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1 + 1 =

Jedes Mal, wenn ich das Glück habe ein Konzert zu besuchen, wo Live-Musik mit Video auf der Speisekarte steht, empfinde ich eine Mischung aus Faszination / Irritation, und ich verstehe dann nie warum.

Mich können die vielfältigen Optionen stören, die meinen Augen zur Auswahl stehen. Normalerweise hat die Beobachtung der Live-Musiker für mich eine starke Anziehungskraft genauso wie die Projektion von Video. Dieser Konflikt kann, für mich, die reine Musik stören.

Kann eine „Polyvisualität“ im Zusammenhang mit Polyphonie erzeugt werden?

Sehen oder Hören...

Auf der anderen Seite entstehen dadurch sehr viele Fragen in meinem Kopf, etwas, das mich sehr stimuliert.

Der einzige Weg für mich, dieses Rätsel zu lösen, war, den Stier an den Hörnern zu packen, gemeinsam mit Videokünstlerinnen und -künstlern zu arbeiten und mit dieser für mich fremden Kunst ein Projekt zu realisieren. Dafür habe ich meine Lieblingssoloblockflötenstücke ausgesucht oder meine Lieblingskomponisten und -innen gefragt, ein Solo-Stück für das Projekt zu schreiben. Gleichzeitig habe ich die interessantesten Video-Leute, die ich in den letzten Jahren getroffen habe, eingeladen bei diesem Experiment mit zu machen.

Ich habe für jede Komponistin und jeden Komponisten je einen Video-Partner ausgesucht, intuitiv zusammen gestellt, wobei der Grundton von „1+1=“ in diesem Fall von einer fertigen Komposition ausgeht, zu der dann ein Video erstellt wird.

Ich bin sehr neugierig auf das Endresultat ... Allerdings, die Werke und das Interesse, die ich bei allen Beteiligten gesehen und gehört habe, gibt mir schon die Antwort auf einige meiner Fragen und zeigt mir die nächste Schritte, die zu machen sind, um zu verstehen.

Angélica Castelló

Angélica Castelló - Blockflöten

Angélica Castelló wurde in Mexico City geboren und spielt seit langer Zeit Blockflöte. Sie studierte und arbeitete mit dem Instrument und der Musik in Mexiko, Montreal, Amsterdam und Wien. Zur Zeit lebt sie in Wien, wo sie auch unterrichtet, die Konzertreihe für Neue Musik in der Ruprechtskirche organisiert und mit TänzerInnen, SchriftstellerInnen, MusikerInnen, VideokünstlerInnen und SchauspielerInnen zusammenarbeitet. Sie trat und tritt als Solistin und mit den Ensembles Los Autodisparadores, sweet+sour, Fiori Musicale, Low Frequency Orchestra, Projekt Theater Wien u.a. in Europa und Amerika auf.

www.firstfloor.org/angelicacastello .

Sérénité (09'09")

„ein ...

rauchiger atem
geräuschtes grün
flimmriger rausch
genebelte klarheit

beruhigtes innen

und ...

gelöste spieglichkeit
flüssiger schatten
langsames flirren
gedröhnte hitze
tiefe behäbigkeit
massives geblase

geborgener beton

aus ...

und ...

ein ...
abgelöstes miteinander
von ton und bild“

 

Sérénité
Sérénité
Sérénité

Angélica Castelló: Komposition, Subgroßbassblockflöte
Burkhard Stangl: Komposition, Tonband
Catherine Ludwig: Fotografie, Video, Text

Burkhard Stangl

composer/performer, geb. 1960, arbeitet in den Bereichen experimentelle Improvisation, elektronische und neue Musik. An die 50 CD-Veröffentlichungen (Ereignislose Musik, Récital-Gitarre Solo, Venusmond – Oper ohne Ort I–V). Publikationen: Bücher (Ethnologie im Ohr) , Artikel, Essays. Konzerte und Festivals weltweit. Lebt in Wien.

stangl.klingt.org

Catherine Ludwig

1976 in Deutschland geboren, lebt und arbeitet in Wien
1996 Abitur in Oberbayern
1997– 02 Studium Kommunikationsdesign an Fachhochschule, Nürnberg
2002 Diplom
seit 2002 Studium medienübergreifende Kunst an der Universität für angewandte Kunst, bei Prof. Kowanz, Wien

Ausgewählte Ausstellungen:

