beim Zweidimensionalen im Raum
13. September 2000 Das falsche Obst am rechten Platz
13. Oktober 2000 Doubluren
und Doubletten
Bernhard Lang :
Schrift 1 für Flöte solo, 1996, 9'
Schrift 2 für Violoncello solo, 1996, 12'
Schrift 3 für Akkordeon solo, 1998, 15'
Grundkonzeption ist die Idee des Schriftzuges, ununterbrochene Linie persönlicher Signatur, welche sich in ihrer Konkretisierung an die Bestimmtheiten vergangener, längst nicht mehr integrer Ordnungen erinnert. Der Schriftpunkt entsteht so in einem erinnernden Nachwirken determinierter Schrift und dem lauschenden Voraussehen der zukünftigen Zeichen, die sich im Vorgang des Schreibens selbst, aus einer autogenerativen Grammatik sozusagen entbergen. Federimprovisationen, Phantasien von leeren Räumen, die allein durch Struktur bestimmt sind. So gesehen sind es Schriften jenseits der Entzifferung, vergessene Schriften, geträumte Schriftzeichen, die sich im Erklingen vielleicht selbst auslegen.
Erzeugt "improvisierend" Notiertes Wiederholbarkeit? Die Grenzen der Notierbarkeit, die Grenzen der Nachspielbarkeit von Improvisation, Fehlerquelle oder Kommunikationsmedium Notation? Und natürlich: composed music meets improvisation, etc. Die Struktur der musikalischen Erinnerung, in deren Netz die Ausführenden sich nichtsdestotrotz zurechtfinden werden: musique automatique.
Bernhard Lang
Fotos : Guy Fleming
Dieter Sperl
liest aus seinem Text "wenn die landschaft aufhört".
Spontan niedergeschriebene Beobachtungen (die handschriftliche Fassung
analysiert unser special guest Elisabeth Charkow, Graphologin), nur spärlich
redigiert. Durch die Direktkoppelung von Wahrnehmungsinput und Schriftoutput
zeigt sich an der Nahtstelle die spontan einbrechende Ordnungsarbeit Dieter
Sperls :
"die strasse ist leer noch zehn mal atmen heute bevölkern wölfe
und fische
diese sinne da inmitten eines dichten waldes folgt man den spuren bleibt
man stehen folgt man den spuren".
Oft verliert sich im derart festgeschriebenen Datenstrom die Orientierung:
wer geht in die Hügel (die Landschaft, sie)? Paradoxa, Gemeinplätze,
Sprichwörter,
Redewendungen und Alltagsweisheiten blitzen auf und färben auf
das jeweils nächstens aufgerufene Ordnungsmenü ab. Dieter Sperl
bringt seine Waffen mit. Auch wir wissen nicht, was das heißt. Ein
Tisch wird reserviert für seine außerirdischen Freunde, daher
beschränktes Platzangebot!
Dieter Sperl
Foto : Andrea Lumplecker
Lewis Klahr : her fragrant emulsion
Huldigung an den Filmstar Mimsy Farmer aus den 60ern. Strip-Collage-Technik.
Zerschnipselte Filmstücke auf transparenten Glasfilm montiert. Recycling
von bereits Festgehaltenem, das auf seine Festgehaltenheit verweist, indem
die Streifen als Medium noch erkennbar sind. Doppelt festschreiben statt
Doppelbelichtung.
Dominique Evrard
Fotos : Dominique Evrard
Fotografien, die die Gegend zu einer perspektivisch oft verwirrenden Kompilation von verschiedenen Graustufenebenen zusammenklappen. Finden von Strukturen im Zufälligen. Zur Arbeitsweise: Dominique Evrard wählt aus tausenden von "Schnappschüssen" die wenigen Fotografien aus, die ihm gelungen erscheinen, daher eine Art spontanes Festhalten der Umwelt (niemals Menschen!), das nur durch die Auswahl bearbeitet wird.