echoraum logo

Heinz von Foerster 90



Der erste Flug von München nach Wien, 1934

Der Begriff Cybernetics (Kybernetik) leitet sich von dem altgriechischen Kybernetes, Steuermann, ab. Norbert Wiener verwendete ihn 1948 zur Charakterisierung von "Kontrolle und Kommunikation bei Tier und Maschine". Ein wichtiger Bereich entsprechender Forschungsanstrengungen bestand unter anderem in der Untersuchung von "Zirkulär-kausale(n) und Rückkopplungs-Mechanismen in biologischen und sozialen Systemen" - so der ursprüngliche Titel einer Tagungsreihe der Macy Conferences in den 40er- und 50er-Jahren. Es war der damals gerade erst aus Wien in die USA emigrierte Heinz von Foerster, der bewirkte, daß diese Tagungsreihe fortan den Titel "Cybernetics" trug. Auf diese Weise begannen die weltweite Verbreitung des Begriffs Kybernetik und seine lange, wechselhafte Karriere, unter anderem bis hin zur heute ausgeprägten Cyber Culture.

Heinz von Foerster erkannte aber auch als einer der ersten, daß sich jedes beobachtete "System" aus einer Menge von "Elementen" konstituiert, die als solche von Beobachtern ausgewählt worden sind: Eine Wissenschaft von beobachteten Systemen ist somit untrennbar verknüpft mit einer Wissenschaft von beobachtenden Systemen. Folglich geriet "die Beobachtung der Beobachtung" ins Zentrum der Aufmerksamkeit Foersters, oder noch allgemeiner: die Kybernetik der Kybernetik (auch: Kybernetik zweiter Ordnung). Doch damit gelangten wir erst zum Anfang einer (für dieses Vorwort viel zu langen) Liste von Forschungsbereichen, denen das stets neugierige Leben Foersters gewidmet war.

Zur Bewahrung, Aufarbeitung und Weiterführung der schon bisher so einflußreichen Ideenwelt Foersters wurde kürzlich die Heinz von Foerster-Gesellschaft in Wien ins Leben gerufen. Gleichzeitig wurde am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien ein Heinz von Foerster-Archiv angelegt, dessen Bestände vom Namensgeber als "Nachlaß zu Lebzeiten" zur Verfügung gestellt wurde.

Im Herbst 2001 sind zwei in diesem Kontext wichtige Ereignisse zu vermerken. Zum einen wurde Heinz von Foerster am 18. Oktober der Ehrenpreis des Viktor Frankl Fonds der Stadt Wien verliehen und der Ehrenring der Stadt Wien überreicht, zum anderen feiert er am 13. November seinen 90. Geburtstag. Letzteres wurde vom Wiener Veranstaltungsort echoraum zum Anlaß genommen, an seinem Geburtstag eine Lesung mit Texten Foersters zu gestalten. Darüber hinaus wurde in einer Gemeinschaftsproduktion von echoraum und Heinz von Foerster-Gesellschaft die vorliegende Buch + CD-Produktion vorbereitet, die dem Umstand Rechnung trägt, daß Foerster darauf bestand, "Leben" und "Werk" nicht zu trennen. Dem "Leben" Foersters nähern wir uns mit einer Serie von Photographien in gleichsam picto-graphischer Weise, für sein "Werk" steht ein kleines Beispiel daraus: die akustische Dokumentation von fünf Vorlesungen aus dem Jahr 1983, gemeinsam mit schriftlichen Materialien dazu, die auf der CD-ROM zu finden sind. So gesehen wird hier eine weitere Illustration zu Heinz von Foersters eindrucksvoller Synthese von "Leben und Werk" präsentiert.




HvF bei der Eröffnung des Heinz von Foerster-Archivs
Wien, Oktober 2001

Pfeil3