2003 Wien, „Sterile Wartezelle“, m. K. Stöger (A), Project Space
2003 Wien, „Kunstbetrachter betrachten Kunstbetrachter - Folge 01“,
Gruppenausstellung, To be continued – Schönbrunnerstraße
2003 Innsbruck, IN(N)’ sTALL’AcTION: „Kunstbetrachter betrachten
Kunstbetrachter – 02“, Gruppenausstellung, Tiroler Kunstpavillon
2004 Wien, FACING: „Flyer“, Gruppenausstellung, Westlicht Galerie
2004 Spittal, GRANATAPFEL: „Spektators 04“,Gruppenausstellung
Galerie Schloss Porcia
2004 Belgrad, „Summerbeach 04“ m. A. Matsuzaka (J), Gruppenausstellung,
Museum 25th of May
2004 Wien, „Beach no. 05 – Folge 02“, Gruppenausstellung,
To be continued – Lerchenfelderstraße
2005 Wien, „Controlled Leisure Time-Tropical Islands“
Einzelausstellung, Salon des Bétonsalons (MuseumsQuartier)
2005 Prato, „VIDEOTHEKA“, Gruppenausstellung, Ex Macelli
2005 Wien, „miniarkadien“, Einzelausstellung, RAUMAUSTAUSCH

Arbeitsaufenthalte / Stipendien:

1999 London, Illustrationskurs, St. Martin´s School of Art & Design
2004 Belgrad, “Real Presence Generation 04“ internationaler Workshop
2004 6-wöchiger Chinaaufenthalt: Shanghai, Hangzhou, Guangzhou,
Hong Kong, Peking, Quingdao,
2005 Wien, RAUMAUSTAUSCH, Tobe continued
2006 Taipeh, Taiwan, Artist-in-Residence, Artistvillage

www.nocti-luca.com

Über das Stück von Katharina Klement / Douglas Parsons :

W

„W“ entstand 2001/02 in Zusammenarbeit mit der Blockflötistin Angélica Castelló und ist ihr gewidmet. Das Stück ist für mikrofonierte Bass- und Subbassblockflöte mit gleichzeitiger Einbeziehung der Stimme geschrieben. „W“ steht als Symbol der unendlichen Falte, die zwischen Materie und Seele, zwischen dem Äußeren und Inneren verläuft: Gebiet der Untrennbarkeit, Kante, Scharnier.

W
„Der Barock verweist nicht auf ein Wesen, sondern vielmehr auf eine operative Funktion, auf ein Charakteristikum. Er bildet unaufhörlich Falten.“ (Gilles Deleuze, „Die Falte – Leibniz und der Barock“, suhrkamp 2000)
W

Katharina Klement

geb. 1963 in Graz, Österreich Studien: Klavier, Komposition, Lehrgang für elektroakustische und experimentelle Musik an der Musikuniversität Wien, Gastkurs „music technology“ an der University of York, U.K., private Studien in Plastik/Skulptur und Tanzimprovisation.

W
Nach ersten Instrumentalkompositionen und querverbindenden Projekten in den Bereichen Musiktheater/Performance seit 1990 zahlreiche elektronische Kompositionen, speziell Mehrkanal-Stücke, wechselweise in Kombination mit Instrument(en) und/oder Stimme(n), mehrere Arbeiten für mechanisch und elektronisch präpariertes Klavier, Klanginstallationen, Improvisationsensembles als „composer-performer“ im Feld von notierter und improvisierter, instrumentaler und elektronischer Musik tätig.
Mehrere CD-Einspielungen, diverse Preise, Stipendien und Auftragswerke, Aufführungen und Konzerttätigkeit im In- und Ausland. Lebt in Wien.

www.katharinaklement.com

W

Douglas Parsons

Poly-media artist (USA/CH) born 1970 in Würzburg, Germany. Studied art and architecture at the University of Oregon, Bach. Sci. diploma 1993. Experiments in photography, film/video, sound, performance...

