Natur
Musik Klang
ensemble on_line vienna:
Sylvie Lacroix, Flöten
Mathilde Hoursiangou, Klavier
Florian Bogner, Elektronik
Alexander Stankovski, Sampler
Das Projekt Natur Musik Klang thematisiert das Verhältnis von Musik und Natur auf vielfältige Weise: Evokation von Natur durch ein Musikinstrument, Gegenüberstellung und Fusion natürlicher und künstlicher Klänge, Verpflanzung des Instrumentalklanges in die Natur und umgekehrt des Naturklanges in den Konzertsaal, inszenierte Naturhaftigkeit instrumentaler und elektronischer Klänge.
Programm :
Sylvie Lacroix/Florian Bogner/Alexander Stankovski
Etudes sur la mer UA
Jean-Claude Risset
SUD
- Pause -
Olivier Messiaen
L´Alouette Calandrelle
(aus dem Catalogue d´Oiseaux)
Lacroix/Bogner/Stankovski
Landschaft mit Flöte UA
Vor und nach dem Konzert sowie in der Pause zu sehen:
Lillian Schwartz: Reflections (Video zum ersten Teil von Jean-Claude
Rissets SUD)
In Etudes sur la mer, einer Gemeinschaftsarbeit der Flötistin Sylvie
Lacroix, des Elektroakustikers Florian Bogner und des Komponisten Alexander
Stankovski, wird eine möglichst detailgenaue Nachbildung natürlicher
Klänge durch instrumentale und elektronische Mittel versucht. Aufgenommene
Meeresgeräusche werden "abgepaust" die artifizielle Imitation teilweise
wieder mit den originalen Klängen konfrontiert. Es ergeben sich verschiedene
Grade der Stilisierung von Naturklang.
Jean-Claude Risset geht in seiner Tonbandkomposition Sud einerseits
von Naturaufnahmen (Meer, Vögel, Insekten), andererseits von instrumentalen
(wood chimes, metal chimes, Klavier) bzw. am Computer synthetisierten
Klängen aus. Diese werden zunächst getrennt vorgestellt,
verschiedenen Transformationen wie Filterung, Modulation oder Verhallung
unterzogen und im Laufe der drei Teile des Stückes miteinander verschmolzen,
indem einem Klang
der Verlauf eines anderen "eingepflanzt" wird. Die so entstehenden
Klanghybride - z.B. künstliche Insekten und Vögel oder nach Tonhöhen
gestimmtes Meeresrauschen - sind ebenso paradox wie faszinierend: sie realisieren
das Unmögliche.
Das Stück ist 1984/85 am Pariser GRM (Groupe de Recherches Musicales),
der Geburtsstätte der "musique concréte", entstanden.
Olivier Messiaens 7-bändiger Catalogue d´Oiseaux (1956-58)
ist ein Standardwerk der Klavierliteratur nach 1945. Vogelstimmen aus verschiedenen
Regionen Frankreichs wurden transkribiert und die sie umgebenden Landschaften
musikalisch chiffriert. Es entstanden musikalische Porträts "nach
der Natur", beeindruckend ebenso durch ihre Akribie - Messiaen bezeichnet
genauestens jede einzelne Vogelart in der Partitur - wie durch ihre scheinbar
naive Metaphorik, mit der Naturvorgänge und Empfindungen in Musik
übersetzt sind.
L´Alouette Calandrelle repräsentiert einen Julitag in der
Provence anhand der dort zu hörenden Vogelstimmen: Solist des Stückes
ist die Lerche, die zur Mittagszeit abwechselnd mit einem Zikandenchor,
einem Turmfalken und einer Wachtel sowie im Duett mit einer anderen Lerche
zu hören ist, am Nachmittag nur mehr allein die Stille bevölkert,
bevor sie sich am Abend jubilierend in die Lüfte erhebt. Die beiden
Anfangsakkorde stehen für Hitze und Einsamkeit der steinigen Landschaft
des Rhônedeltas.
Landschaft mit Flöte zeigt verschiedene Stadien der Annäherung
und der Entfernung zwischen dem Klang live gespielter Flöten, aufgenommenen
Naturgeräuschen und elektronisch bearbeiteten Klängen. Der erste
Teil besteht aus vier Abschnitten: im ersten ist die Flöte vollständig
in die natürliche Umgebung integriert, im zweiten wird die Dominanz
des Naturklangs durch Stille und die sich emanzipierende Flöte aufgehoben,
der dritte ist der Konfrontation von instrumentalem und elektronisch verfremdetem
Instrumentalklang vorbehalten, während der vierte alle drei Ebenen
zu einer
Synthese zur führen versucht.
Der zweite Teil ist als ein groüer Prozeß der Verdichtung
konzipiert. Ausgehend von unverfremdetem Natur- und Instrumentalklang wird
die Textur unmerklich dichter und gleichzeitig repetitiver, bis sie am
Schluß durch immer kürzere loops vollkommen denaturiert erscheint.
Die Flöte wird in dieser zunehmend "unmenschlichen" Umgebung ertränkt.
ensemble on_line vienna
Das ensemble on_line vienna wurde 1991 mit dem Ziel gegründet,
zeitgenössische Musik auf unkonventionelle und neuartige Art aufzuführen.
Unter der künstlerischen Leitung von Simeon Pironkoff hat sich das
Ensemble sowohl mit unzähligen Aufführungen von Werken der wichtigsten
Komponisten der Gegenwart etabliert, als auch sich vermehrt der jüngeren
Komponistenszene Österreichs gewidmet. So besteht schon seit einigen
Jahren eine kontinuierliche Zusammenarbeit mit der Komponistengruppe Gegenklang.
In den verschiedensten, auch kammermusikalischen Besetzungen hat das ensemble
on_line vienna seit seiner Gründung 119 Uraufführungen realisiert.
In den letzten Jahren wurde ein besonderer Akzent auf die Konzeption
von Konzerten mit thematischen Schwerpunkten gelegt. Herausragend waren
dabei von Beginn an diverse experimentelle Vermittlungsformen sowie programmatische
Leitfäden, die eine groüe stilistische Vielfalt zulassen. SchauspielerInnen,
VideokünstlerInnen und SchriftstellerInnen schufen eine konzeptionelle
Einbettung, dessen Fokus aber immer die Musik blieb.
Seit Mitte der 90er Jahre ist das Ensemble mit Auftritten in den wichtigsten
Häusern und renommiertesten Festivals in Österreich (Musikverein
Wien, im Wiener Konzerthaus bei Wien Modern und generator, Klangbogen Wien,
Radiokulturhaus, Porgy & Bess, Salzburger Festspiele) und im Ausland
präsent (die letzten Stationen waren Bulgarien, Polen, Deutschland,
Italien und Frankreich).
5. Oktober 2OO4 2O.OO Uhr
echoraum