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FIGURE / ICONOSONICS 1

Bildhaftes und Bild-gewordenes Klanggeschehen, Klangfiguren, Übertragungen von gestischem Geschehen ins Akustische, mimetische Nachahmungen im Akustischen von Ereignissen die uns widerfahren, von Gegebenheiten unseres Körpers, unserer Umwelt, Dingen, die unsere Vorstellungswelt beherrschen: die Musik und das Hören sind geprägt von diesen schon längst sedimentierten „Klangbildern”/Klangfiguren/ICONOSONICS). Es existiert eine kulturelle Prägung, die mehr oder weniger fixierte Gestalten bereithält für Naturereignisse (Donner, Wasserfall, Regen, Blitz ...), für Körperbewegungen (atmen, laufen, springen ...), für psychische Regungen und deren Ausdruck (Sehnsucht, Trauer, seufzen, weinen, lachen ...) und viele andere Ereignisse unserer „Welt” mehr.
Ich gehe weiters davon aus, dass unser Hören und auch das Erleben von Gehörtem (also die affektive, emphatische Einordnung der gehörten Informationen) direkt verbunden ist mit Erfahrungen, die sich als „Körper-Mimesen” in uns sedimentiert haben. Tiefe Frequenzen, hohe Frequenzen, aufsteigende oder absteigende Bewegungen, rhythmische Muster: Sie alle sind im Erleben verbunden mit Erfahrungen, die unser Körper (auch unser vorgestellter Körper) mimetisch nachvollziehen kann. Wir erleben solches zuerst gekoppelt mit bestimmten vorgefertigten Qualitäten: Tief wird dunkel, hoch wird hell, aufsteigend wird z.B. „freudig”, absteigend „resignierend” oder gar mit dem Tod verbunden, rhythmisches wird z.B. mit Tanzen gekoppelt und dann auch als eine Form davon erlebt, erlebend nachvollzogen.
Um jetzt diesen Vorprägungen in einem ersten Schritt auf die Spur zu kommen, sollen sie Zusammenhangs-bildend werden: Und das nicht in der tradierten narrativen Form (als Programmmusik also), sondern in Kontextbildungen, die geeignet sind, diesen Figuren ihrer präfixierten Bedeutung zu entledigen. Durch qualitative, aufs akustische, rein klangliche bezogene Kontextualisierungen kann dies ebenso erreicht werden wie durch Strapazieren der semantischen und mimetischen Schicht.
Ihre Form des Bedeutens wird zum Ordnungskriterium: Es werden Klangfiguren so einander zugeordnet, dass Bedeutung durch „Ausstellen” analysiert wird.
Kontexte von „Klangfiguren, die der Natur zugeordnet sind”, „Klangfiguren die dem Körper zugeordnet sind”, solche, die „der Psyche beigeordnet werden”, „Klangbilder des Sprechens”, „Klangbilder, die uns als Gesellschafts-Wesen bedeuten sollen”: Diese fünf Kontextfelder bilden dann auch den formalen Plan der Materialanordnung für das Stück.
Die Transformation der Fixierung der „Bilder” und des Hörens wird dann über die kompositorische Arbeit an den Kontextualisierungen anvisiert. Die De-Funktionalisierung, das Herausbrechen der präfixierten Bedeutung und Funktion aus dem Block von „Klangfigur” und deren „nachvollziehender Einordnung” (im perzeptiven und kognitiven Prozess der „Wahrnehmung”) ist hier Ziel. Ist dies gelungen, wird das Hören des Bekannten auf eine unbekannte Ebene verschoben: Sowohl die „Stofflichkeit” der Klangfiguren ist eine andere als auch die nun spezifizierte Bedeutung (jetzt spreche ich vom Sinn des Klingenden), und nicht zuletzt ist der Akt des Hören ein aktiver, neu ordnender geworden.
Die Klangfigur und mein Hören dieser emanzipieren sich, sie werden zu vielschichtigen Wesen, die sowohl in der Erinnerung der alten Bedeutung als auch in den komplexen Zusammenhängen der neu erstellten Kontexte zu einer Form des Erlebens führt, die vieldimensional ist.
Meine Erfahrung damit, dass Alles etwas bedeutet, bringt mich dazu, dass Etwas für mich nur bedeutend wird, wenn es etwas anderes bedeutet, als allgemein oder von mir bis dato angenommen und akzeptiert. Erst wenn Dinge aus der festgesetzten, starren Allgemeinheit ins Spezifische, und somit auch Bewegliche, auch Mehrdeutige (aber niemals Amorphe) sich transformieren, gewinnen sie Bedeutung für mich, sind sie geeignet, etwas „in mir, von mir” zu bedeuten.
Ich möchte beim Hören erleben, wie 1.) der Donner (unsere Vorstellung davon, die Übertragungsleistung unseres Wahrnehmungs- und Vorstellungsapparates vom Ereignis zur Klangfigur) und 2.) klingt: die Betonung liegt also auf beidem, der semantischen und gestalthaften Prägung und der direkten akustischen Präsenz. Wenn beides in Frage steht, bin ich mit meinem Hören ebenso Teil der Frage als auch Teil der Antwort.

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