W

Residencies at the Royaumont Foundation, Paris and CCA Prague. Internship in museography at the Peggy Guggenheim Museum, Venice. Screenings/exhibitions: VIPER Basel, FILE/Hipersônica Sao Paulo, VideoEx Zürich, among others. Lives in Lausanne, Switzerland.

www.tiscalinet.ch/parsons.douglas

W

Über das Stück von Di Scipio :

4 Variazioni sul Ritmo del Vento

Di Scipio : 4 Variazioni sul Ritmo del Vento

Die Großbaßblockflöte von Paetzold ist ein wunderbares Geräuschinstrument. Diese Komposition (4 Variationen über den Rhythmus des Windes) erforscht das mikro-rhythmische Artikulationspotential des Instruments. Es lenkt die Aufmerksamkeit auf einige Spieltechniken, vor allem auf die Erzeugung von Lärmkulissen. Daraus entwickelt sich eine Musik, die Tonqualität, Dichte und Rhythmus zusammenzaubert und eigenartige Klangfüllen produziert (Wir können hier kaum Noten hören). Die Partitur verlangt nach einer polyphonen Annäherung an das Instrument: Es spielen nicht nur die Resonanz des Rohres eine Rolle, sondern auch das Labium, die Klappen, die Lippen und Zunge der Ausführenden und deren Atem haben ihre Wichtigkeit. Ein Audiocomputer (Kyma genannt) wird verwendet um die Blockflötenklänge zu transformieren. Der Komponist hat diese Maschine dazu programmiert, die Klänge in winzige Schallpartikel zu trennen und sie mit Hilfe von verschiedenen Strategien umzustrukturieren, die dann als unterschiedliche Klanggesten und -umwelten wiedergegeben werden.

Jede der 4 Variationen wird von einer aufgenommenen Stimme vorgestellt/aufgerufen. (Es soll die Stimme des Musikers in dessen Muttersprache sein.) Jede Variation verwendet das selbe musikalische Material, aber große Abschnitte des Originals werden in späteren Variationen weggelassen, bis nur noch ein paar Klänge übrig bleiben. Am Anfang ist der instrumentale Ursprung der elektronischen Klänge klar hörbar, aber wenn sich die Variationen entfalten, bleibt nur eine Art Schallstaub übrig.

Diese Komposition ist meinem lieben Freund und Blockflötisten Antonio Politano gewidmet, der dieses Stück in Helsinki uraufgeführt hat (Sibelius Akademie, Oktober 1995). Seither ist dieses Stück einige Male aufgeführt worden (ob mit „live“ oder auch mit „aufgenommenen“ elektronischen Klänge).

A. Di S.

Tiento II (2005)

Das Wort Tiento bezeichnet spanische und portugiesische Stücke des 16. und 17. Jahrhunderts, die als mit dem Ricercare gleichwertig erachtet und manchmal mit der Fantasia ausgetauscht worden sind. Die frühesten Beispiele dürften geschrieben worden sein, um dem Interpreten zu erlauben sein Instrument zu erproben. In Tiento II „erprobt“ der Spieler sein Instrument unter Verwendung der sogenannten Neuen Techniken (Flageolets, Multiphonics, Farbtriller, usw.).

Tiento II wurde für die Widmungsträgerin Angélica Castelló komponiert.


Daniel De La Cuesta hat seine musikalische Ausbildung mit 13 Jahren in seiner Heimatstadt Mexico City begonnen. Nach dem Abschluss der Studien Komposition und Wirtschaft reiste er 1991 nach Wien, wo er seine Kompositionsstudien mit Michael Jarrell fortsetzte. Derzeit arbeitet er an seiner Dissertation.

seascape (1994)

wurde den Blockflötisten Antonio Politano gewidmet. "in diesem stück wollte ich meine Interpretation der Dialektik von Konsonanz und Dissonanz, Klang und Geräusch, Spannung und Entspannung, der Dauer einer Stimmlinie zwischen Ein- und Ausatmung und der Harmonie der Frequenzen, die in einer solchen Linie existieren, darstellen. Dieses Modell wird Beschleunigungsprozessen, Transformationen, Ergänzungen und Störungen der Symmetrie unterworfen- bis das Gegenteil des Anfangpunktes erreicht wurde."
(Fausto Romitelli)

sofia v bustorff

works with video and new media on collaborative international projects. her images become partly performance but are also partly experimentations with forms of documentation - the camera as an interior component and an exterior view.
in _with other eyes_, images are altered to approximate and simulate animal perception: an attempt to bridge the species' barrier, as much as to broaden human perception. _atmoscapes_ are minimal poetic spaces, a series of video installations. she is currently interested in developing an instrument for the exploration of spaces using light and its reflections.
a paramedia nomad, she works between europe and new york.

e  c  h  o  r  a  u  m
Sechshauser Straße 66
A-1150 Wien
Tel  812 02 09
Fax  812 02 09 11

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